Olympia-Qualifikation im Sportklettern

Drama an der Wand: Krampl sticht beste Freundin Rakovec aus

Mia Krampl

Gab ihrer besten Freundin das Nachsehen: Mia Krampl. IFSC/E.F

Zwei Athletinnen pro Nation - diese sportlich zweifelhafte Regelung wird nicht nur Japan als Gastgeberland der Olympischen Spiele in Tokio 2020 ein Dorn im Auge sein. Auch das vor allem bei den Frauen so starke Team der Sloweninnen müssen Ausnahme-Kletterer zuhause lassen.

In dieser Weltcup-Saison dominierten Kletterer und Kletterinnen aus Japan, der Verband der Asiaten könnte nach rein sportlichen Kriterien weitaus mehr Starter mit einem Olympia-Ticket ausstatten als Plätze zur Verfügung stehen.

Am Sonntag spitzte sich dieses Dilemma auch für die slowenischen Kletterinnen dramatisch zu, denn nach der Qualifikation am Freitag standen im Finale der besten Acht von den sechs Olympia-Tickets fünf fest, nur der zweite Startplatz Sloweniens musste noch ausgefochten werden, da Janja Garnbret als Combined-Weltmeisterin ihr Ticket bereits im August gelöst hatte.

Duell der besten Freundinnen

Der Zweikampf hieß Mia Krampl gegen Lucka Rakovec - ein Duell der besten Freundinnen, das es sportlich wahrlich in sich hatte.

Lucka Rakovec

Hauchdünn geschlagen: Lucka Rakovec. IFSC/E.F.

Beim Speedklettern gehören weder Krampl noch Rakovec zu den Spitzenleuten - ihre Zeiten von 12,265 Sekunden bzw. 11, 683 Sekunden für die 15 Meter hohe Wand reichten für Platz sieben und sechs. Die Schnellste in dieser Disziplin war Juliia Kaplina in 8,057 Sekunden. Die Russin war sich ihrer Sache angesichts der Konkurrenz offensichtlich recht sicher, denn im Finale war sie deutlich schneller unterwegs (7,370).

Auch das Bouldern lief zunächst für Krampl nicht wie erhofft. Ohne einen Topgriff der drei Routen erreicht zu haben und mit nur einem gewerteten Zonengriff ging nicht nur als Letzte in die abschließende Disziplin im Lead, die 20-Jährige aus Ljubljana musste mit ansehen, wie Rakovec alle drei Routen schaffte und nur wegen der größeren Anzahl an Versuchen hinter den beiden Japanerinnen Ai Mori und Futaba Ito landete. Vor dem Showdown im Lead zwischen Krampl und Rakovec hieß es in der multiplizierten Wertung 49 zu 18 - der niedrige Wert entscheidet.

Wenige Zentimeter geben den Ausschlag

Auf Platz acht in der Zwischenwertung liegend musste Krampl als erste in die Route am Seil. Nach 32 Griffen rutschte sie aus der Wand und sah ihren Olympia-Traum platzen. Was sie nicht ahnen konnte war allerdings, dass ihre diese vermeintlich enttäuschende Marke letztlich zum Sieg im Lead reichte. Hauchdünn allerdings, denn Rakovec schaffte eine Wertung von 31+, das heißt, auf dem Weg zu Griff 32 verfehlte sie die Leiste um wenige Zentimeter. Weil auch alle nachfolgenden Kletterinnen unter Griff 32 blieben, gaben diese Zentimeter letztlich den Ausschlag für das zweite slowenische Ticket nach Tokio. Das Duell der Freundinnen endete 49 zu 54 zugunsten von Krampl.

Eigentlich sollte ich wegen der Olympia-Teilnahme die glücklichste Person auf Erden sein, aber wie kann ich glücklich sein, wenn deshalb meine beste Freundin traurig ist."

Mia Krampl

"Ich kehre aus Toulouse mit gemischten Gefühlen zurück", schrieb Krampl auf ihrem Instagram-Account. "Eigentlich sollte ich wegen der Olympia-Teilnahme die glücklichste Person auf Erden sein, aber wie kann ich glücklich sein, wenn deshalb meine beste Freundin traurig ist."

Ein Sextett für Tokio - Flohés Hintertürchen ist geschlossen

Dieses Sextett qualifizierte sich in Toulouse für Olympia: Julia Chanourdie (Frankreich), Mia Krampl (Slowenien), Julia Kaplina (Russland), Kyra Condie (USA), Laura Rogora (Italien) und Yi Ling Song (China).

Nach der WM in Hachioji im August und dem Qualifikationsevent in Toulouse gibt es nur noch eine weitere Chance, sich sportlich für die Olymischen Spiele zu qualifizieren. Im Frühjahr 2020 steigen die fünf Kontinentalmeisterschaften, bei denen die jeweiligen Sieger und Siegerinnen einen weiteren Startplatz erhalten. Aus Sicht der deutschen Frauen ist diese Chance theoretisch vorhanden, wenngleich verschwindend gering.

Die deutschen Herren haben mit Alex Megos und nun auch Jan Hojer ihr maximales Kontingent voll ausgeschöpft. Hätte sich Hojer nicht in Toulouse oder eventuell aber wenig wahrscheinlich als Sieger der europäischen Kontinentalmeisterschaft qualifiziert, so hätte Yannick Flohé als Elfter der WM sich über die Diversity-Regel des IOC für die Spiele in Tokio qualifiziert.

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bst

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