Wie Kohr und Gacinovic das Spiel veränderten

Hütters heimliche Helden

Frankfurts Trainer Adi Hütter mit seinen Einwechselspielern Dominik Kohr (li.) und Mijat Gacinovic.

Frankfurts Trainer Adi Hütter mit seinen Einwechselspielern Dominik Kohr (li.) und Mijat Gacinovic. imago images

"Geschichte", das wusste schon Mark Twain, "wiederholt sich nicht." Beim Blick auf den so wichtigen Sieg der Hessen in London muss man sagen, dass der amerikanische Schriftsteller absolut recht hat. Denn der donnerstagabendliche Streich ist aus taktischer Sicht so etwas wie der Gegenentwurf zum 0:3 gegen die Gunners vor heimischem Publikum vor wenigen Wochen. Zu jener Phase der Saison suchte die Eintracht Stabilität. Hütter verzichtete sowohl in Augsburg (1:2) kurz zuvor als auch gegen den FC Arsenal auf einen tiefen Sechser, einen Abräumer. Stattdessen marschierte Dominik Kohr an der Seite Djibril Sows, Sebastian Rode fehlte wie diesmal verletzt. Viel marschierte Kohr, aber manchmal auch zu viel, weil zu oft. Erst mit der Hereinnahme Gelson Fernandes wenige Tage darauf, beim 2:2 gegen den BVB, fand die Truppe heraus aus dieser Unwucht.

Hütter beweist ein goldenes Händchen

Vielleicht hat sich Hütter daran erinnert, als er den wie immer wacker kämpfenden, aber offensiv limitierten Schweizer (und den desolaten Andre Silva) zur Pause runternahm und just jenen Kohr, der im Hinspiel gegen Arsenal noch Gelb-Rot gesehen hatte, sowie Mijat Gacinovic trotz dessen schwachen Auftritts gegen Wolfsburg zuletzt brachte. Natürlich heißen die Matchwinner dieses 2:1-Erfolgs Frederik Rönnow ob zahlreicher Paraden in Durchgang eins und Daichi Kamada ob zweier trockener Abschlüsse, die die vermeintliche Startruppe aus der englischen Hauptstadt in sich zusammenfallen ließen. Doch Hütter merkt zurecht an: "Beide Einwechselspieler sind mitentscheidend, dass wir dieses Spiel gewonnen haben." Kohr und Gacinovic als "hidden heroes", wie man auf der Insel gerne sagt, als heimliche Helden?

Hütter sah "ein ganz anderes Gesicht in der zweiten Halbzeit"

Fakt ist: Im 3-4-2-1 (statt wie zuvor 3-1-4-2) lief die Eintracht, die in Durchgang eins noch schlecht temperiert presste und den pfeilschnellen Platzherren so wahnwitzige Räume öffnete, konzertierter, breiter, fleißiger an. Weder Kohr noch Gacinovic hatten die alles entscheidenden Aktionen, wobei der Serbe durchaus einmal hätte treffen können. Doch taktisch erfüllten beide ihre Aufgaben mustergültig. Defensiv wie offensiv. Denn Sow, bis dahin indisponiert, hatte mit Kamada und eben den beiden Eingewechselten mehr Spielpartner in den Halbräumen. Um diese zu schließen, mussten die Gastgeber plötzlich die Bahnen öffnen - Danny da Costa und Filip Kostic, bis dahin stumpfe Waffen, kamen nun wesentlich besser zum Zug. "Wir waren vielleicht zu ehrfürchtig, zu ängstlich im Spiel nach vorne", mutmaßte Hütter über Durchgang eins und sah "ein ganz anderes Gesicht in der zweiten Halbzeit".

Schon im Hinspiel, Mitte September, kamen die Hessen mit viel Wucht aus der Kabine. Doch ließen Bas Dost, Silva und Kostic damals Hochkaräter unmittelbar nach Wiederanpfiff liegen. Diesmal glänzte Kamada mit Effizienz. Geschichte wiederholt sich eben nicht...

Benni Hofmann

kicker.tv Hintergrund

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