Hertha: Der Co-Trainer über die neue Aufgabe und die Rollenverteilung

Nouri: "Jürgen ist der Chef"

Alexander Nouri (li.) und Niklas Stark

Lautstarke Anweisungen: Herthas Assistenztrainer Alexander Nouri (li.), hier mit Niklas Stark. imago images

Das Kommando kommt laut, und es kommt zweimal, kurz hintereinander. "Wir müssen in Laufwege investieren", ruft Alexander Nouri am Dienstag während des Trainingsspiels, und er wiederholt diese Aufforderung direkt danach.

Unmittelbar zuvor hat sein neuer Chef, Jürgen Klinsmann, eine Situation im Aufbauspiel unterbrochen und mehr Bewegung gefordert: "Wir müssen Optionen schaffen." Nach dem Training stellt sich an diesem Dienstag nicht Klinsmann den weiterhin sehr zahlreichen Reportern, sondern Nouri. Der 40-Jährige, vormals Cheftrainer von Werder Bremen II (Oktober 2014 bis September 2016), der Bremer Bundesliga-Mannschaft (September 2016 bis Ende Oktober 2017) und des damaligen Zweitligisten FC Ingolstadt (September bis November 2018), spricht über ...

... die ersten Tage in Berlin: "In so eine Situation reinzuspringen hat viel mit Arbeit zu tun. Es macht Spaß, wieder auf dem Platz zu stehen, mit den Jungs zu arbeiten und sich ausschließlich Gedanken um Fußball zu machen. Das hat man vorher auch gemacht, um bereit zu sein. Aber jetzt auf ein Ziel hin mit einem Team etwas zu erarbeiten, macht einfach Spaß."

... den Kontakt zu Jürgen Klinsmann: "Er hat mich am Montagabend vergangener Woche angerufen und gefragt, ob ich mir vorstellen könne, das Projekt zu begleiten. Da habe ich sofort meine Bereitschaft signalisiert. Ich bin froh, dass es sich ergeben hat. Jürgen musste noch ein paar Parameter klären, da musste man noch ein bisschen Geduld haben. Ich stand dann bereit. Jürgen ist so charismatisch und es macht so viel Spaß, mit ihm zu arbeiten, dass es für mich keine Frage war, dass ich dabei sein will. Ich habe selber eine Vergangenheit in den USA, war 1999 mal für drei Monate von Werder Bremen ausgeliehen an die Seattle Sounders. Das Interesse in dem Markt war immer da. Ich hab' mich interessiert für die MLS, wollte dort hospitieren. Bei meinem alten Klub in Seattle hatte ich selber gute Kontakte, bei LA Galaxy und LA FC war Jürgen bereit, mir zu helfen. Der Kontakt lief über Oliver Bierhoff. So habe ich mir vor über zwei Jahren ein Programm über drei Wochen in den USA zusammengestellt. Jürgen und ich haben uns in Los Angeles ein paarmal getroffen. Wir hatten sehr gute Gespräche, viele Dinge, die wir ähnlich gesehen haben - auch, was die Idee und Führungsaspekte betrifft. Seitdem waren wir immer im Austausch."

... die gemeinsame Idee von Fußball, die Klinsmann und er haben: "Erfolgreich sein, Spaß haben, hart arbeiten. Fleiß und Beharrlichkeit sind Tugenden, die jetzt gefragt sind. Sich für nichts zu schade zu sein. Nicht sich in den Vordergrund drängen, sondern die Sache in den Vordergrund rücken."

... die Aufgabenteilung im Staff: "Wir arbeiten im Team, das macht unheimlich Spaß. Wir erarbeiten die Trainingseinheiten gemeinsam. Natürlich ist Jürgen der Chef und hat am Ende das letzte Wort und entscheidet, was wir von dem umsetzen, was wir an Dingen vorschlagen."

... die nächsten Wochen: "Wir müssen jetzt erstmal die Jungs besser kennenlernen, da hilft uns jede Trainingseinheit. Wie ist die Ansprache bei jedem Spieler, wo kann man noch Potenziale entwickeln? Das werden wir Stück für Stück abarbeiten mit den Jungs. Ich glaube, es gibt in allen Bereichen noch Potenziale, die wir entwickeln können: In der Offensive Lösungen zu haben, in der Defensive Räume zu schließen und Zahlenverhältnisse in gewissen Räumen zu optimieren. Aber es geht auch darum, den Jungs Selbstvertrauen zu geben."

... die Kommunikation untereinander: "Sie ist ein wichtiger Aspekt, um eine Kompaktheit zu haben, gewisse Abläufe zu implementieren, sich gegenseitig zu helfen und zu coachen. Das ist elementar - auch auf dem Niveau. Das ist ein Kernaspekt, den wir permanent einfordern. Wir bestärken die Jungs darin, sich gegenseitig zu helfen."

Ich kenne die Situation aus Bremen: Wenn die Resultate nicht so sind, wie man sich das vorstellt, dann arbeitet der Kopf.

Alexander Nouri

... den Zustand der Mannschaft: "Wir sind grundsätzlich davon überzeugt, dass wir eine gute Mannschaft haben. Ich kenne die Situation aus Bremen: Wenn die Resultate nicht so sind, wie man sich das vorstellt, dann arbeitet der Kopf. Wir müssen ins Handeln kommen, klare Vorgaben haben, nach denen sich die Spieler richten können, und die Dinge auch einfordern. Es ist ein Aspekt, nicht zu viel nachzudenken, sondern einfach rauszugehen und zu handeln und sich Automatismen zu erarbeiten. Aber das braucht etwas Geduld."

... die Zukunft: "Für mich ist das so, dass wir gut arbeiten, alles reinhauen wollen, richtig brennen für diese Aufgabe. Was sich dann hinten raus entwickelt, hängt von den Ergebnissen ab. Da kann man sich dann auch alles vorstellen, klar. Es ist eine fantastische Stadt, es ist ein Wahnsinns-Verein. Es macht unheimlich Spaß im Team."

... Freitags-Gegner Frankfurt: "Ich war gestern in Mainz, habe mir das Spiel angeschaut. Frankfurt ist eine Mannschaft, die in der Entwicklung sehr weit ist. Sie haben sehr, sehr gute Muster in ihrem Spiel, wissen genau, wie sie aufbauen wollen gegen drei Spitzen, gegen zwei Spitzen. Sie haben einen klaren Plan und eine gute Abstimmung, gute Abläufe. Das ist gewachsen und ein Prozess, in dem sie schon deutlich weiter sind. Aber klar kannst du gegen jeden gewinnen. Dieses Selbstverständnis, auch dieses Selbstvertrauen müssen wir uns erarbeiten. Das geht nur über Fleiß und Beharrlichkeit."

Steffen Rohr

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