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Fahrbericht Nissan Micra IG-T 100: Hundertschaft im Dreizylinder

Basismotor mit 100 PS - Preis ab 12.990 Euro - Sportliches Outfit

Fahrbericht Nissan Micra IG-T 100: Hundertschaft im Dreizylinder

Nissan Micra

Nissan Micra: Die Griffe der Fondtüren verstecken sich unauffällig in der breiten C-Säule. Hersteller

Wie er aussieht: Erinnert sich noch jemand an den Micra dritter Generation? Von 2003 bis 2010 wurde er gebaut, und knutschkugeliger ließ sich Kleinwagen-Design kaum vorstellen. Mit der putzigen Rundlichkeit ist es freilich längst vorbei, auch im sogenannten B-Segment bestimmt inzwischen sportliche Maskulinität die Marschrichtung. Der folgt auch der Micra aktueller Bauart. Extrovertiert knackig kommt er daher, mit scharfen Sicken und Kanten, langweilig sieht anders aus. Im Unterschied zum fünf Zentimeter längeren VW Polo trifft der Micra ziemlich exakt die Vier-Meter-Dimension. Fünf Türen sind Standard. Weil sich die Griffe der beiden Fondtüren unauffällig in der C-Säule verstecken, wirkt der Micra optisch aber wie ein coupéhafter Dreitürer. Das unterstreicht die sportliche Attitüde noch zusätzlich. Schön: ja. Gut: Nicht unbedingt. Konventionelle Türöffner finden wir schlicht praktischer.

Wie er eingerichtet ist: Modern. Hinterm Lenkrad flankieren zwei runde Analoginstrumente für Drehzahl und Tempo ein kleines Display, die Mittelkonsole beherbergt einen Sieben-Zoll-Touchscreen, der in bunter Grafik die Botschaften des Infotainments übermittelt. Man hat schon eine schärfere Auflösung gesehen, aber - und nicht zuletzt darauf kommt es an - die Systematik der Menüführung ist logisch aufgebaut und schnell durchschaut. Gerade jüngere Käufer dürften sich gern das fest verbaute Navi sparen (TomTom, 490 Euro) und stattdessen auf Apple CarPlay und Android Auto setzen. Ab "Acenta"-Ausstattung wird ein solcher Digitalpakt mit dem Smartphone serienmäßig geschlossen.

Das dick umschäumte Lenkrad liegt gut zur Hand, zwischen den Sitzen positioniert sich ein konventioneller Handbremshebel. Der reichlich verbaute Kunststoff ist immerhin von der schickeren Art. Polo-Niveau erreicht die Verarbeitungsqualität aber nicht.

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Cockpit: Auf Wunsch lässt sich der Micra auch mit Lederausstattung aufpeppen. Hersteller

Wie viel Platz er hat: In kleinwagentypischem Maße. Heißt: Fahrer und Beifahrer fühlen sich auf mäßig straff gepolsterten Sitzen wohl, der Fond hingegen ist kein guter Ort für einen längeren Aufenthalt. Die rückwärtigen Passagiere bezahlen den Preis fürs schicke Design, denn die ansteigende Gürtellinie knabbert an den hinteren Fensterflächen, die Dachschräge wiederum zaust am Haupthaar größerer Mitfahrer. Der Fairness halber sei freilich gesagt, dass der Micra zumindest in unseren Landen nur Singles und Paaren als Fortbewegungsmittel dienen dürfte. Sie werden auch mit den 300 Litern zufrieden sein, die der Kofferraum bereitstellt, zumal er sich durch Umlegen der Rücksitzlehnen bis auf shoppingtauglichere 1004 Liter erweitern lässt.

Was ihn antreibt: Hier wird es interessant. Der Einliter-Dreizylinder mit seinen 74 kW/100 PS ist noch neu im Programm und verfolgt die populäre Downsizing-Sparstrategie. "IG-T 100" heißt er, vielleicht soll die technoide Bezeichnung über das Minimum an Hubraum (999 ccm) und Zylinderzahl hinwegsehen lassen. Dabei wäre das gar nicht nötig: Für einen Dreiender agiert der kleine Motor schön leise und nur verhalten kernig, unangenehm hört sich das nie an.

