Auswechslung mit hoher Aussagekraft

Kohfeldts logische Flucht nach vorne

Florian Kohfeldt

Antreiber: Florian Kohfeldt (l., hier mit Milot Rashica). imago images

"Ein 2:2 anzunehmen", erklärte Kohfeldt nach der Partie, "ist keine Option für uns. Unentschieden haben wir sowieso schon zu häufig gehabt. Wir wollten unbedingt gewinnen." Mit genau dieser Philosophie übernahm der Fußballlehrer vor zwei Jahren sein Amt, verhalf Werder so zu einem attraktiven Markenzeichen gepaart mit einer klaren sportlichen Aufwärtsentwicklung. Oft genug betonte Kohfeldt, dass die unterhaltsame aber eben auch riskante Spielweise nicht allein auf seinen Vorlieben basiere, sondern auf einer Grundsatzentscheidung des Klubs, geprägt von Geschäftsführer Frank Baumann. Die gemeinsame Überzeugung aller Verantwortungsträger und Beteiligten an der Weser: Nur über ein spektakuläres, mitreißendes Auftreten kann Werder überhaupt wahrnehmbare eigene Akzente setzen im Konkurrenzkampf mit wirtschaftlich weitaus besser ausgestatteten und im Zweifel eben auch tabellarisch erfolgreicheren Klubs.

Daran orientiert sich folgerichtig die Zusammenstellung des Kaders, der - zu Lasten der Defensive - letztlich wohl bewusst nicht ganz ausgewogen besetzt ist. Fallen, wie über weite Strecken der Hinrunde, mit Ömer Toprak und Niklas Moisander dann auch noch die beiden nominellen Top-Verteidiger aus, ergibt sich logischerweise ein Qualitätsdefizit. Spieltag für Spieltag eine funktionierende Balance zu finden ohne die eigenen Prinzipien zu verleugnen, lautet Kohfeldts mitunter komplizierte Aufgabe. Gegen Freiburg etwa brachte er kurz vor Schluss Innenverteidiger Sebastian Langkamp, um die 2:1-Führung abzusichern. Prompt kassierte Bremen in der Nachspielzeit noch den Ausgleich. Das war zwar weder Langkamps Schuld noch ließe sich diese personelle Maßnahme objektiv kritisieren. Doch darf der Verlauf als Beleg für die These dienen: Ein positives Ergebnis souverän verwalten kann Werder vorerst weiterhin noch nicht.

Kohfeldts Flucht nach vorne in Wolfsburg war also einerseits nicht ohne Risiko, aber andererseits fast zwangsläufig, als Sechser Bargfrede die Kräfte ausgingen. Mit Sargent, so Kohfeldt, konnte er "nochmal Tempo ins Spiel bringen, zusätzlich Torgefährlichkeit entwickeln und das Anlaufen wieder nach vorne verlagern." Soweit die rein sportfachlichen Beweggründe. Eine Rolle spielte aber ebenfalls, den absoluten Siegeswillen "zu dokumentieren. Das hatte ich auch im Kopf. Mein Bauchgefühl war: Heute haben wir noch einen Schuss drin." Eine Überzeugung, die sich offenbar aufs Team übertrug.

Thiemo Müller

Bilder zur Partie VfL Wolfsburg - Werder Bremen