NFL

"Aber er muss Rollschuhe tragen...": Brady bleibt Fan von Jackson

Baltimores Spieler gewinnen am Fließband und machen mächtig Laune

"Aber er muss Rollschuhe tragen...": Brady bleibt Fan von Jackson

Tom Brady und Lamar Jackson sind Quarterbacks in der NFL.

Kennen und schätzen sich: New Englands Aushängeschild Tom Brady und Baltimores MVP-Kandidat Lamar Jackson. imago images

Mit der aktuellen Gesamtbilanz von 12:2 und einer Serie von zehn Siegen in Folge, darunter aussagekräftige Erfolge in Seattle (30:16), gegen New England (37:20) oder gegen San Francisco (20:17), hat sich Baltimore vorzeitig den Gewinn der AFC North gesichert. Mindestens ein Heimspiel in den ab Januar steigenden Play-offs ist damit sicher.

Doch dieses von John Harbaugh trainierte Team ist Stand jetzt weit mehr als nur ein Endrundenteilnehmer. Diese Truppe ist ganz ohne Umschweife aktuell der Gradmesser der gesamten Liga. Vieles deutet darauf hin, dass der AFC-Weg in den Super Bowl über das M&T Bank Stadium führen wird.

Das Hauptargument dabei ist natürlich die bisherige Saisonleistung von Quarterback Lamar Jackson, der als Top-Kandidat auf den MVP-Titel gilt und von schier keiner Defense beizukommen ist.

Im Schnellzeitraffer ist es für "Freaky L" bislang so gelaufen: Erst hat die "LJ-Era" mit der Rückennummer 8 der Football-Welt gezeigt, dass er nicht mehr nur "Running Back" ist. Dann ist er zum "Problem" geworden, was kein Geringerer als Patriots-Mastermind Bill Belichick zugegeben hat. Es sind Bestmarken gefolgt, die sogar Star-Quarterbacks wie Patrick Mahomes, Aaron Rodgers oder Drew Brees in den Schatten stellen. Dazwischen ist Tom Brady noch öffentlich zum großen Fan seines AFC-Rivalen geworden - und Jackson selbst hat sich zum Auftakt von Week 15 beim 42:21 gegen die New York Jets noch zwei Rekorde geholt. So ist der "Dual-Threat Quarterback" mit der aktuellen Marke von 1103 Rushing Yards der laufstärkste Spielmacher innerhalb einer kompletten Runde der bisherigen NFL-Geschichte, hat damit Michael Vicks Leistung im Jahr 2006 (1039 Yards) übertroffen und in dieser Regular Season noch zwei Spiele in der Hinterhand.

"Pressesprecher" Ingram: "Falls jemand ein Problem damit hat..."

Mark Ingram und Lamar Jackson spielen bei den Baltimore Ravens.

Versprühen gute Laune - auf und abseits des Feldes: Baltimores Running Back Mark Ingram und Lamar Jackson. imago images

Das bringt ihm Lob von allen Seiten ein - zunächst einmal von seinem Kollegen Mark Ingram. Der vor der Saison aus New Orleans gekommene Running Back, der selbst herausragend spielt (963 Rushing und 211 Receiving Yards, 14 Total Touchdowns), agiert quasi abseits das Feldes als persönlicher Pressesprecher seines Spielmachers. So hatte Ingram in der Vergangenheit schon jetzt bestens bekannte Aussagen wie "He is the MVP-Front-Runner" oder "Big Truss" in Anlehnung an die Tatsache, dass sich er und das Team vollkommen auf Jackson verlassen können, getätigt - und dazu mitgeteilt: "Falls jemand ein Problem damit hat, dann soll er direkt zu mir kommen."

