Bundesliga

Streichs "großes Kompliment" trotz Angriffsflaute

Darum feiert Freiburgs Trainer noch kein Jubiläum

Streichs "großes Kompliment" trotz Angriffsflaute

Seinem Jubel kann man sich schwer entziehen: Christian Streich mit Torwarttrainer Andreas Kronenberg (li.).

Seinem Jubel kann man sich schwer entziehen: Christian Streich mit Torwarttrainer Andreas Kronenberg (li.). imago images

In den 90 Minuten war der SC zwar sichtlich bemüht, sich konstruktiv nach vorne zu kombinieren, unterm Strich erarbeitete er sich aus dem Spiel heraus aber nur eine Torchance. Nils Petersen, Janik Haberer und Lucas Höler hatten durch forsches Pressing einen Fehler von Jeffrey Bruma im Aufbau provoziert, Petersen wähnte sich danach jedoch fälschlicherweise im Abseits und Höler wurde bei seinem aussichtsreichen Abschluss im Strafraum im letzten Moment noch entscheidend von Marcel Tisserand gestört. Freiburg fehlte es ansonsten zu oft an Präzision und Abstimmung, gerade auch dann, wenn Petersen als Wandspieler die Bälle klatschen ließ. Zudem wurden trotz numerischer und körperlicher Unterlegenheit im Strafraum häufig hohe Flanken vor das Tor geschlagen - ein in diesem Fall untaugliches Mittel.

Jonathan Schmid entschied kurz vor Schluss bekanntlich mit einem Weltklasse-Freistoßtor das Spiel dennoch zugunsten der Gastgeber und Streich wies die Kritik am Angriffsspiel seiner Mannschaft zurück, nahm diese mit seiner Erklärung in Schutz: "Wir hatten einen brutalen Aufwand, die Seiten abzusichern. Wenn man nach hinten alles abarbeitet, kann man nicht gleichzeitig vorne sein. Wenn alles optimal läuft, kriegen wir gegen Wolfsburg vier Chancen, wenn nicht, zwei, diesmal war es eine oder eine halbe." Das ist zwar Understatement, weil sich der SC gerade zu Hause schon gegen bessere Mannschaften deutlich mehr Torgelegenheiten erarbeitet hat. Streich war aber deshalb so zufrieden und stolz, weil ihm in dieser Partie andere Dinge wichtiger waren.

Viel Lob von Streich

"Ich muss der Mannschaft ein großes Kompliment machen", sagte er, "weil es von der körperlichen Präsenz, vom Willen und Zweikampfverhalten außergewöhnlich war. Ich habe nicht gedacht, dass wir das über 90 Minuten so hinkriegen." Das bezog Streich zum einen auf die körperliche Wucht der vielen groß gewachsenen VfL-Spieler und zum anderen auf die beiden vorangegangenen Partien. Beim 1:1 in Leverkusen und 2:4 in Gladbach hatten die SC-Profis von zwei offensivstarken Spitzenteams über weite Strecke die Grenzen aufgezeigt bekommen und viele Torchancen zugelassen. "Wie die Mannschaft nach den beiden Spielen eine Kompaktheit hergestellt, die Räume verdichtet, die Abstände eng gehalten und wie sie insgesamt von der taktischen Ausrichtung her gegen den Ball gearbeitet hat - das war eine tolle Leistung", lobte der 54-Jährige. Tatsächlich ließ der SC erst kurz vor Schluss überraschend noch die Chancen zwei und drei der ansonsten noch harmloseren Wolfsburger zu.

Dass sich in diesen Szenen das Glück für die tüchtigen Freiburger hinzugesellte, wusste Streich. "Ich wäre auch mit einem 0:0 zufrieden gewesen", bekannte er. Dank Schmid konnte er jedoch den siebten Saisonsieg feiern und den Höhenflug als aktuell Fünfter fortsetzen. Unter diesen Umständen lässt sich unter der Woche viel angenehmer daran arbeiten, das Offensivspiel wieder gefährlicher zu gestalten. Was ungeachtet der zurückgewiesenen Kritik sicherlich passieren wird.

Verfrühte Glückwünsche

Am Rande des Spiels erhielt Streich Glückwünsche zu seinem 300. Pflichtspiel als Cheftrainer. Die waren allerdings etwas verfrüht, wenn man es genau nimmt. Die Anzahl der Partien in Liga, DFB-Pokal und Europa League stimmt zwar für den Zeitraum, seit Streich Ende Dezember 2011 den Job bei den SC-Profis übernommen hat. Da er jedoch an den beiden ersten Spieltagen der Saison 2018/19 wegen Rückenbeschwerden jeweils als Coach im Stadion gefehlt hatte, ist es mit dem "echten 300er" aller Voraussicht nach erst am Mittwoch kommender Woche so weit. Dann kommt Bayern München ins Schwarzwald-Stadion. Zumindest ein würdiger Rahmen für ein Jubiläum, wenngleich es schwer werden dürfte, den Sieg über Wolfsburg gegen den Rekordmeister zu wiederholen. Dafür sollten die SC-Profis in jeden Fall für mehr Torgefahr sorgen - nach Standards wie auch aus dem Spiel heraus.

Carsten Schröter-Lorenz