Argentinier bringt eine neue Dimension in Bayers Mittelfeld

Palacios auf dem Sprung nach Leverkusen

Exequiel Palacios

Auf dem Sprung in die Bundesliga: Exequiel Palacios. imago images

Am Ende ging es doch recht schnell. In der Nacht zum Donnerstag sickerte die Information durch, dass sich Bayer Leverkusen stark um Exequiel Palacios bemüht (der kicker berichtete exklusiv) und bereits Klubvertreter nach Buenos Aires geschickt hatte. Am Donnerstagabend konnten sich die beiden Vereine laut argentinischen Medienberichten einigen: Bayer bezahlt 22 Millionen Euro für den Mittelfeldspieler - trotz einer in Palacios' Vertrag feststehenden Ablösesumme von 15 Millionen. Der Hintergrund: Der Vertreter des Spielers Renato Corsi hatte bereits im Dezember 2018 versprochen, nicht von der Ausstiegsklausel Gebrauch zu machen. Darüber hinaus erhält River Plate eine Weiterverkaufsbeteiligung von 10 Prozent.

Wirtschaftliche Schieflage nutzt Leverkusen

Dabei profitierte Bayer von einer wirtschaftlichen Schieflage des abgebenden Vereins. Durch die derzeit anhaltende Inflation in Argentinien muss auch der Fußballverein River Plate liquide Mittel aus Devisen erzeugen, um die abgewerteten Peso-Konten auszugleichen. Durch das Einkommen aus Deutschland erhalten die "Millonarios" rund 16 Millionen Euro, da sie nur 75 Prozent der Rechte an der Ablöse haben. Das restliche Viertel teilen sich zwei Berater von Palacios und der Spieler selbst.

Dass Bayer sich die Dienste eines der größten südamerikanischen Talente sichert, kann man durchaus als Coup bezeichnen. Im Frühjahr war Real Madrid nah an einer Verpflichtung des 21-Jährigen, damals stand dem Transfer jedoch ein Wadenbeinbruch des Argentiniers entgegen. Als der Trainerwechsel zu Zinedine Zidane erfolgte, der mehr auf Stars denn auf junge Talente setzt, scheiterte der Transfer komplett. Zuletzt wurde auch Inter Mailand, Atletico Madrid und Ajax Amsterdam großes Interesse nachgesagt.

Man braucht also kein Prophet sein, um dem Mittelfeldstrategen ein großes Potenzial zu attestieren. Es liegt zudem nahe, dass der Transfer als Vorgriff auf den bevorstehenden Mittelfeld-Umbruch im Sommer 2020 getätigt wurde. Die Vertragsverlängerung von Mittelfeldmotor Charles Aranguiz steht noch in den Sternen, ein Abgang von Youngster Kai Havertz ist sehr wahrscheinlich.

Kein Ersatz für Aranguiz oder Havertz

Dennoch: Palacios ist weder ein direkter Ersatz für Havertz noch für Aranguiz. Der Argentinier, der übrigens schon 2016 und 2017 insgesamt sieben Mal zusammen mit Bayer-Stürmer Lucas Alario bei River Plate auf dem Feld stand, sucht zu selten das Eins-gegen-eins, um ein Zehner zu sein. Er ist ebenso wenig genug Zweikämpfer, um alleine auf der Sechs spielen zu können.

Palacios ist ein Mittelfeldstratege, hat das Spielfeld gerne vor sich, bedient seine Mitspieler sowohl mit präzisen Flugbällen als auch mit gut getimten Pässen in die Tiefe. Er glänzt durch seine Spielintelligenz, ist aktiv im Gegenpressing, liest die Spielzüge des Gegners und hat so schon weit vorne Balleroberungen. Durch seine klugen Laufwege öffnet und schließt er Räume, ist anspielbar, positioniert sich hervorragend. Durch seine hohe Ausdauer kann er durchaus als Box-to-Box-Mittelfeldspieler bezeichnet werden - quasi eine neue Dimension in Bayers Mittelfeld.

Eliano Lußem