DTM

BMW-Ass Bruno Spengler verlässt die DTM

BMW-Ass Spengler verlässt die DTM

Bye bye, Bruno

Bruno Spengler ist enttäuscht über sein Aus in der DTM, in der er 16 Siege feierte.

Bruno Spengler ist enttäuscht über sein Aus in der DTM, in der er 16 Siege feierte. imago images

Donnerstag, 4. Juli 2019: Bruno Spengler und der seit geraumer Zeit ebenfalls seinen eigenen Ansprüchen mitunter hinterherfahrende Audi-Konkurrent Jamie Green (37) sind zum Doppelinterview mit dem kicker verabredet. Beide haben rund 180 Starts absolviert, beide führen sie die Liste der aktuell siegreichsten Fahrer im Feld an, beide kamen als Ausländer in die damals noch stark deutsch geprägte Rennserie und beide haben sie 2005 bei Mercedes in der DTM debütiert, ehe sie 2012 (Spengler) und 2013 (Green) zu konkurrierenden Herstellern wechselten.

Hamilton "hat immer beschissen"

Damit gibt es Gesprächsstoff genug für eine abwechslungsreiche Stunde und einen Interviewtermin, den die beiden Rennprofis als angenehme Abwechslung im allgemeinen Fragenallerlei empfinden. Sie lachen, als sie die Geschichte von Lewis Hamilton erzählen, der im gemeinsamen Trainingslager beim Laufen gerne die Abkürzung nahm. Spengler verrät: "Der hat immer beschissen."

Sie sind sich auch einig in ihrer Sicht auf die DTM: "Von der Formel 1 einmal abgesehen, gibt es nichts Besseres als die DTM." Was an beiden nagt: dass sie zu diesem Zeitpunkt beide seit zwei Jahren kein Rennen mehr gewonnen haben.

Sonntag, 7. Juli 2019: Aus heiterem Himmel kommt es im zweiten Rennen des Wochenendes zu einem Ergebnis, für dessen richtige Vorhersage jeder Wettanbieter viel Geld ausgeschüttet hätte. Nach einem famosen Rennstart übernimmt Bruno Spengler in seinem BMW M4 Turbo von Platz fünf kommend sofort die Führung, die er zwischenzeitlich nur wegen der Boxenstoppreihenfolge kurzzeitig abgeben muss. Als er am Ende der 41. Runde in den Rückspiegel schaut (in Wahrheit ist es kein Spiegel, sondern ein Kamerabild auf einem digitalen Bildschirm), sieht er das Auto mit der 53 als ersten Verfolger: den Audi RS 5 Turbo von Jamie Green.

Spengler feiert seinen 16. DTM-Sieg

"Ab diesem Moment", so erzählt Spengler es nach dem Rennen übers ganze Gesicht strahlend dem kicker-Reporter, "habe ich nur noch an das Interview vor drei Tagen denken müssen." Und Jamie Green ergänzt: "Ob Sie es nun glauben oder nicht, Bruno hat auf dem Siegerpodium andauernd über dieses Interview gesprochen." Für Spengler ist es sein letzter von 16 DTM-Erfolgen, Green holt sich wenige Wochen danach seinen 17. auf dem Nürburgring.

Dienstag, 17. Dezember 2019: Kurz nach 12 Uhr kommt die Meldung, dass BMW und Spengler nicht mehr gemeinsam in der DTM am Start stehen werden. In solchen Presseaussendungen dankt man sich gerne, wechselt warme Worte und schließt dann das Kapitel. Spengler, nie um klare Formulierungen, mitunter auch nicht um eine echte Auseinandersetzung mit einem Konkurrenten verlegen, will aus seinem Herzen auch diesmal keine Mördergrube machen.

Spengler: "Natürlich bin ich erst einmal enttäuscht"

Ganz offen lässt er sich zitieren mit den Worten: "Natürlich bin ich erst einmal enttäuscht, dass ich 2020 nicht mehr in der DTM starten werde. Ich hatte 15 Jahre lang eine fantastische Zeit, in der die DTM zu einem Teil meiner Familie geworden ist. Fast die Hälfte meines Lebens war ich in der DTM unterwegs. In meinen 195 Rennen habe ich großartige Erfolge gefeiert, allen voran natürlich meinen Titelgewinn mit BMW in Hockenheim 2012. Dieser Titelgewinn ist für mich auf immer sehr eng mit Charly Lamm (dem Anfang 2019 verstorbenen Teamchef des Teams Schnitzer, die Red.) verbunden. Ich als Sportler hätte natürlich gerne noch ein paar Jahre drangehängt."

Klarer kann man das nicht sagen. Mit Spengler verliert die DTM einen prägenden Kopf, einen Charakter, der im Kreis der oftmals so angepassten jungen Rennfahrer schmerzlich vermisst werden wird.

Stefan Bomhard