DTM

DTM: BMW schnappt sich Lucas Auer

Ein starker Neuzugang für den DTM-Kader

BMW schnappt sich Lucas Auer

Lucas Auer fährt 2020 für BMW in der DTM.

Lucas Auer fährt 2020 für BMW in der DTM. imago images

Auer darf für die Mannschaft um Sportchef Jens Marquardt als gelungener Coup bezeichnet werden. Denn fertige DTM-Fahrer sind rar, zumal wenn sie so jung sind wie Lucas Auer und ihre Zukunft noch weitestgehend vor sich haben. Und weil Auer der Neffe von Gerhard Berger (60) ist, der um die Jahrtausendwende noch Sportchef beim Formel-1-Projekt von BMW war und seit 2017 die DTM lenkt, wird es auch diesmal nicht wenige geben, die von Schützenhilfe sprechen. "Hilfe von Gerhard Berger?", hat Auer in einem kicker-Interview 2018 als Frage in den Raum gestellt und die Antwort gleich selbst gegeben: "Schwachsinn!"

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Auer sammelte Erfahrungen in der Super Formula und Toyota Racing Series

Nach dem Ausstieg von Mercedes zum Ende der Saison 2018 war Auer gezwungen, sich nach anderen Betätigungsfeldern umzusehen. Er fand sie in Japan, wo er in der Super Formula (ehemals Formula Nippon) in offenen Einsitzern, die ähnliche Geschwindigkeiten wie Formel-1-Autos erreichen, zum Ende seiner Rookie-Saison Platz neun belegte. Besser lief es für ihn in der parallel dazu bestrittenen Toyota Racing Series, wo es zu einem Sieg, drei Pole-Positionen und Endresultat 3 reichte.

Auer: "Ich suche immer die Lücke"

Auers ausgewiesene Stärke ist das Qualifying, auf eine Runde ist der neben Philipp Eng zweite Österreicher im Team enorm schnell. Auch im Rennen geht der Tiroler dem Risiko niemals aus dem Weg. Was im Fußball der Beinschuss ist, ist im Rennsport das Überholmanöver auf der Außenspur - Auer ist dafür stets ein Kandidat: "Klar, außen herum ist immer gefährlich. Die Regeln sagen, du musst den anderen überleben lassen, und normalerweise wird ja der, der gerade außen ist, abgedrängt. Wenn du es aber ordentlich machst, dann geht das schon auch. Ich suche immer die Lücke."

Kubica bewirbt sich

Gleichzeitig mit Auers Verpflichtung verkündete BMW, dass nach Bruno Spengler auch der Schwede Joël Eriksson (21) nach nur zwei Saisons nicht länger zum DTM-Kader gehören wird. Der Jahres-Elfte soll für die Bayern künftig vorwiegend im GT-Sport zum Einsatz kommen. Da Marco Wittmann, Timo Glock, Philipp Eng und Sheldon van der Linde an Bord bleiben, ist zumindest noch ein Platz im Sechser-Werkskader von BMW frei, um den sich neben anderen auch der polnische Ex-Formel-1-Fahrer Robert Kubica (35) bewirbt. Vergangene Woche absolvierte er einen ausführlichen Test im spanischen Jerez. Zudem ist derzeit noch nicht endgültig geklärt, ob BMW neben den sechs Werkspiloten auch ein oder zwei Fahrer in einem Privatteam unterbringen wird. Ähnlich handhabt dies Audi mit dem belgischen WRT-Team.

Neuzugang Auer jedenfalls ist froh, wieder zurück zu sein in Europa. Für ihn ist "die DTM die beste Serie, die coolste, entspannt und doch so harter Wettkampf. Ich würde gerne mal sehen, wo es das ansonsten gibt. Ich find's extrem lässig". Auch Motorsportchef Jens Marquardt erwartet vom kleinen Österreicher große Taten: "Lucas hat in bisher 73 DTM-Rennen sein Können eindrucksvoll unter Beweis gestellt und mit vier Siegen und zehn Podestplätzen gezeigt, dass er ganz vorne mitfahren kann. Wir denken, dass er nicht nur aufgrund seines enormen fahrerischen Potenzials, sondern auch mit seiner sympathischen Art sehr gut zu uns passt."

Stefan Bomhard