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Nie mehr "Everton Cup"? Ancelottis heikle Mission

Die gewagten Ziele des neuen Toffees-Trainers

Nie mehr "Everton Cup"? Ancelottis heikle Mission

Langer Vertrag, große Ziele: Carlo Ancelotti beim FC Everton.

Langer Vertrag, große Ziele: Carlo Ancelotti beim FC Everton. picture alliance

Carlo Ancelotti gilt als eher gemütlicher Trainer, insofern scheint er erst einmal nicht schlecht zum FC Everton zu passen: Der Traditionsklub aus Liverpool macht es sich seit Jahren zwischen Platz fünf und elf bequem, den Tabellensiebten belächelt man in Fankreisen als "Everton Cup"-Gewinner. Doch weil Everton eigentlich von der Champions League träumt, gerade aber Tabellen-15. ist, gibt es Zweifel, ob sich da die Richtigen gefunden haben.

Ancelotti vergleicht Everton mit PSG - und peilt die Champions League an

Mit aller Macht will Farhad Moshiri, Evertons Klubbesitzer seit 2016, zu den Topklubs des Landes aufschließen. Er investierte Abermillionen auf dem Transfermarkt und in die Infrastruktur, am Montag reichten die Toffees ihre ehrgeizigen Pläne für ein neues, 52.000 Zuschauer fassendes Stadion bei der Stadt ein. "Das Projekt bei Paris St. Germain war wirklich gut", sagt Ancelotti, PSG-Trainer von 2011 bis 2013. "Hier habe ich den gleichen Eindruck." "Langfristig" peilt auch er mit Everton die Königsklasse an. "Im Fußball ist nichts unmöglich."

Nun hat Ancelotti reihenweise Titel gewonnen, war Meister in Italien, England, Frankreich und Deutschland, ist dreimaliger Champions-League-Sieger. Gleichzeitig aber verfolgt den 60-jährigen Italiener nicht ganz unbegründet seit einigen Jahren das Image, auf der Trainerbank eher Verwalter als Erneuerer, eher Unterhalter als Innovator zu sein - ob in Paris, Madrid, München oder Neapel. Zwei Jahre blieb er seit der erfolgreichen Milan-Ära (2001 bis 2009) bei keinem Klub mehr. In Everton unterschrieb er bis 2024.

Schon im Januar sind Transfers geplant - Ibrahimovic gehört nicht dazu

Ausgerechnet Ancelotti also soll einen Klub, der noch nie an der Champions League teilnahm und 2005 letztmals eine Saison unter den ersten Vier beendete, in Europas finanzstärkster Liga auf eine neue Ebene führen; Ronald Koeman und Ancelottis direkter Vorgänger Marco Silva waren an diesem Unterfangen letztlich krachend gescheitert. "Attraktiven Fußball" hat sich Ancelotti vorgenommen, schon im Januar sind weitere Transfers geplant (Zlatan Ibrahimovic gehört ganz offensichtlich nicht dazu).

Everton will nach der x-ten Übergangssaison spätestens 2020/21 beweisen, endlich bereit für den nächsten Schritt zu sein; Ancelotti, dass er mehr ist als eine Trophäe für Moshiri und dass er es nicht verlernt hat, eine Mannschaft weiterzuentwickeln. Wenn das neue Stadion eröffnet, "würde ich gerne noch da sein", sagt er. Das ist zur Saison 2023/24 geplant.

Der kurzfristige Traum: ein Derbysieg gegen Liverpool im FA Cup

Erst einmal aber plant er, Everton (am "Boxing Day" gegen Burnley) aus dem Tabellenkeller zu holen und vielleicht Spitzenreiter Liverpool am 5. Januar im FA-Cup-Drittrundenspiel in Anfield zu überraschen. "Ich weiß, wie sehr die Fans Liverpool schlagen wollen", sagt er, und wieder: "Im Fußball ist nichts unmöglich."

Evertons letzter Sieg gegen die Reds ist neun Jahre her, Ancelottis letzter erst drei Monate: Mit Neapel bezwang er sie am 17. September mit 2:0.

Jörn Petersen