Dortmund: Team und Trainer stehen in Barcelona unter Druck

Wundertüte BVB: Trendwende und Achtelfinaleinzug - oder nächster Rückschlag?

Lucien Favre

"Der Druck ist immer da": Lucien Favre steht - wie das gesamte Team des BVB - unter Druck, in Barcelona soll der Befreiungsschlag gelingen. imago images

Anstand gehört für Lucien Favre dazu. Daran ändert auch die aktuelle Drucksituation beim BVB nichts. Und so gab der Schweizer - wie üblich beim 62-Jährigen - vor dem Abflug nach Barcelona jedem die Hand, der ihm in der Wartehalle 03 des Dortmunder Flughafens über den Weg lief. "Bonjour, Salut".

Wie es im Innern des BVB-Trainers aussieht, darüber lässt sich freilich nur spekulieren. Kalt lässt ihn die Debatte um die teils unerklärlichen Auftritte seiner Mannschaft - und über seinen Job - ganz sicher nicht. Aber auch am Abend, als er in den Katakomben des beeindrucken Camp Nou auf dem Podium Platz nahm, lächelte er freundlich. Ein zähnefletschender Beißer - wie es manch einer seiner Vorgänger war - wird Favre in seiner Karriere wohl nicht mehr. Und so blieb er auch am Dienstag sachlich in seiner Sicht auf das prestigeträchtige Spiel beim FC Barcelona, das er ohne Stürmer Paco Alcacer (Magen-Darm-Probleme), Thomas Delaney (Sprunggelenksverletzung) und Jakob Bruun Larsen (Knieprobleme) bestreiten muss. "Wir wollen und müssen eine große Leistung bringen", sagte er zwar, er relativierte allerdings auch die Besonderheit der Konstellation: Natürlich, man habe Druck, "aber der Druck ist immer da."

Spielersteckbrief Reus

Reus Marco

Trainersteckbrief Favre

Favre Lucien

Mit einem Sieg in Barcelona würde der BVB vorzeitig den Einzug ins Achtelfinale der Champions League klarmachen. Es wäre ein angesichts der Vorgeschichte äußerst überraschender Erfolg - und ein deutliches Ausrufezeichen nach den jüngsten Enttäuschungen in München (0:4) und gegen Paderborn (3:3). Ausschließen kann man das nicht, so wankelmütig der BVB in dieser Spielzeit zuweilen auftritt. Die Sterne vom Himmel spielend wie in der zweiten Hälfte gegen Mailand (3:2), stümperhaft wie in der ersten Hälfte gegen Paderborn. Dortmunds Vorstellungen gleichen einer Wundertüte. Man weiß vorher schlicht nicht, was man bekommt. Die Tendenz allerdings zeigte zuletzt deutlich nach unten. Auch deshalb forderten die Klubbosse in den vergangenen Tagen eine deutliche Reaktion.

"Worte reichen nicht mehr. Wir brauchen Leistung", sagte Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc am Wochenende dem kicker. Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke gab der Mannschaft bei der Jahreshauptversammlung mit auf den Weg, zu versuchen, "so aufzutreten, wie das von Borussen erwartet wird". Es wäre - unabhängig vom Ergebnis - ein erster kleiner Schritt in die richtige Richtung. Und für Favre ein dringend benötigtes Erfolgserlebnis. Denn die kommenden Partien werden Aufschluss darüber geben, ob der Klub den Weg mit ihm wird weitergehen können - oder ob er reagieren muss, um die Saison zu retten.

Spiel auf Bewährung?

Ob er auf Bewährung spiele, wurde der Schweizer in Barcelona dann auch gefragt. Favre musste sich erst erklären lassen, was damit gemeint war. Dann schüttelte er den Kopf. "Wir freuen uns auf dieses Spiel." Marco Reus, der bereits am Freitag seinem Trainer zur Seite gestanden hatte, stützte die Erklärungen Favres. "Es ist ein sehr geiles Spiel in einer geilen Stadt bei einem geilen Verein - was will ein Fußballer mehr, als dieses Spiel zu spielen und auch zu gewinnen?", fragte er rhetorisch in den mit Pressevertretern gefüllten Raum. Die Antwort werden Reus und seine Mitspieler am Mittwochabend geben müssen.

Matthias Dersch

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