Handball

Niederlage gegen Norwegen: DHB-Frauen verpassen Halbfinale

Groener-Team spielt um Platz sieben

Niederlage gegen Norwegen: DHB-Frauen verpassen Halbfinale

Die Lücke zu selten gefunden: Alicia Stolle beim Wurf gegen die Norwegerin Emilie Hegh Arntzen.

Die Lücke zu selten gefunden: Alicia Stolle beim Wurf gegen die Norwegerin Emilie Hegh Arntzen. imago images

Als der Traum von der ersten WM-Medaille seit zwölf Jahren geplatzt war, flossen bei den deutschen Handball-Frauen erst einmal Tränen. Mit leeren Gesichtern und hängenden Köpfen verließen die tief enttäuschten Schützlinge von Bundestrainer Henk Groener nach dem 29:32 (16:17) gegen Rekord-Europameister Norwegen den Aqua Dome in Kumamoto. Durch die Niederlage im letzten Hauptrundenspiel verpasste die DHB-Auswahl den Einzug ins WM-Halbfinale und muss weiter um ihre Olympia-Chance zittern. Nur ein Sieg im Spiel um Platz sieben gegen Schweden am Freitag (06.30 Uhr) bringt das erhoffte Ticket für die Olympia-Ausscheidung im März 2020.

"Es ist natürlich enttäuschend, dass wir es nicht geschafft haben. Wir waren aber auch nicht gut genug. Das ist sehr schade", sagte Groener zum verpassten Halbfinaleinzug. "Man hat gemerkt, dass die Mädels richtig müde waren. Jetzt müssen wir uns gut auf das letzte Spiel vorbereiten."

Mit 5:5 Punkten schloss die deutsche Mannschaft die Hauptrundengruppe I als Vierter ab. Gruppensieger Norwegen trifft im Halbfinale auf Spanien. Den zweiten Endspiel-Teilnehmer ermitteln Olympiasieger Russland und die Niederlande. Das Spiel um Platz fünf bestreiten Serbien und Montenegro.

Enttäuschung pur

"Enttäuschung pur", schilderte Kapitänin Kim Naidzinavicius die Gefühlslage nach dem Abpfiff. "Wir hatten zwei Matchbälle, um ins Halbfinale zu gehen. Jetzt spielen wir um Platz sieben. Wir starten so gut ins Turnier, und wenn es drauf ankommt, rufen wir unsere Leistung nicht mehr ab."

Auch Linksaußen Antje Lauenroth war am Boden zerstört: "Wenn man so nah dran ist, möchte man auch ins Halbfinale kommen", sagte Lauenroth: "Das müssen wir jetzt erst einmal verdauen."

Schon ein Remis hätte der deutschen Mannschaft, die in Rückraumspielerin Emily Bölk (6 Tore) ihre beste Werferin hatte, zum ersten Einzug ins Halbfinale seit 2007 gereicht. Doch ähnlich wie bei der dramatischen 28:29-Niederlage gegen Serbien am Montag leistete sich das DHB-Team zu viele Fehler.

"Wir haben in der Abwehr nicht gut gestanden und uns im Angriff sehr schwer getan", analysierte Torfrau Dinah Eckerle. "Dass es so gelaufen ist, ist sehr bitter. Jetzt müssen wir die Köpfe schnell wieder hochkriegen und uns auf das Spiel am Freitag fokussieren."

Schockzustand, schlechter Wiederbeginn, Aufholjagd

Nach einem guten Start gab es einen Bruch im deutschen Spiel, als Linkshänderin Alicia Stolle bereits nach 13 Minuten unglücklich umknickte und erst in der Schlussphase auf das Parkett zurückkehren konnte. Norwegen nutzte den kurzen Schockzustand im deutschen Team aus und wandelte einen 9:10-Rückstand in eine 14:10-Führung um.

Dank etlicher Paraden von Eckerle schaffte der EM-Zehnte bis zur Pause zwar wieder den Anschluss. Doch nach dem Wechsel folgte eine weitere Schwächeperiode. "Wir sind ganz schlecht in die zweite Halbzeit gestartet. Dabei hatten wir uns so viel vorgenommen", sagte Lauenroth.

Innerhalb von nur fünf Minuten zog Norwegen auf 22:17 davon, weil die deutsche Mannschaft im Angriff zu hektisch agierte. Einzig Bölk sorgte mit ihren Treffern in dieser Phase dafür, dass die Partie nicht früher entschieden war.

Nach einem 25:30-Rückstand startete die DHB-Auswahl eine Aufholjagd und durfte beim 29:30 kurz auf eine Wende hoffen. Die blieb jedoch aus, weil es zu viele einfache Fehler und Ballverluste gab. "Wir waren einfach nicht abgezockt genug", sagte Kreisläuferin Maike Schmelzer mit tränenerstickter Stimme.

dpa