Kommentar von kicker-Chefreporter Oliver Hartmann

Deutschland steht ein steiniger EM-Weg bevor

Sichtlich angespannt: Bundestrainer Joachim Löw

Sichtlich angespannt: Bundestrainer Joachim Löw. Getty Images

Die Mienen sprachen Bände: Während Portugals Europameister-Trainer Fernando Santos und vor allem Frankreichs Weltmeister-Coach Didier Deschamps die Auslosung ein breites Grinsen entlockte, war Joachim Löws Gesichtsausdruck zunächst versteinert, ehe er in ein gequältes Lächeln überging. Schwerer hätte es für Fußball-Deutschland bei der EM im nächsten Jahr nicht kommen können, als gleich in der Vorrunde auf die beiden Finalisten der 2016er-EM treffen zu müssen.

Diese höchst komplexe und kaum verständliche Auslosung in den Bukarester Messehallen bescherte der deutschen Mannschaft die befürchtete Hammergruppe. Löws EM-Mission beginnt am 16. Juni in der Münchener Allianz-Arena gegen jenen Gegner, gegen den vor knapp dreieinhalb Jahren die Titelträume platzten. Damals verlor die deutsche Elf in Marseille gegen Gastgeber Frankreich nach zwei Toren von Antoine Griezman mit 0:2, diesmal spricht immerhin der Heimvorteil für die DFB-Auswahl. Allerdings sind die Franzosen im Weltfußball das Maß der Dinge, was sich auch im Weltranglisten-Platz zwei (hinter Belgien) widerspiegelt. Der letzte deutsche Sieg liegt fünfeinhalb Jahre zurück, das 1:0 im Maracana-Stadion bedeutete für den späteren Weltmeister den Einzug ins Halbfinale. Seitdem blieb die DFB-Auswahl in fünf Vergleichen bei zwei Unentschieden und drei Niederlagen sieglos. Vor einem Jahr ebnete in der Nations League ein 0:0 in München und ein 1:2 in Paris den deutschen Weg in die vermeintliche Zweitklassigkeit, die später dank der von der UEFA beschlossenen Aufstockung verhindert wurde.

Oliver Hartmann

kicker-Chefreporter Oliver Hartmann. kicker

Auch Titelverteidiger Portugal war bei der denkwürdigen WM 2014 Kontrahent der deutschen Mannschaft, das 4:0 in Salvador im ersten Gruppenspiel bildete die Initialzündung ins Turnier und spiegelte - trotz Cristiano Ronaldo - das damalige Kräfteverhältnis wieder. Das hat sich seitdem allerdings verschoben. Die Portugiesen stehen als Weltranglisten-Siebter acht Plätze vor der deutschen Elf. Dass der vierte Gruppengegner erst im März ermittelt wird, ist eine der vielen absurden Begleiterscheinungen dieses Turniers.

Deutschland steht nach dieser Auslosung vor einem steinigen EM-Weg, aber vor allem wegen des Heimvorteils bleiben die Aussichten auf ein Weiterkommen intakt. Möglicherweise ist es sogar von Vorteil, dass diese mitten im Umbruch steckende Mannschaft nicht mit der Last des großen Gruppenfavoriten ins Turnier starten muss, sondern in der Herausforderrolle antreten darf. In dieser fühlten sich Löw und sein damaliges Team auch bei der WM in Brasilien pudelwohl.

Den genauen Spielplan finden Sie hier.

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