DFL-Mitgliederversammlung: Auch auf Mainz kommen Polizeikosten zu

Schließt Werder demnächst Gästefans aus?

Sind sie bald bei Heimspielen

Sind sie bei Heimspielen bald "konkurrenzlos"? Fans von Werder Bremen beim Spiel gegen Schalke. imago images

Die Ausgangslage ist klar. Keiner der anderen 35 Profivereine will sich an den Kosten beteiligen, die der Bremer Senat für den Mehraufwand bei Hochrisikospielen in Rechnung stellt. 2,29 Millionen Euro sind bisher aufgelaufen. "Wir akzeptieren es nicht, 100 Prozent der Kosten tragen zu müssen", betonte Werder-Boss Klaus Filbry in einem Mediengespräch. Er argumentiert mit dem Verursacherprinzip und fordert, dass zumindest die gegnerischen Klubs, die für den erhöhten Polizeieinsatz mitverantwortlich sind, in die Verantwortung genommen werden. Sollte es zu keiner Einigung bei der Mitgliederversammlung kommen, denkt man laut dem Internetportal "Deichstube" sogar daran, bei Hochrisikospielen die Fanblöcke teilweise zu sperren, keine Gästefans mehr zuzulassen.

Bremen hat vor dem Bundesverwaltungsgericht als erstes Bundesland eine Gebührenordnung durchgesetzt, wonach die Polizeimehrkosten bei Risikospielen von den Veranstaltern zu tragen sind, wozu Werder und die DFL gezählt werden. In Rheinland-Pfalz will Innenminister Roger Lewentz spätestens in einem Jahr ein ähnliches Modell etabliert haben, sollte sich der Wunsch nach einer bundeseinheitlichen Lösung nicht realisieren lassen. Dazu haben die Innenminister aus Bremen und Mainz für die anstehende Innenministerkonferenz vom 4. bis 6. Dezember in Lübeck ihren Länderkollegen eine Mustergebührenordnung zukommen lassen. Deren Neigung zur Zustimmung ist allerdings gering, bisher kann sich nur Hamburg eine ähnliche Regelung vorstellen.

"Innenminister Lewentz plant, sollte es nicht zu einem gemeinsamen Vorgehen der Länder kommen, im Laufe des Jahres 2020 eine Gebührenregelung zu erlassen", heißt es auf kicker-Nachfrage aus dem Mainzer Ministerium. "Die zunehmende Belastung der Polizei durch Gewaltexzesse im Stadion darf nicht allein dem Steuerzahler aufgebürdet werden. Nicht zuletzt mit Blick auf die steigenden Milliardenumsätze der DFL. Die Beteiligung der DFL über einen Fonds an den Kosten für Hochrisikospiele bleibt ein sinnvoller Weg. Auch eine bundeseinheitliche Gebührenordnung ist vorstellbar", betont Lewentz. Allerdings ist die Zahl der Verletzten und Strafverfahren laut offiziellen Angaben 2018/19 um sieben beziehungsweise neun Prozent zurückgegangen.

"Die Weitergabe von Polizeikosten ist aus unserer Sicht kein Mittel zur Minderung der Gewaltbereitschaft bei Fußballspielen. Die pauschale Rechnung, dass der Einsatz von mehr Polizeikräften gleichzeitig die Zahl der Straftaten verringert, wird von Sicherheitskräften beispielsweise in Baden-Württemberg bereits kritisch hinterfragt. In Mainz ist der Aufwand für Sicherheitsmaßnahmen verhältnismäßig gering, auch dank unserer guten Sicherheits-Infrastruktur und der guten Abstimmung mit den Sicherheitskräften. Es ist sehr schwer, eine objektive Grundlage für die Definition von Hochrisikospielen und für die Berechnung von Mehrkosten bei Polizeieinsätzen zu schaffen, was sich auch in der fehlenden einheitlichen Linie in den Bundesländern zeigt", sagt der Mainzer Vorstandsvorsitzende Stefan Hofmann.

Und obwohl der Klub bald selbst betroffen sein könnte, bleiben die Nullfünfer bei ihrer Haltung, dass etwaige länderspezifische Kosten jeder Verein selbst zu tragen habe. Hofmann: "Die Bundesländer, in denen die Mehrzahl der betroffenen Veranstaltungen stattfinden, lehnen die Erhebung von Gebühren ab. In der Konsequenz könnte das bedeuten, dass dadurch unter dem Aspekt des Wettbewerbs und der Chancengleichheit einzelne Klubs benachteiligt werden."

Michael Ebert