Und nun direkt nach dem Erfolg über die Jets standen sowohl Jackson als auch Ingram zusammen am Spielfeldrand beim Interview mit "Fox"-Reporterin Erin Andrews. Diese wollte zunächst von "Freaky L" persönlich wissen, was er denn zu seinem von Mike Vick stibitzten Rekord halte - und dieser zeigte sich arg bescheiden: "Das ist schon ziemlich cool. Ich weiß gar nicht, wann genau ich den Rekord gebrochen habe... Ich war einfach nur darauf fokussiert, mit meinen Gedanken voll beim Spiel zu sein. Das Ziel ist es schließlich, zu gewinnen - und nicht, Rekorde zu brechen. Doch natürlich bin ich auch glücklich."

Jetzt wird's lustig

Diese Aussagen hatten offenbar nicht genug Gehalt für einen gewissen Ingram, der sogar inmitten des Spiels zu seinem Spielmacher "Glückwunsch" gerufen haben will ("Ich hab' zu dir doch 'Congratulations' gesagt, hast du das nicht gehört?!"). Also ergriff der "Pressesprecher" das Wort und bekam dabei sogar das Mikrofon überreicht: "Er ist einfach besonders. Ich erzählte euch allen doch schon seit ich weiß gar nicht mehr wie vielen Wochen, dass er der MVP-Front-Runner ist. Aber jetzt kann ich euch auch sagen, dass er der MVP ist. Wisst ihr, was ich meine? Er ist großartig. Er macht alles, was es braucht, um ein großer Quarterback zu sein. Wir sind dankbar, wir freuen uns für und mit ihm - und wir machen einfach so weiter."

Dieser Eindruck stellt sich tatsächlich ein bei dieser Truppe, die auch in schwierigen Situationen auf dem Feld immer den Spaß behält und jeden gelungenen Spielzug ausgiebig feiert. Und dass auch Jackson selbst über massig Selbstvertrauen verfügt, hatte er zwar nicht am Mikrofon gezeigt, dafür aber öffentlich zur Schau gestellt. Jackson setzte nach dem Spiel unter "MVP, MVP!"-Rufen eine Cap auf seine halblangen Dreadlocks, hängte sich drei Goldketten um und stellte klar: Der errungene Divisionstitel in der AFC North war noch lange nicht alles. "The North is not enough", der Norden ist nicht genug, stand auf seinem Shirt, Jackson rief in Richtung Fans: "Es gibt zwei weitere Banner im Stadion aufzuhängen. Wir wollen den Super Bowl!"

Die Brady-Prüfung: "Ich werde sehen, was ich tun kann"

Lamar Jackson und Tom Brady

Könnten sich im AFC-Finale, wenn es um den Einzug in den Super Bowl geht, wiedersehen: Lamar Jackson und Tom Brady. imago images

Dass es damit etwas werden kann, bringen nicht nur Wettbüros, Anhänger oder Ravens-Mitglieder zum Ausdruck. Auch potenzielle Konkurrenten auf dem Weg zum Titel loben Jackson in dieser Saison am laufenden Band. Einer unter ihnen ist der sechsmalige und amtierende Super-Bowl-Champion Tom Brady, der bereits vor Wochen beim 20:37 gegen Baltimore direkt zu seinem Gegenüber gesagt hatte: "Großartiges Spiel von dir, Junge! Meinen Glückwunsch! Ich bin ein großer Fan!"

Das alles hat der 42-jährige Brady nun nochmals auf Twitter mit folgendem Post in Richtung des genau 20 Jahre jüngeren "Action Jackson" erneuert: "Ich gegen Lamar, ein Rennen über 40 Yards, auf Naturrasen. Aber er muss dabei Rollschuhe tragen. Wer kauft die Rechte an diesem Pay-per-View?" Jacksons Antwort: "Dieses Rennen würde Brady wahrscheinlich gewinnen. Denn Rollschuhe auf dem Rasen? Oh Mann. Außerdem hat Tom auch noch ein bisschen was im Tank. Ich habe ihn schließlich in dieser Saison schon live gesehen. Ich werde aber sehen, was ich tun kann."

mag

Piratenschiff, Beton, Dächer: Die Stadien der 32 NFL-Teams