Bundesliga

Leipzigs starkes Halbjahr hat zwei Ursachen - Kommentar von Oliver Hartmann

RB ist Herbstmeister - ein Kommentar von Oliver Hartmann

Leipzigs starkes Halbjahr hat zwei Ursachen

Timo Werner

Timo Werner - einer der Leipziger Erfolgsfaktoren. imago images

Anders als beispielsweise Borussia Dortmund in den letzten beiden Spielen bestachen die Sachsen durch einen unbändigen Siegeswillen, der sich unter anderem darin ausdrückt, dass sie wettbewerbsübergreifend in sieben Spielen einen Rückstand mindestens noch ausgleichen konnten. Auch beim 3:1 gegen Augsburg ließ sich der jüngste Kader der Liga durch den frühen Rückstand nicht aus der Bahn werfen, siegte hochverdient.

Diese erfolgreiche Halbserie - in der Liga wie auch beim souveränen Achtelfinal-Einzug in der Champions League - hat im Wesentlichen zwei Ursachen. Erstens: Im Sommer wurde der stärkste und umfangreichste Kader der gut zehnjährigen Klubgeschichte zusammengestellt. Alle Leistungsträger wurden gehalten, wobei die Vertragsverlängerung von Timo Werner ein besonders wichtiges Signal darstellte. Zudem wurden für knapp 50 Millionen Euro gemäß der Maxime, nur hochbegabte Talente bis maximal 24 Jahre zu holen, neue Spieler verpflichtet, von denen sich der französische Offensiv-Dribbler Christopher Nkunku und der tschechische Torjäger Patrik Schick bereits als wertvolle Bereicherungen entwickelten.

kicker-Chefreporter Oliver Hartmann

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Zweitens: Die Verpflichtung von Trainer Julian Nagelsmann erwies sich als Glücksgriff. Der mit 32 Jahren jüngste Trainer der Liga passt mit seiner forschen Herangehensweise und seiner optimistischen Grundart perfekt zu diesem strebsamen Fußball-Projekt RB Leipzig. Nagelsmanns Plan, das von RB-Macher Ralf Rangnick gesetzte Fundament aus Pressing, Gegenpressing und permanentem Hochgeschwindigkeits-Fußball zu erhalten und um spielerische Lösungen bei eigenem Ballbesitz zu erweitern, ging bemerkenswert schnell auf. Anders als in früheren Jahren ist RB Leipzig nicht mehr eine in erster Linie überfallartig konternde Mannschaft, sondern ein Ensemble, dass sich auch gegen tiefstehende Gegner reihenweise hochkarätige Chancen erspielt. Neun waren es gegen Augsburg, 136 in den 17 Ligaspielen der Hinrunde. Nur die Bayern sind noch gefährlicher.

Bleibt Leipzig in der Rolle des Gejagten nervenstark?

Die Bayern werden auch in der Rückrunde das Maß der Dinge sein. Ihre spät erzwungenen Siege gegen Freiburg und Wolfsburg waren alles andere als überzeugend, halten den Rekordmeister bei vier Punkten Abstand jedoch auf Tuchfühlung. Die Leipziger werden in der Rückrunde beweisen müssen, dass sie auch in der Rolle des Gejagten so nervenstark und konstant auftreten können wie bisher. Zuzutrauen ist ihnen das allemal.

Oliver Hartmann