2. Bundesliga

Walter: "Spurlos geht das nie an einem vorbei"

Stuttgarts Trainer über die Krise, die Rückendeckung aus dem Klub und den Druck

Walter: "Spurlos geht das nie an einem vorbei"

VfB-Trainer Tim Walter und Daniel Didavi

Vor der Rückkehr: VfB-Trainer Tim Walter kann wieder auf Daniel Didavi bauen. imago images

Gemeinsam sind die beiden Traditionsklubs abgestiegen. Gemeinsam wollten sie aufsteigen. Gemeinsam stecken sie jetzt in der Krise. Stuttgart kämpft um die Wende im Rennen um den Wiederaufstieg. Nürnberg gegen einen erneuten Abstieg. Druck für beide Klubs. Besonders für Stuttgarts Trainer, der sich der Diskussion um seine Zukunft bewusst ist. Dass Rufe nach seiner Ablösung aufkommen, "ist normal, weil wir nicht die Ergebnisse liefern, die alle gerne hätten. Da schließen wir uns nicht aus. Wir hätten auch gerne bessere Ergebnisse". Trotzdem versucht der 44-Jährige ganz seinem Naturell auch Positives zu sehen. "Man muss sagen, dass unsere Spielweise teilweise besser ist, als zu Saisonbeginn."

Walter: "Da knistert es auch, da rappelt es auch mal im Karton"

Das Innenverhältnis zwischen ihm und seinen Chefs, Sportvorstand Thomas Hitzlsperger und Sportdirektor Sven Mislintat, ist nach einem zuletzt sehr heftigen Disput angeknackst. Dennoch will das der Coach nicht überbewertet wissen. "Wir unterhalten uns sehr häufig, da knistert es auch einmal, da rappelt es auch mal im Karton. Aber das dient der Sache", meint Walter, der nach eigener Aussage dennoch "definitiv" Rückendeckung verspürt. "Es geht darum, was wir besser machen können. Es geht darum, lösungsorientiert zu arbeiten. Nur wer sich austauscht und Kritik annimmt, schafft es letztlich auch besser zu werden. Das versuchen wir jeden Tag."

Der Druck auf seine Person sei nicht angenehm, aber er nehme es mit der für ihn bekannten Art und Weise. "Es gibt immer Situationen, die einem keinen Spaß bereiten. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, alles ist toll." Dennoch appelliert er daran, nicht einfach oberflächlich zu urteilen. "Auf der einen Seite stehen die Ergebnisse", die nun mal schlecht sind bei fünf Niederlagen in den jüngsten sieben Ligaspielen. "Auf der anderen Seite steht die Arbeit mit der Mannschaft. Die Ergebnisse gefallen uns allen nicht. Aber es gibt auch die Freude am Beruf. Das versuche ich auszustrahlen. Wir arbeiten hart, ohne den Spaß zu verlieren, und um Spiele zu gewinnen."

Didavis Rückkehr zeichnet sich gegen Nürnberg ab

Bereits am Montag wieder gegen Nürnberg, für das sich die Rückkehr von Daniel Didavi abzeichnet. "Ich bin froh, dass er wieder da ist. Er bringt so viel mit, auf dem Rasen wie auch in der Kabine", sagt Walter, der die Wertigkeit des 29-Jährigen nicht hoch genug einschätzt. "Wenn er in der Reha ist und nicht in der Kabine, fehlt uns das. Und er ist ein überragender Fußballer, der uns auf dem Platz fehlt. Beides ist für uns extrem wichtig." Didavi würde die nötige "Lockerheit und Qualität" besitzen. Punkte, von denen der Trainer hofft, "dass er das am Montag für uns einbringen kann".

Dass der VfB, angeschlagen, wie er ist, jetzt auf Nürnberg trifft, spiele in der Sichtweise aufs die Partie keine große Rolle. "Es ist einfach wichtig, dass wir auf uns schauen", so Walter. "Nürnberg ist eine Mannschaft mit unheimlich viel Qualität, ist vergangene Saison aus der Bundesliga abgestiegen, hat aber viele Spieler, die über viel Potenzial verfügen mit dem Anspruch, Bundesliga zu spielen. Außerdem haben sie mit Jens Keller einen Trainer, der sehr viel Erfahrung hat." Ein Mix, der für die Schwaben, die um ihre Position in den Aufstiegsrängen bangen müssen, unberechenbar ist. "Nürnberg steht zu Unrecht da unten, wo es steht. Sie werden gewillt sein, herzufahren und zu punkten. Wir dürfen uns davon nicht beeinflussen lassen, müssen unsere Stärke demonstrieren und zeigen, dass wir alles tun, um zu gewinnen." Für die Tabelle, den Aufstiegstraum und für den Trainer, dessen Position eine weitere Niederlage noch mehr schwächen würde.

George Moissidis