Augsburg: Verschossener Elfer und Platzverweis

Hahns rabenschwarzer Tag

Frustriert geht André Hahn nach seinem Platzverweis vom Platz.

Frustriert geht André Hahn nach seinem Platzverweis vom Platz. imago images

Obwohl der FCA zum dritten Mal in Folge ungeschlagen blieb und einen direkten Konkurrenten auf Distanz hielt, konnte sich Stefan Reuter über das 1:1 nicht freuen. "Es war einfach mehr drin. Wir haben Köln ins Spiel zurückgeholt", haderte der Manager und lenkte den Blick auf die Szene kurz vor der Halbzeit, die das Spiel kippen ließ. "Es war ärgerlich, dass wir nicht mit elf Mann in die Pause gehen. Dann hätten wir es uns deutlich einfacher machen können", meinte Reuter.

Beim Versuch, den Ball wegzuschlagen, traf André Hahn seinen Gegenspieler Dominick Drexler mit hohem Bein und sah dafür Gelb-Rot. Die Augsburger Überzahl - Kölns Rafael Czichos hatte zuvor bereits Gelb-Rot gesehen - war somit schnell dahin. Und für Hahn war ein rabenschwarzer Arbeitstag vorzeitig beendet. Bei seinem ersten Startelfeinsatz seit 6. Oktober verschoss der 29-Jährige in der Anfangsphase einen Elfmeter, danach wirkte er gefrustet und übermotiviert. Gelb sah er für ein unnötiges Einsteigen gegen Czichos an der Seitenlinie.

Beim 4:0 gegen Hertha war Hahn als Joker und Torschütze noch einer der Gewinner. Diesmal sei er nach seinem schwach geschossenen Elfmeter "durch den Wind" gewesen, fand Trainer Martin Schmidt nach der Partie. Er habe in der Halbzeit mit ihm reden und ihn beruhigen wollen - doch dazu kam es nicht mehr. "Die zweite Gelbe war aber nicht übermotiviert, sondern er hat ihn einfach nicht gesehen", nahm Schmidt seinen Spieler in Schutz. Eine vorzeitige Auswechslung kam für den Coach nicht in Betracht, weil er durch das verletzungsbedingte Aus Raphael Frambergers (28. Minute) schon eine Option verbraucht hatte und zudem Ruben Vargas sowie Sergio Cordova angeschlagen waren. Ein nachvollziehbarer Gedankengang, der letztlich aber nicht aufging.

In Gleichzahl entwickelte Köln in der zweiten Hälfte deutlich mehr Druck, Augsburg verlor die Kontrolle, blieb mit etwas Glück aber lange in Führung. Bis Tomas Koubek vier Minuten vor Schluss patzte. Der Keeper kam nach einem langen Ball unnötig aus dem Tor und verhielt sich dann auch im Duell mit Jhon Cordoba ungeschickt. Die Folge war das späte 1:1.

"Den Ausgleich nimmt man nicht gerne hin, aber er war gerecht", musste Schmidt anerkennen. Auch Torschütze Florian Niederlechner sah den Platzverweis als Knackpunkt: "Doof war einfach, dass wir noch die Gelb-Rote Karte gekriegt haben. Die Überzahl hätte uns vieles leichter gemacht." Für den unglücklichen Hahn hatte der Stürmer tröstende Worte. "Er ist ein guter Kerl, der verkraftet das. Ihm ist keiner böse", versicherte Niederlechner und kündigte an, sich auf der Heimfahrt um Hahn zu kümmern: "Er sitzt neben mir im Bus. Ich werde ihn ein bisschen triezen, dann kriegen wir den Kollegen schon wieder hin."

David Bernreuther