NFL

Play-offs ohne zu viel Gala: Warum Aaron Rodgers unter dem Radar läuft

Star-Quarterback der Green Bay Packers und das große Ganze

Play-offs ohne zu viel Gala: Warum Aaron Rodgers unter dem Radar läuft

Aaron Rodgers ist Quarterback der Green Bay Packers.

Ist nach wie vor der Star der Green Bay Packers - muss nur nicht mehr alles allein machen: Aaron Rodgers. imago images

Niemand wird in Bezug auf die gesamte Leistungsfähigkeit widersprechen, dass Aaron Rodgers einer der talentiertesten Quarterbacks der NFL-Geschichte ist. Ein Super-Bowl-Sieg, 46.623 erreichte Passing Yards und 362 Touchdowns bei nur 83 Interceptions in 180 Regular-Season-Spielen sprechen für sich. 3121 erlaufene Yards sowie 28 Scores als "Running Back" zeugen zudem davon, dass sich der wurfgewaltige Spielmacher auch immer wieder etwas gegen hereinbrechende Abwehrreihen einfallen lässt und mit überraschenden Scrambles besticht. Doch 2019 ist doch einiges anders.

Die Kurzfassung: "A-Rod" hat in dieser Saison bislang nur in drei Spielen über 300 Passing Yards erreicht, seit sieben Partien hat der "Gunslinger" nicht einmal mehr die 250 Passing Yards geknackt. Insgesamt fehlen dem Star-Quarterback der Packers vor dem letzten Spiel bei den Detroit Lions am kommenden Sonntag (19 Uhr MEZ) so noch 321 Yards, um die Spielzeit zumindest mit 4000 Yards zu beenden. Und dieses Kunststück ist die Fanschar eigentlich gewohnt, hat er das doch schon siebenmal in seiner 15-jährigen NFL-Karriere erreicht. Auch seine 24 verbuchten TD-Pässe wirken für seine Maßstäbe doch recht wenig. Zum Vergleich: 45 waren es 2011, 40 2016. Stark ist dagegen die Bilanz bei den Interceptions: Hier steht er bei drei, davon zwei verschuldet durch verpasste Catches seiner Receiver, einer beim vergangenen 23:10-Auftritt bei den Minnesota Vikings, als ihm sein Namensvetter Aaron Jones am Ende die Show gestohlen hat.

Rodgers: "Ich muss keine 40 Touchdowns mehr werfen"

Kommt der 36-jährige Hail-Mary-König etwa in die Jahre? Hat "A-Rod" seinen Zenit überschritten? Leert sich der Colt des "Gunslingers", des jahrelang gefeierten Revolverhelden? Ein detaillierter Blick gibt etwas Aufschluss: Denn hat Rodgers in den vergangenen Jahren das gesamte Team oft fast im Alleingang zu Erfolgen führen müssen, so stellt sich "The Pack" mit der Umstellung auf den neuen Trainer Matt LaFleur (40) deutlich vielseitiger auf. Eine starke Defense, betreut von Mike Pettine, kann genauso Spiele entscheiden wie ein bestens etabliertes Laufspiel. Die Partie bei den Vikings lässt grüßen: Running Back Jones lief hier über phänomenale 154 Yards zu zwei Touchdowns, die Abwehr ließ derweil nur 139 Yards Minnesotas in die Statistik einlaufen. Solche Werte hat manch ein Fan der Packers seit vielen, vielen Jahren oder sein gesamtes Leben noch nicht gesehen.

Die logische Schlussfolgerung daraus: Rodgers, der in den vergangenen beiden Jahren die Play-offs mit Green Bay verpasste, steht nicht mehr allein im Rampenlicht. Am aktuellen Erfolg mit einer Top-Bilanz von 13:2, womit das Team sogar noch um den Top-Seed der NFC und damit um das Gesamtheimrecht über die Play-offs spielt, zeigt sich jeder einzelne Teil der Mannschaft verantwortlich.

Passenderweise sagt Rodgers ganz aktuell dazu: "Ich denke, der Erfolg und die Art und Weise, wie ich in diesem Jahr spiele, sind in dieser Offensive gänzlich anders. Ich muss keine 40 Touchdowns mehr werfen, um zu gewinnen. Ich muss einfach vielmehr bei meinen Checks großartig sein, so effizient wie möglich. Ich muss mich um den Ball kümmern." Und ihn eben oft einfach nur solide an den Läufer weiterreichen. Moderne Aufgabenteilung sozusagen, was dem Gegner das Lesen der Packers-Offense deutlich erschwert. Schließlich müssen sich gegnerische Abwehrreihen inzwischen nicht nur um den einen Aaron kümmern, sondern auch um den lauffreudigen Aaron hinter dem Quarterback. Und dass der Spielmacher selbst immer wieder für präzise Geschosse zu haben ist, zeigt sich in jedem Spiel vereinzelt an gewissen Stellen. Ein weiterer Vorteil: War Rodgers in der Vergangenheit immer wieder von Verletzungen heimgesucht, kam er bis dato blessurenfrei durch die Spielzeit.

400-Yard- und Fünf-Touchdowns-Rodgers? "Wir haben das nicht gebraucht"

Matt LaFleur und Aaron Rodgers sind Teil der Green Bay Packers.

Hat das neue System unter Trainer Matt LaFleur (links) angenommen: Packers-Quarterback Aaron Rodgers. imago images

Starke individuelle Werte kümmern den Routinier außerdem nicht allzu sehr: "Ich interessiere mich auf jeden Fall weiter dafür. Nur sind Siege am Ende mehr wert als persönliche Bestleistungen. Klar sagt ihr beim Blick auf die Statistik vom letzten Spiel: 'OK, du stehst bei 26 von 40 Pässen bei etwas mehr als 200 Yards, hast keinen Touchdown. Über was redest du? Stufst du dich selbst inzwischen wirklich so weit herab?' Ich sage aber: 'Nein, meine Erwartungen sind dieselben. Ich erwarte Großes von mir.' Meine Verantwortung ist es aber einfach, mich auf die Checks und auf den Sieg des Teams zu konzentrieren. Klar, jeder Quarterback will am Ende immer vier oder fünf Touchdown-Pässe werfen. Das ist mir in diesem Jahr einfach noch nicht gelungen, musste es auch nicht. Wir haben das nicht gebraucht, um trotzdem zwölf Spiele zu gewinnen."

Und das ist das, was sich sehen lassen kann. Musste Rodgers unter Vorgänger Mike McCarthy "beinahe in jedem Spiel 40-mal und mehr den Ball werfen, was sogar zu einer Serie von fast 50 Spielen ohne einen 100-Yard-Rusher geführt hat, machen wir das dieses Jahr anders". Mit Erfolg, was auch folgende Statistik zeigt: Mit seinen 216 Yards beim 23:10 bei den Vikings hat Rodgers zum ersten Mal in seiner Karriere ein Spiel gewonnen, in dem er bei einer Interception und ohne Touchdown-Pass geblieben ist. Es war außerdem sein drittes Spiel in diesem Jahr ohne TD-Zuspiel - und alle drei gewann Green Bay. Zuvor hatte es bei "A-Rod" nur vier Siege bei zehn Niederlagen bei Auftritten ohne eigenen Touchdown geheißen.

mag