Bundesliga

Bender setzt auf Psycho-Effekt im Fernduell mit Atletico

Holt Leverkusen einen jungen Rechtsverteidiger aus Brasilien?

Bender setzt auf Psycho-Effekt im Fernduell mit Atletico

Leverkusens Lars Bender

Will Atletico im Fernduell unter Druck setzen: Leverkusens Lars Bender. imago images

Auf einmal hängt der Leverkusener Himmel voller Geigen. Dem 2:1 in München ließen Bayer 04 einem ebensolchen Erfolg gegen Schalke 04 folgen. Damit liegt die Werkself einen Punkt vor dem FC Bayern und punktgleich hinter Freiburg auf Rang 6. Zwei Siege, die Bayer auf Tuchfühlung an die Champions-League-Plätze gebracht hat. Zwei Siege, die aber auch essentiell waren, um das Team von Peter Bosz nicht in eine tiefe Depression zu stürzen.

So stellte Lars Bender, der wie eine Woche zuvor in München eine überzeugende Leistung ablieferte, nach dem Sieg gegen Schalke offen fest: "Man muss schon ehrlich sagen: Wenn wir gegen die Bayern verlieren, verschwindest du irgendwo im Niemandsland der Tabelle. Der Bayern-Sieg macht nur Sinn, wenn du dein Heimspiel danach gewinnst. Wir haben ihn vergoldet. Das war extrem wichtig, auch mal wieder daheim zu gewinnen." In der Tat. Bayer siegte zum ersten Mal vor heimischer Kulisse in der Liga seit dem Saisonauftakt und dem 3:2 gegen Aufsteiger Paderborn.

Der Aufwärtstrend, der im November begann, hat aus Sicht des Kapitäns eine grundlegende Ursache: "Wir zeigen gerade eine ganz gute Geschlossenheit. Das ist wichtig. Gerade in Phasen, in denen du unter Druck gerätst, in denen du dich spielerisch vielleicht nicht so durchsetzen kannst, dass du dann sagst: Du hältst dagegen. Das muss geschlossen als Mannschaft passieren", erklärt der 30-Jährige.

Diese Qualität bewies Bayer auch gegen Schalke. "Wir haben zwei Gesichter gezeigt: In der ersten Hälfte haben wir gut gespielt, in der zweiten Fußball gearbeitet. Das war der Schlüssel, das Spiel zu gewinnen", analysierte Bender, dessen Ärger über das schnelle Gegentor nach dem vermeintlich beruhigenden 2:0 von Doppeltorschütze Lucas Alario gewaltig war. Statt die Partie souverän herunterspielen zu können, musste Bayer in der Schlussphase noch zittern. "Das nervt und das muss uns auch nerven", erklärte der Kapitän einen grundsätzlichen Baustein für Erfolg.

In der Liga hat Bayer den extremen Druck, unbedingt gewinnen zu müssen, um die Ziele nicht komplett aus den Augen zu verlieren, vorerst reduziert. Am Mittwoch in der Champions League zählt für Bayer zwar auch nur ein Sieg, aber da die Mannschaft Platz 3 und damit die Zwischenrunde in der Europa League sicher hat, kann sie im Gruppenfinale gegen Juventus Turin und dem Fernduell mit Atletico nur noch gewinnen. Nach drei Niederlagen zum Start der Königsklasse hatte kaum mehr jemand mit so einer Konstellation gerechnet. Wohl auch der Tabellenzweite aus Madrid nicht, der jetzt im Gegensatz zur Werkself etwas zu verlieren hat. Siegt Atletico zuhause gegen Moskau nicht, stünde Bayer bei einem Erfolg im Achtelfinale der Königsklasse.

Das Ziel muss es sein, relativ schnell etwas aufs Scoreboard zu bringen und damit vielleicht den Druck in das andere Stadion zu bringen.

Lars Bender

Ein psychologischer Aspekt, den Bayer sich zunutze machen möchte. "Die Situation war vor zwei Spiele sehr schwierig, jetzt ist noch eine Minimalchance da. Das Ziel muss es sein, relativ schnell etwas aufs Scoreboard zu bringen und damit vielleicht den Druck in das andere Stadion zu bringen. Dann muss man sehen, was passiert. Im Fußball ist alles möglich", glaubt Bender noch an eine Happy End.

Dafür wird er wieder beginnen müssen. Die Rechtsverteidigerposition stellt eine Problemzone bei Bayer dar, wenn der Kapitän ausfällt. Mitchell Weiser, der ja bis zur Winterpause wegen eines Bänderrisses fehlt, spielt nicht konstant genug. Und ob Bender seine Karriere über sein derzeitiges Vertragsende 2021 fortsetzen wird, ließ er in der Sommervorbereitung aufgrund seiner wiederkehrenden Verletzungsprobleme offen.

Youngster Yan Couto - die Lösung für rechts hinten?

Bayer muss sich also zumindest perspektivisch um eine Lösung bemühen. Nach Medienberichten aus Brasilien soll diese Yan Couto (17) von Coritiba FC sein. Bayer hat angeblich ein Angebot über fünf Millionen Euro für den dynamischen brasilianischen U-17-Nationalspieler abgegeben.

Stephan von Nocks

Bilder zur Partie Bayer 04 Leverkusen - FC Schalke 04