2018er Stammkraft außen vor - noch kein Gespräch mit Streich

Guldes Wunsch nach Verletzungsserie: Wenigstens Joker

Manuel Gulde

SC-Verteidiger Manuel Gulde wartet in der laufenden Saison noch auf seinen ersten Ligaeinsatz. imago images

Denn noch im Kalenderjahr 2018 hatte der Innenverteidiger als unumstrittene Stammkraft in allen 34 Bundesliga-Spielen in der Startelf gestanden. Auch zu Beginn der Rückrunde 2018/19 änderte sich daran nichts, bis sich Gulde Anfang Februar 2019, am 20. Spieltag, beim 2:2 in Stuttgart verletzte: Bündelriss in der hinteren linken Oberschenkelmuskulatur. "Das war ein herber Rückschlag", sagt Gulde. Seitdem steht nur noch ein Liga-Kurzeinsatz Ende März für ihn in der Statistik. "Ich habe die erste Verletzung nicht gut aufgearbeitet, wollte zu schnell zu viel", zeigt sich der Spieler im Rückblick selbstkritisch.

Die schmerzhafte Folge für ihn: Rückenprobleme, mit denen er schon vor seiner Stammspielerzeit zu kämpfen hatte, traten wieder auf. Kurz nach Vorbereitungsstart Anfang Juli machte dann der Oberschenkel wieder Probleme. Gulde musste sich erneut heranarbeiten, sammelte Ende August 45 Minuten Spielpraxis im Regionalligateam sowie Anfang September 65 Minuten im Profi-Testspiel gegen Aarau - ehe ihn ein erneutes Zwicken im Oberschenkel abermals zurückwarf.

Aktuell ist in Sachen Startelf nichts drin für mich.

Manuel Gulde

Seit gut zwei Monaten ist der 28-Jährige nun aber wieder fit und beschwerdefrei. In den Testspielen im Oktober gegen den KSC und im November gegen St. Gallen ging Gulde über die vollen 90 Minuten und stand auch seit dem 7. Spieltag (2:2 gegen Dortmund) immer im 20er Spieltagsaufgebot des Sport-Clubs. Sein Problem: Obwohl Streich meist mit drei Innenverteidigern spielen lässt, sind die Stellen an die Konkurrenten Dominique Heintz, Robin Koch und Philipp Lienhart vergeben. Die erste Alternative ist zudem U-21-Nationalspieler Nico Schlotterbeck, der in letzter Zeit eine sehr positive Entwicklung genommen hat. Unterm Strich ist Gulde im Innenverteidiger-Ranking also mindestens drei Plätz zurückgefallen. Und angesichts des sportlichen Erfolgs hat Trainer Christian Streich erst einmal keinen Grund, an der Konstellation etwas zu ändern.

"Aktuell ist in Sachen Startelf nichts drin für mich. Für die Mannschaft läuft es super", zeigt Gulde Verständnis für das Leistungsprinzip: "Wenn ich drin wäre, würde ich auch nicht wollen, dass etwas geändert wird, nur, weil einer nach Verletzungen wieder fit ist." Diese realistisch-faire Sichtweise ehrt Gulde, der aber genauso verständlich an der Situation zu knabbern hat. "Wenn man mal gefestigter Stammspieler war, ist es mental doppelt schwer, außen vor zu sein. Ich bin wie jeder Leistungssportler sehr ehrgeizig und würde natürlich gerne auf dem Platz ein Teil des Erfolgs sein", schildert er seine Gefühlslage.

Selbst bei nur 20 Sekunden hätte man ein anderes Gefühl, man würde wieder mehr dazugehören.

Manuel Gulde

Im Gespräch mit dem kicker betont Gulde mehrmals, dass er sich über eine Einwechslung freuen würde, zumindest auf einen solchen Kurzeinsatz als Joker hofft: "Selbst bei nur 20 Sekunden hätte man ein anderes Gefühl, man würde wieder mehr dazugehören." Was nicht bedeutet, dass er sich der Mannschaft nicht mehr zugehörig fühle, wie er erklärt. Das ausgeprägte Zusammengehörigkeitsgefühl ist seit jeher eine große Stärke des SC, steht angesichts des ungewöhnlich großen Kaders aber auch trotz des derzeitigen Höhenflugs auf der Probe. Denn auch beim besten Binnenklima wird sich die Stimmung bei Akteuren, die über Wochen oder Monate ihren Job nicht mehr im Wettkampf ausüben dürfen, zumindest ein wenig eintrüben.

Während die Lage bei den ebenfalls noch nicht in der Liga eingesetzten 20-jährigen Perspektivspielern Luca Itter und Woo-Yeong Jeong sowie beim Trio Yoric Ravet, Marco Terrazzino und Florian Kath, das schon im Sommer den Verein wechseln sollte, nicht überrascht, liegt der Fall bei Gulde aufgrund seiner jüngeren Vergangenheit als Leistungsträger anders. Daher überrascht es, dass der oft für seine Kommunikation und Empathie gerühmte Streich laut Gulde noch nicht mit ihm über die Situation gesprochen hat, obwohl er seit zwei Monaten wieder fit ist. Ob er sich ein Gespräch wünsche oder es selbst suchen werde - darüber wollte Gulde nicht sprechen. Der auch schon zu Beginn seiner Karriere von Verletzungspech gebeutelte Abwehrmann richtet den Blick lieber nach vorne: "Es kommen wieder bessere Zeiten, schlechter kann es ja kaum laufen. Ich muss weiter gut trainieren und mich anbieten."

Wer weiß, vielleicht nimmt Streich trotz der guten Ergebnisse bald doch einen überraschenden Wechsel in der Innenverteidigung vor. Eventuell dauert es auch noch eine Weile. So oder so, sobald die Chance kommt, ist Gulde am Zug, diese direkt zu nutzen, um bestenfalls seinen früheren Stellenwert wieder zu erreichen.

Carsten Schröter-Lorenz