Mit Hilfe der Hundertschaft an Pferdestärken und eines Drehmoments von 160 Newtonmetern, das bereits bei 2750 Touren anliegt, kommt der leichtgewichtige Micra (1180 kg) äußerst flott aus den Puschen und lässt sich auch im niedrigen Drehzahlbereich relaxt pilotieren. Das ist vor allem im Stadtverkehr ein Pluspunkt. Aber auch auf der Autobahn schlägt sich der Japaner wacker, 184 km/h legt er hier maximal vor. Entgegen anfänglicher Skepsis reichen auch die fünf Gänge des im Übrigen kurz und knackig zu schaltenden Getriebes aus. Alternativ (1200 Euro) gibt es eine stufenlose Automatik namens Xtronic.

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Sparsam durch die Stadt: Der Micra ist vor allem ein Kandidat für den City-Verkehr. Hersteller

Wie er sich fährt: Prima. Der Micra ist straff genug abgestimmt, um flink um die Kurven zu flitzen, andererseits aber auch in einem Maße komfortabel, dass seine Besatzung nicht jeden Kanaldeckel spürt. So sollte sich zeitgemäße Fahrwerkscharakteristik anfühlen. Wir wären also voll des Lobes, würden die breite C-Säule und das schmale Heckfenster die Rundumsicht nicht arg einschränken. Beim Einbiegen in vorfahrtsberechtigte Straßen und beim Rangieren haben wir mitunter unschicklich geflucht und der Rückfahrkamera (890 Euro, Serie in den höheren Ausstattungsvarianten) Dank gezollt.

Was er verbraucht: Nach Werksangaben 4,6 l/100 km. Davon waren wir mit durchschnittlich 4,7 l/100 km nur minimal entfernt. Autobahn-Sport hat den Durst des Micra bis auf sechs Liter erhöht.

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Einstiegspreis: Das noch recht mager ausgestattete Basismodell "Visia" kostet ab 12.990 Euro. Hersteller

Was er bietet: Das Basismodell nennt sich schlicht "Visia" und dürfte für die wenigsten eine Option sein. Immerhin zählen bereits Audiosystem, Berganfahr-Assistent, Tempomat, eine asymmetrisch teilbare Rücksitzbank und ein Notbremsassistent mit Kollisionswarner zum serienmäßigen Lieferumfang, nicht aber eine Klimaanlage, die erst ab "Visia Plus" vorgesehen ist. Sinnvoll erscheint der Einstieg beim Micra Acenta, der dann unter anderem das höherwertige Audiosystem mit Sieben-Zoll-Touchscreen, Digitalradio, Smartphone-Connection und Lenkradfernbedienung mitbringt.

Neben noch umfänglicher ausgestatteten Varianten bietet die Preisliste auch diverse Pakete, unter denen der Around-View-Monitor für 360-Grad-Rundumsicht (490 Euro), das Safety-Paket (490 Euro, unter anderem mit Fernlicht-Assistent, Verkehrszeichenerkennung, Spurhalte-Assistent und Fußgängererkennung) oder das LED-Paket (690 Euro) interessant erscheinen. Allerdings sind sie nicht für jede Ausstattungsvariante verfügbar.

Was er kostet: Ab 12.990 Euro (Visia). Das vernünftige Acenta-Modell kommt auf 17.450 Euro.

Was wir meinen: Es muss nicht immer Polo sein: Der Nissan Micra IG-T 100 ist ein schnittig gestylter Kleinwagen, dessen Einliter-Dreizylinder einen ebenso munteren wie sparsamen Partner abgibt. Auch das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt. Kleinere Schwächen wie die schlechte Rundumsicht und den knappen Platz im Fond gilt es zu verzeihen.

Ulla Ellmer

Die Daten des Nissan Micra IG-T 100

Hubraum 999 ccm, Zylinder 3, Leistung 74 kW/100 PS bei 5000/min, max. Drehmoment 160 Nm bei 2750/min, Spitze 184 km/h, Beschleunigung 0 auf 100 km/h in 10,9 sec, Normverbrauch innerorts 5,6, außerorts 4,0, kombiniert 4,6 l S pro 100 km, Testverbrauch 4,7 l S/100 km, CO2-Emission 105 g/km, Schadstoffklasse Euro 6d-Temp, Energie-Effizienzklasse B, Länge 4,00 m, Breite 1,74 m ohne, 1.94 m mit Außenspiegeln, Höhe 1,46 m, Kofferraum 300 bis 1004 l, Kraftstoff-Tank 41 l, Leergewicht 1180 kg, zulässiges Gesamtgewicht 1550 kg, Zuladung 370 kg, Anhängelast 1200 kg (gebremst), 555 kg (ungebremst). Manuelles Fünfganggetriebe, Frontantrieb. Versicherungs-Typklassen 13 (KH), 19 (VK), 17 (TK). Preis ab 12.990 Euro.