Augsburgs Trainer ist als Moderator gefragt

Schmidt und das Knistern im Kader

Martin Schmidt

Sein Fingerspitzengefühl ist nun gefragt: FCA-Coach Martin Schmidt. Getty Images

Sportlich hat sich der FCA seit Anfang Oktober stabilisiert, der Aufwärtstrend wurde zuletzt aber von Störgeräuschen begleitet. Gregoritsch verschaffte dem Frust über seine Reservistenrolle öffentlichkeitswirksam Luft. Jeffrey Gouweleeuw klagte, es habe zu lange bis zu seinem Comeback gedauert, und forderte einen Stammplatz ein. Zwei Fälle, die beispielhaft für ein gewisses Knistern im Augsburger Kader stehen.

Ein Zustand, den sich Martin Schmidt im Sommer gewünscht hat. "Das gehört zu einem Profi-Kader zu hundert Prozent dazu. Wir wussten, wir müssen den Konkurrenzkampf, den Leistungsdruck erhöhen", sagt der Trainer. Im Zuge des Umbruchs kamen zwölf neue Spieler, die Konkurrenz wurde bewusst verschärft, der Druck auf die Etablierten erhöht. Gregoritsch und Gouweleeuw, aber auch André Hahn oder Alfred Finnbogason bekamen das zu spüren. Sie alle saßen zeitweise draußen.

Schmidt freut sich über "einen tollen Kader. Das Knistern, der Leistungsdruck stachelt die Spieler an", ist er überzeugt. Die verschärfte Konkurrenz sorgt bei einigen aber auch für Frust und Ungeduld. Schmidt ist deshalb verstärkt als Moderator gefragt. "Das ist mit die größte Herausforderung als Trainer", weiß er. Er müsse es schaffen, dass ein Reservist einerseits zufrieden mit Erklärung des Trainers sei, aber zugleich unzufrieden, weil er eben nicht spielt. Keine leichte Aufgabe. Um sie zu bewältigen, ist eine bessere interne Kommunikation nötig, als dies zuletzt offenbar der Fall war.

Auch vor dem Spiel in Köln am Samstag (15.30 Uhr) muss Schmidt knifflige Entscheidungen treffen und vermitteln. In der Offensive untermauerten Hahn und Sergio Cordova mit guten Leistungen gegen Hertha ihre Ambitionen auf einen Startplatz. Das gleiche gilt für Abwehrchef Gouweleeuw. Felix Uduokhai, der sich zu einer stabilen Größe entwickelt hatte, bis ihn eine Risswunde am Knöchel gegen Berlin ausbremste, bleibt wohl erneut nur ein Platz auf der Bank. Dort saß zuletzt auch Stephan Lichtsteiner, über Jahre Stammkraft bei Juventus Turin, der seinen Platz an Raphael Framberger verloren hat. Und mit Gregoritsch steht eine weitere Option für die Offensive nach Suspendierung wieder zur Verfügung. Großen Anlass für Änderungen gibt es nach dem überzeugenden 4:0 gegen Hertha indes nicht. Das wird einigen Spielern gefallen, anderen wiederum nicht.

David Bernreuther