Schmadtke im Interview über Wolfsburgs 2:3 und den VAR

"Ich habe bei den anderen Krämpfe gesehen, bei uns nicht"

"Der eine oder andere Fehler zu viel im Spiel": Jörg Schmadtke. imago images

Herr Schmadtke, hätten Sie gegen Bremen nach zwei Rückständen auch mit einem Punkt für Wolfsburg leben können?

Aufgrund des Spielverlaufs wäre ein Punkt okay gewesen, auch wenn er dich nicht wirklich vorwärts gebracht hätte. Aber wir hatten den einen oder anderen Fehler zu viel in unserem Spiel. Das ist dann böse bestraft worden.

War die Niederlage mitsamt der Fehler im Abwehrverhalten des VfL ein Rückfall?

Nein, insgesamt musste die Mannschaft schon relativ viel verkraften. Da ist der Videobeweis, der zum Elfmeter führt, dann den zweiten, der dir das Tor aberkennt. Du kommst aus der Belastung vom Donnerstagsspiel in der Europa League, liegst dann ohne Torchance für den Gegner hinten. Kommst wieder, liegst wieder hinten und so weiter. Das ist schon viel. Nichtsdestotrotz, noch einmal: Unterm Strich haben wir zu viele Fehler gemacht.

Was stimmt Sie dennoch positiv?

Wir sind 117 Kilometer gelaufen. Ich habe Krämpfe bei den anderen gesehen, bei uns nicht. Die Mannschaft ist willig und in der Lage, die Dinge anzugehen - das ist gut. Wir müssen halt nur in der einen oder anderen Situation etwas schlauer sein.

Die Physis scheint stabil, somit sind keine Probleme mit dem Hammerprogramm bis Weihnachten mit zwei englischen Wochen und Top-Gegnern in der Bundesliga zu erwarten?

Es sieht derzeit nicht danach aus. Aber abwarten, manchmal kommt so was noch nach. Es geht ja aber auch gegen zwei Teams, die selbst im internationalen Wettbewerb stehen. Schauen wir einmal!

Ist es bitter, nach diesem wegweisenden Spiel und jetzt, da die Bundesliga oben sehr spannend ist, erst einmal nicht in engerem Klübchen der Spitzenteams dabei zu sein?

Wir hätten das Spiel gerne gewonnen, dann wären wir richtig auf Schlagdistanz. Wegweisend ist es aber jede Woche wieder. Es geht um Anschluss, um eine gute Position dann fürs Frühjahr. Wir hätten gerne ein paar Punkte mehr. Aber im Moment ist es okay.

Casteels schon länger wieder dabei, Ginczek erstmals eingewechselt, Schlager feierte schon sein Comeback - wie beruhigend ist das dicker werdende Personalpolster?

Wir haben viel Qualität zurückbekommen. Doch die Spieler haben keinen Rhythmus - wie auch? Es gibt dem Trainer allerdings ein paar Möglichkeiten mehr, auf einzelne Situationen reagieren zu können. Das tut immer gut. Im Moment haben wir mit Verletzten keine Problematik.

Noch einmal zum Bremen-Spiel: Lässt Sie diese Partie am Sinn des Videobeweises zweifeln?

Beim zweiten Entscheid ist es eindeutig - Abseits. Beim ersten ist die Lehre nach meiner Meinung eine andere. Aber einmal ganz unabhängig von diesen beiden Situationen: Wenn wir ein System einführen, um mehr Sicherheit in den Entscheidungen zu bekommen, und dann dennoch sagen: "Das kann man so und so entscheiden!" Dann bringt es nichts. Ich bin immer ein Befürworter des Videoassistenten gewesen, aber ich habe langsam meine Zweifel, ob die Dinge, die wir uns in der Theorie erhofft haben, am Ende wirklich eintreten.

Ändert sich also Ihre Haltung zum Videobeweis?

Wenn eine Entscheidung heute noch einmal anstünde, mit dem heutigen Wissen, wäre ich eher dagegen. Nicht wegen dieses Spiels, sondern allgemein. Es ist schwer zu ertragen, wenn du da oben sitzt und alles jubelt, und du weißt eigentlich: Warten wir mal ab, wir wissen nicht, was noch passiert! Wir erzeugen damit keine Sicherheit. Die Emotionen gehen ein wenig verloren. Und dann frage ich mich, ob es noch schlau ist.

Interview: Michael Richter

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