Pyro-Attacken sorgen für Ärger - Rode äußert sich

Hellmann: "So können wir nicht weitermachen"

Axel Hellmann

Ist "sehr besorgt": Eintracht-Vorstand Axel Hellmann. imago images

Sportlich ist die neuerliche Niederlage der Hessen in Rheinhessen recht schnell erzählt: Die Gäste zeigten sich torgefährlicher, wenngleich die Platzherren die Partie zunächst spielerisch besser im Griff hatten. Ab Mitte der ersten Hälfte übernahm die Eintracht das Ruder und ging durch Martin Hinteregger verdient in Führung (31.). Die Elf von Trainer Adi Hütter stellte sich aber durch eine unnötige Rote Karte gegen Dominik Kohr (44.) wegen hanebüchener Konterabsicherung selbst ein Bein, musste in Unterzahl zwei Gegentreffer hinnehmen und kämpfte wacker, aber letztlich ohne Fortune.

Abseits des Rasens wird dieses Rhein-Main-Duell aber Folgen nach sich ziehen. Die Gründe dafür sind jetzt noch in Form von schwarzen Brandflecken auf dem Grün der FSV-Arena zu sehen. Vor Anpfiff der Partie warfen einige Zuschauer aus dem Gästebereich wiederholt Pyrofackeln und mindestens einen Böller in den Innenraum, so dass die Partie erst verzögert beginnen konnte.

"Einfach nur destruktiv"

"Wir haben außerhalb des Platzes kein gutes Bild abgeben", kritisierte Axel Hellmann. "Ich verstehe es nicht, weil sich das Thema Montagsspiele erledigt hat." Der für Fanfragen zuständige Vorstand hätte kreativen Protest für zumindest nachvollziehbar gehalten: "Wenn man der Meinung ist, man müsste protestieren, dann hinterlegt man das mit klaren Aussagen." So aber bleibt diese Aktion für Hellmann "einfach nur destruktiv".

Und sie wird teuer. Pyro im Innenraum und Spielverzögerung bedeuten je zweimal 50 Prozent Aufschlag bei der monetären Strafbemessung durch das DFB-Sportgericht, das schon in Bälde den Antrag des Kontrollausschusses in Empfang nehmen dürfte. Der Vorsitzende Richter Hans E. Lorenz war ohnehin selbst vor Ort, da er in der Nähe vom Mainz lebt und dort häufig Stadiongast ist.

Bei der Eintracht wird man sich die Frage nach Konsequenzen in der Fanarbeit stellen müssen. Zu Recht wurden die Anhänger für fantastische Choreographien gelobt, doch immer wieder fällt "unsere berühmte, kleine Gruppe", wie Hellmann sie sarkastisch bezeichnet, auf. Der 48-Jährige kann nach eigenem Bekunden "nicht genau verorten, wo es herkommt".

Letztlich wird es aber mittelfristig genau darauf ankommen, jenen Kreis einzugrenzen. Sei es zu einer Selbstreinigung, an die aber kaum noch einer ernsthaft glauben dürfte, sei es, um seitens des Klubs zu handeln. Hellmann jedenfalls erkennt in den vergangenen Monaten eine Verschärfung, schließlich seien auch schon im DFB-Pokal beim FC St. Pauli Sachen auf den Rasen gefeuert worden: "Es wird darauf angelegt, etwas mehr zu provozieren. Wir müssen rauskriegen, was der Anlass dafür ist, an dieser Schraube zu drehen. Auf dem Weg können wir nicht weitermachen, das führt uns in alte Zeiten zurück. Dass es eine Gruppe gibt, die meint, da ausscheren zu müssen, besorgt mich sehr. Das besorgt auch innerhalb der aktiven Fanszene andere."

Rode relativiert und kritisiert

Beschwichtigungen scheinen aber kaum zu helfen. Denn um den Anpfiff in Mainz zu gewährleisten, waren Filip Kostic und Ersatzkapitän Sebastian Rode vor die Kurve gegangen, aber nach kurzem, offenbar wenig fruchtbarem Wortwechsel zurückgekehrt. Im Innenraum das Mainzer Stadions, wo die Teams warteten, zeichneten TV-Kameras auf, wie Rode zum Schiedsrichter-Assistenten Guido Kleve sagt: "Sie haben selbst zu mir gesagt: 'Verpiss dich!'" Schon nach Schlusspfiff wollte Rode die Situation entschärfen, erklärte, dass es da "eigentlich nur einen Kommentar gab sowie die Nachricht der Fans, dass es nun mit Pyro vorbei sei". Am Dienstagmorgen twitterte der Mittelfeldspieler, dass er Pyrotechnik nicht gutheiße. Der 29-Jährige kritisierte, dass die betreffenden Personen "dem Verein einen Bärendienst erwiesen" hätten, er aber jenes "Verpiss dich" von ein, zwei Leuten nicht als Beleidigung einer ganzen Fangruppe wahrnehme.

Zudem rief er Pressevertreter auf, "nicht immer aus einer Mücke einen Elefanten zu machen" und verglich die Sache mit dem Fall von David Abraham. Der Argentinier hatte vor einigen Wochen den Freiburger Trainer Christian Streich zu Boden gecheckt und war dafür bis Jahresende gesperrt worden. Danach warfen Kommentatoren die Frage auf, ob Abraham weiter Kapitän bleiben könne - Trainer Hütter stellte sich vor den 33-Jährigen. Die Eintracht selbst aber hielt das Thema mit ihrem letztlich erfolglosen Einspruch zumindest mit am Köcheln, es folgte eine mehr als denkwürdige Verhandlung vor dem DFB-Sportgericht. Dieses wird sich in Bälde in jedem Fall auch mit den Pyrowürfen in Mainz befassen.

Benni Hofmann

Bilder zur Partie 1. FSV Mainz 05 - Eintracht Frankfurt