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Doping-Experte Seppelt zu den Vorwürfen gegen deutsche Radsportler: "Strafzeitraum von 2012 und 2013"

Verdächtigten Radfahrern drohen vor allem sportjuristische Konsequenzen

Seppelt: "Strafzeitraum von 2012 und 2013"

Hajo Seppelt

Der Doping-Experte Hajo Seppelt am Rande des Zivilprozesses gegen den ehemaligen österreichischen Ski-Langläfer Johannes Dürr im April 2019. picture alliance

Noch sind die Namen der beiden unter Verdacht stehenden deutschen Radprofis nicht bekannt. Laut dem ARD-Bericht soll es sich bei dem Duo "um zwei deutsche Radprofis aus hochklassigen Pro-Tour-Teams" handeln, die beide "auch an der Tour de France teilgenommen haben". Einer von beiden sei noch aktiv, ist also in der Saison 2019 für einen Profi-Rennstall gefahren.

"Die Namen sind den Ermittlern bekannt, aber der Stand der Ermittlungen lässt es nicht zu, dass sie jetzt schon öffentlich werden", sagte der Doping-Experte Hajo Seppelt in einem Interview mit dem "Deutschlandfunk".

Wie Seppelt weiter ausführte, lägen die den Fahrern vorgeworfenen Tatbestände schon ein paar Jahre zurück: "Es geht hier um einen Strafzeitraum von 2012 und 2013", teilte Seppelt mit. Damit würde den beiden Sportlern "strafrechtlich vermutlich keine Verfolgung mehr drohen", so Seppelt. Denn Dopingmissbrauch verjährt im Strafrecht nach fünf Jahren. Im Sportrecht beträgt die Verjährungsfrist dagegen zehn Jahre. "Wenn sich die Verdachtsmomente erhärten sollten, würde dementsprechend der WADA-Code Gültigkeit haben."

Von den neuen Vorwürfe im Rahmen der "Operation Aderlass" zeigte sich Seppelt nicht überrascht. "Das passt ins Bild", sagte er. Allerdings zeigten die Details der von der Staatsanwaltschaft sichergestellten Chat-Protokolle, "mit welcher Raffinesse und mit welcher kriminellen Energie hier Doping betrieben wurde".

Durch die Ermittlungen der "Operation Aderlass", die durch das Dopinggeständnis des ehemaligen österreichischen Ski-Langläufers Johannes Dürr in dem ARD-Film "Die Gier nach Gold" ins Rollen kamen, gerieten bisher 23 Sportler unter Dopingverdacht. Im Mittelpunkt des Doping-Netzwerks soll der Erfurter Arzt Mark S. stehen. Gegen den mutmaßlichen Drahtzieher und vier seiner Helfer hatte Oberstaatsanwalt Kai Gräber in der vergangenen Woche Anklage erhoben. Laut Seppelt sei mit der Eröffnung der Hauptverhandlung "erst im Sommer 2020 zu rechnen, dann in München."

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jer