Das Comeback des Stürmers, der keine Ansprüche stellt

Ginczek: Gänsehaut und Realismus

Daniel Ginczek

Einwechslung und Comeback: Daniel Ginczek kam für Robin Knoche. imago images

Es hätte so schön werden können für Daniel Ginczek. Eingewechselt in der 73. Minute, nur Sekunden später jubelnd dabei beim Wolfsburger 2:2 durch William. "Ich dachte, wir drehen das Ding", sagt der Stürmer, der jedoch wie seine Mannschaft am Ende mit ganz leeren Händen dastand. 2:3 gegen Werder, das Comeback des Torjägers blieb ohne Happy End. "Ich bin froh, wieder zurück zu sein", gibt Ginczek nach langer Pause wegen einer Rücken-Operation im Sommer zu Protokoll. "Aber ich habe mir natürlich einen anderen Einstieg gewünscht."

Und doch darf sich der 28-Jährige freuen. Er ist wieder da nach wieder einmal quälend langen Monaten in der Reha. Ginczek, leidgeprüft in seiner Karriere, meldet sich zurück. In der Vorwoche traf er doppelt für die Wolfsburger U 23 in der Regionalliga, nun mischt er auch wieder im Oberhaus mit. Wenngleich noch mit etwas angezogener Handbremse. Der Angreifer weiß schließlich aus eigener Erfahrung, dass er nun nichts überstürzen darf und keine Ansprüche stellen sollte. "Ich werde mich jetzt nicht hinstellen und sagen, ich muss von Anfang an spielen", betont der gereifte Ginczek ganz realistisch. "Dafür war ich zu lange raus und bin zu erfahren im Umgang mit Verletzungen." Sein Plan für die Wochen vor der Winterpause: "Ich versuche, über das Training an die 100 Prozent zu kommen. Über die Minuten, die der Trainer mir gibt, wieder fit zu werden. Ich will so gut es geht helfen - als Joker."

Den die Wolfsburger Zuschauer längst in ihr Herz geschlossen haben. Als Ginczek am Sonntag den Rasen betrat, brandete lautstarker Beifall auf. "Ein Gänsehautmoment", sagt der frühere Stuttgarter. "Es ist immer schön, wenn ich nach so langer Zeit noch in den Köpfen bin und gefeiert werde." Selbst dann, wenn das Happy End ausbleibt.

Thomas Hiete

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