Werder soll die Polizeikosten alleine tragen

Watzke: "Bremens Senat befindet sich auf dem Holzweg"

Links: BVB-Boss Hans-Joachim Watzke

Hat eine klare Meinung zum Thema Polizeikosten: BVB-Boss Hans-Joachim Watzke (l.). imago images (2)

Bis auf den betroffenen Klub folgte damit nur ein weiterer Verein dem Ansinnen der Bremer, indem er sich der Stimme zumindest enthielt. Dem Vernehmen nach handelt es sich um RB Leipzig, das pro Jahr eine Vielzahl von Hochrisikospielen austrägt, weniger wegen des eigenen Anhangs, sondern wegen der Gästefans.

"Die DFL wird jetzt Gebühren in Rechnung stellen, wobei 50 Prozent noch nicht fällig gestellt werden. Wir müssen uns mit der Frage beschäftigen, ob und wie wir unser Recht an anderer Stelle bekommen", betont Werder-Präsident Dr. Hubertus Hess-Grunewald und ergänzt: "Eine Klage steht noch im Raum, man darf aber auch nicht vergessen, dass wir zunächst das Ständige Schiedsgericht anrufen müssen, bevor wir vor ein ordentliches Gericht gehen."

Werder habe bisher noch nichts bezahlt, weil es noch keine Aufforderung der DFL gab. Diese hatte im September knapp 600.000 Euro an den Bremer Senat überwiesen. Laut Hess-Grunewald seien der Liga rund 1,5 Millionen in Rechnung gestellt worden, drei Bescheide ständen noch aus. Insgesamt sollen die Forderungen 2,29 Millionen betragen. Beim Bremer Klub gibt es bereits einen Beschluss, eingehende DFL-Rechnungen zurückzuweisen. "Aber natürlich werden wir die Dinge vor dem Eindruck der heutigen Diskussion noch einmal bewerten", so Hess-Grunewald.

Das wäre eine offene Tür für alle anderen Länder, die Bundesliga zur Kasse zu bitten.

Karl-Heinz Rummenigge

Ohne die fehlenden Klubs Hannover und Osnabrück sahen sich die Bremer bei der Tagung am Dienstag in Gravenbruch bei Frankfurt einer breiten Ablehnung gegenüber. "Ich habe grundsätzlich kein Verständnis, dass der Profifußball diese Kosten tragen soll. Wir zahlen alle wahnsinnig viele Steuern, ich habe Bayern München betreffend dreistellige Millionenbeträge im Hinterkopf", erklärt Karl-Heinz Rummenigge, der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern München. "Wir können nicht mit Bremen solidarisch sein, das wäre das völlig falsche Zeichen. Wenn wir jetzt einen Fonds oder dergleichen einrichten, wäre das eine offene Tür für alle anderen Länder, die Bundesliga zur Kasse zu bitten", sagt er weiter.

"Solidarität ist das eine, Ordnungspolitik das andere. Borussia Dortmund hat eine klare Meinung, dass das Veranstaltungsprinzip gilt und es keinen Grund gibt, den Alleingang der Bremer Landesregierung durch die DFL zu subventionieren. Ich bin der Meinung, dass das jetzige Verfahren das richtige ist und Bremen sich auf dem Holzweg befindet", meint BVB-Boss Hans-Joachim Watzke.

Auch die DFL möchte weiter gegen die Gebührenbescheide juristisch vorgehen. Sobald ein weiteres, noch nicht terminiertes Verfahren vor dem Oberverwaltungsgericht Bremen entschieden ist, will die Liga die Rechtmäßigkeit der Gebührenbescheide durch das Bundesverfassungsgericht überprüfen lassen. "Es wird uns noch eine ganze Weile beschäftigen", ist sich Hess-Grunewald sicher.

Michael Ebert