2. Bundesliga

Didavi: Der VfB Stuttgart braucht etwas vom Bayern-Gen

Stuttgarts Offensivmann kritisiert den VAR und spricht über die Ergebniskrise

Didavi: Der VfB braucht etwas vom Bayern-Gen

Daniel Didavi

"Ich will auch unbedingt aufsteigen, aber ich gehe es positiv an": Daniel Didavi über Druck. picture alliance

Am 9. Spieltag in der 9. Minute meldete er sich ab. Mit einem Muskelbündelriss in der Wade. Bis dahin hatte der VfB in acht Partien mit Didavi auf dem Rasen nicht verloren und im Schnitt 2,5 Punkte ergattert. Ein makelloser Start. Als sich der Offensivmann verletzt abmeldete, stand es gegen Wehen Wiesbaden noch 0:0. Am Ende hatten die Schwaben mit 1:2 verloren. Ihre erste von fünf Niederlagen in insgesamt sieben Partien bis heute, die ohne Didavi nur noch 0,85 Zähler im Schnitt brachten.

Der Beginn einer Krise, die sich zugespitzt hat. Ob diese an seinem Fehlen allein festgemacht werden kann, sei schwer zu beantworten. "Statistiken sind immer so eine Sache. Die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte. Am Anfang der Saison haben wir zwar kein Spiel verloren, aber da war auch nicht alles Gold was glänzt", sagt der Mittelfeldspieler. "Wenn man die Spiele jetzt betrachtet, stehen wir viel besser, lassen viel weniger zu. Aber aus dem was wir zulassen, passiert zu viel."

"Ich kann auch 80 Minuten schlecht spielen und trotzdem ein Tor schießen"

Das sei nicht allein an einzelnen Faktoren festzumachen. Schließlich spiele man sogar besser als vor Wochen und "viel öfter, wie der Trainer es haben will. Aber vorne ist die Chancenverwertung nicht gut". Ein Manko, das sich in der Struktur der Mannschaft findet. "Man merkt, dass die jungen Spieler verunsichert werden, wenn wir ein Gegentor kassieren. Sie verkrampfen. Das schadet", meint Didavi, der die Erwartungen in seine Rückkehr nachvollziehen kann. "Gerade da könnte ich der Mannschaft helfen, weil ich die nötige Lockerheit habe und ein Spieler bin, der immer für ein Tor oder eine entscheidende Aktion da sein kann." Er könne mit dem Druck umgehen, habe das in seiner langen Karriere gelernt. "Wenn die Leute mal pfeifen, ist es mir egal. Ich habe schon sehr, sehr viel erlebt, auch viel Negatives. Ich mache mir nicht mehr den negativen Druck. Ich will auch unbedingt aufsteigen, aber ich gehe es positiv an. Ich kann auch 80 Minuten schlecht spielen und dann trotzdem ein Tor schießen."

Die Gegner dürfen erst gar nicht dran denken, dass sie gegen uns gewinnen können.

Daniel Didavi

Die Favoritenrolle haben die Schwaben mittlerweile nicht mehr. Die liege vielmehr jetzt beim Tabellenführer. "Am stabilsten wirkt momentan Bielefeld. Sie verfügen über eine gute Mischung, sind spielstark", meint der 29-Jährige. "Sie spielen zwar nicht immer gut. Aber man hat bei Ihnen immer das Gefühl, dass sie wissen, dass sie etwas holen." Eine mentale Stärke, die der VfB verloren hat. "Zu Saisonbeginn hatte ich das Gefühl, dass viele Gegner denken: Eigentlich können wir gegen den VfB nicht gewinnen. Jetzt kommen die Gegner und denken: Wenn wir umsetzen, was wir wollen, können wir gewinnen. Das müssen wir schnellstens ändern. Die Gegner dürfen erst gar nicht dran denken, dass sie gegen uns gewinnen können."

Was der VfB vom FC Bayern lernen kann

Diese Art der Selbstverständlichkeit, der Selbstüberzeugung sei wichtig. Ein Markenzeichen des FC Bayern, das gerne Bayern-Gen genannt wird und vom gebürtigen Schwaben vermisst wird. "Mir fehlt diese Gewissheit, wenn es lange 0:0 steht oder wir zurückliegen, dass wir gewinnen. Das müssen wir wieder reinbekommen", erklärt Didavi. "Wir sind zwar sicher nicht der FC Bayern der 2. Liga. Aber dieses Bayern-Gen fehlt uns ein bisschen. Die Bayern wissen immer, auch wenn sie zurückliegen, dass sie das 1:1, 2:1 oder auch 3:1 schießen können oder werden. Da müssen wir hinkommen."

Die aktuelle Situation bereitet ihm trotz der Stimmung, die zu kippen droht, "keine Sorgen. Ich finde es einfach nur ärgerlich. Obwohl anfangs nicht alles gut war, hatten wir einen überragenden Saisonbeginn. Jetzt haben wir zu viele Spiele verloren. Das ärgert mich, weil wir einfach so sinnlos eine sehr gute Ausgangsposition weggeworfen haben". Dennoch sei nichts verloren. "Wir sind immer noch Dritter, haben nur drei Punkte Rückstand auf Hamburg. Bielefeld ist ein Stückchen weg, aber auch das ist nicht unaufholbar." Viel schlimmer sei es, dass man fünf von sieben Spielen zuletzt als Verlierer abschloss. "Es kann immer mal passieren, dass man in Sandhausen verliert oder gegen Kiel. Aber es kann nicht sein, dass wir fünf von sieben Spielen verlieren."

Didavi über VAR: "So macht das den Fußball kaputt"

Egal, wie sich der Spielverlauf auch dargestellt hat. Und egal, ob man zum Beispiel drei Treffer durch Mario Gomez erzielt hat, die allesamt angesichts weniger Zentimeter abseits gewertet und zurückgezogen wurden. Nach Entscheidungen durch den VAR, dessen Wirken er kritisch sieht. "Die Idee an sich finde ich immer noch gut. Aber es wird in Deutschland komplett falsch umgesetzt", sagt Didavi, der den Anblick in die Premier League empfiehlt. "Wenn ich nach England schaue, wie der Schiedsrichterassistent dort eingesetzt wird, liegen Welten dazwischen. Dort schaltet er sich nur bei richtigen Fehlentscheidungen ein." Dagegen würde in der Bundesliga die an sich gute Idee verschlimmbessert. "In Deutschland entscheidet der Schiedsrichter eigentlich nicht mehr. Er wartet, bis der VAR ihm sagt, was passiert ist. Das ist völlig falsch. So macht das den Fußball eher kaputt."

George Moissidis