Stürmer lobt Trainer Fischer und hofft auf die Startelf

Ujah trifft auf die alte Liebe

Anthony Ujah

Union Berlins Stürmer Anthony Ujah trifft auf seinen Ex-Klub Köln. imago images

Urs Fischer zögerte kurz, als er am Dienstag nach dem Ende des Vormittagstrainings aus dem Zuschauerbereich gerufen wurde. Als er dann aber realisierte, dass es der Ruf der Heimat war, schaute der höfliche 53-Jährige bereitwillig bei den Trainingskiebitzen vorbei, schrieb Autogramme und nutzte die Gelegenheit zu einem Plausch auf "Schwyzerdütsch".

Diese Umgänglichkeit hinterließ bei den auf Berlin-Besuch weilenden Landsleuten des Schweizer Trainers Eindruck. "Da haben wir Euch einen Guten geschickt. Das ist die Schokoladenseite der Schweiz", sagten die beiden Eidgenossen später den umstehenden Berliner Journalisten und Fans am Trainingsplatz des 1. FC Union.

Ujah nennt Fischer einen "Vater"

Nicht ganz so kreativ, aber inhaltlich ähnlich äußerte sich auch Anthony Ujah über seinen Trainer, der die Eisernen im Mai zum erstmaligen Bundesliga-Aufstieg geführt hatte und der mit dem Liga-Neuling bislang eine gute Hinrunde spielt. Fischer, der Ruhepol im Klub, sei "wie ein Vater. Er hält uns auf dem Boden". Außerdem rede der Coach viel mit den Spielern, auch mit denen im 33-Mann-Kader, die es an den Wochenenden gar nicht in den Spieltagskader schaffen oder nur auf der Bank sitzen. "Ich kenne viele Trainer, die für solche Dinge nicht viel Zeit haben", bemerkte Ujah, "Urs Fischer aber schon. Ich weiß nicht, wie viele Stunden er täglich hier bei der Arbeit ist. Er beschäftigt sich mit jedem Detail, wie wir in jedes Spiel gehen. Er kann jeden Spieler besser machen. Das ist sehr cool."

Sollte Fischer den Stürmer, der bislang noch kein Stammspieler ist, am Sonntag im Heimspiel gegen den 1. FC Köln (15.30 Uhr, LIVE! bei kicker) in die Startelf beordern, dürfte sich sein Standing bei Ujah sicher nicht verschlechtern. Denn für den 29-Jährigen, das betonte er zum wiederholten Male, steht eine spezielle Partie an. Drei Jahre spielte Ujah in Köln, wo er laut eigener Auskunft in der Nähe des Stadions im Stadtteil Junkersdorf nach wie vor ein Haus besitzt.

"Alles gut gelaufen" - kein Happy End

"Wenn wir zwei, drei Tage frei haben, bin ich immer dort", berichtete der Nigerianer und sagte: "Ich habe immer gesagt, dass meine Zeit beim FC was Besonderes ist. Es ist einfach alles gut gelaufen. Meine Beziehung zu den Fans war auch speziell. Diese Zeit werde ich nie vergessen." Es gibt dabei allerdings eine Einschränkung, wie auch Ujah sagt: "Es gab kein gutes Ende." In der Tat.

Im Mai 2015 machte der Angreifer von einer Ausstiegsklausel Gebrauch, wechselte ziemlich überraschend zu Werder Bremen. Für Misstöne sorgte dabei vor allem, dass die Hanseaten den Transfer noch vor Saisonende bekanntgaben und ein Bild von Ujah mit dem Schriftzug "100 Prozent Werder!" veröffentlichten. Bereits vor einigen Wochen sagte Ujah, dass jene Zeit "die schwierigste" seines Lebens gewesen und Werder damals ohne sein Wissen vorgeprescht sei. "Die Bilder sollten erst nach der Saison rauskommen. Diese Entscheidung habe ich nicht getroffen. Es ist eine Situation, die mich bis heute beschäftigt", bekannte er im September. Nun ergänzte er: "Ich wollte die FC-Fans nicht wütend machen, sie haben mich gut unterstützt. Ich wollte kein schlechtes Bild hinterlassen. Aber es ist passiert. Ich kann es nicht mehr ändern."

Ich wollte die FC-Fans nicht wütend machen, sie haben mich gut unterstützt. Ich wollte kein schlechtes Bild hinterlassen. Aber es ist passiert. Ich kann es nicht mehr ändern.

Anthony Ujah

Das Verhältnis zum FC-Anhang sei auch heute noch nicht wieder völlig in Ordnung, aber "viel besser" als noch vor einigen Jahren. Sollte ihm am Sonntag im Duell der beiden Aufsteiger ein Tor gelingen, verzichtet er möglicherweise auf das Jubeln, schließlich will Ujah nach seiner Karriere wieder zurück in die Domstadt, die ihm Heimat geworden ist. Kein Problem sollte dabei sein Verhältnis zu Hennes VIII. sein, das war ja auch mal angespannt, nachdem Ujah nach einem Tor gegen Frankfurt (4:2) den Geißbock etwas zu euphorisch an den Hörnern gepackt hatte. Vor zwei Wochen sei er mit seiner Familie im Kölner Zoo gewesen, wo der mittlerweile pensionierte Geißbock seinen Lebensabend verbringt. Diesmal sei es nicht zu Körperkontakt gekommen. "Ich habe nur Hallo gesagt. Das war gut", berichtete Ujah.

Anthony Ujah und Kölns Maskottchen Hennes

kein gemeinsamer Jubel: Anthony Ujah und Kölns Maskottchen Hennes. imago

Gut findet er auch seinen Wechsel im Sommer aus Mainz, wo er für seinen Geschmack zu wenig Einsatzzeit bekommen hatte, nach Köpenick - obwohl er bei Union bislang erst viermal von Beginn an spielen durfte (elf Liga-Einsätze insgesamt). Dass er zuletzt trotz eines Tores und einer guten Leistung gegen Gladbach (2:0) im Auswärtsspiel auf Schalke lange auf der Bank gesessen hatte, habe ihn nicht überrascht. "Wenn ich den Verein wechsele, möchte ich viel über den Trainer wissen. Ich habe mitbekommen, dass es immer Wechsel gibt", sagte Ujah, der bei Union neben Platzhirsch Sebastian Andersson und Publikumsliebling Sebastian Polter einer von drei reinen Mittelstürmern im Kader ist.

Im Gegensatz zu anderen Trainern ändere Fischer seine Startelf auch nach Erfolgen, denn bei dem Schweizer gehe es immer darum, gegen welchen Gegner man spiele und mit welcher Taktik sowie mit wie vielen Stürmern man agieren wolle. Dass (fast) jeder Spieler im Kader (fast) jederzeit gefragt sein könne, "finde ich sehr gut, weil du dann im Kopf bereit sein musst", lobte Ujah und betonte: "Ich bin froh, dass ich hier bin. Hier bin ich hier viel näher an der Startelf als in Mainz."

Jan Reinold

Ein Mainzer und ein Frankfurter dabei: Die kicker-Elf des Spieltags