Wegen möglicher Manipulation von Daten aus dem Moskauer Analyselabor

Auch EURO 2020 betroffen? - WADA fordert harte Sanktionen gegen Russland

Stadion von St. Petersburg

Das WM-Stadion von St. Petersburg ist einer der Spielorte der EURO 2020. picture alliance

Am Montagabend forderte die unabhängige Prüfkommission der Internationalen Anti-Doping-Agentur (WADA) einen Komplettausschluss Russlands für vier Jahre. Das 26-seitige Papier des Compliance Review Committees (CRC) hat es in sich.

Die Kommission schlug genau vor, das russische Anti-Doping-Labor (RUSADA) erneut zu sperren. Zudem soll es Russland für vier Jahre verboten werden, an internationalen Sportevents teilzunehmen. Einzelne Athleten sollen aber nach vorhergehender Prüfung unter neutraler Flagge ein Startrecht erhalten. Die Nationalfahne Russlands soll dagegen bei internationalen Sportevents für vier Jahre nicht gehisst werden dürfen. Und Russland soll für vier Jahre nicht mehr Gastgeber von internationalen Sportveranstaltungen sein.

EM-Austragungsort St. Petersburg sowie Teilnahme Russlands betroffen?

Besonders letzterer Punkt könnte auch die Durchführung der EURO 2020 betreffen. Denn im WM-Stadion von St. Petersburg sollen im kommenden Jahr drei Spiele der Gruppe B sowie ein Viertelfinale ausgetragen werden. Auch hinter der Endrunden-Teilnahme der für die paneuropäischen Titelspiele qualifizierten russischen Nationalmannschaft steht ein Fragezeichen.

UEFA und FIFA warten erst Urteil ab

"Zum jetzigen Zeitpunkt möchte die UEFA das nicht kommentieren", ließ der Verband auf SID-Anfrage wissen. "Wir werden die abschließenden Überlegungen des WADA-Exekutivkomitees in dieser Angelegenheit abwarten, bis die FIFA eine mögliche wichtige Entscheidung trifft", teilte die FIFA dem SID mit. Der Verband stehe "diesbezüglich" in ständigem Kontakt mit der WADA.

Das Exekutivkomitee der WADA wird über die Sanktions-Empfehlungen am 9. Dezember entscheiden. Jonathan Taylor, der Vorsitzende der Prüfkommission CRC, hatte gegenüber der ARD allerdings bereits erklärt, er erwarte, dass das Exekutivkomitee die Vorschläge seines Gremiums "befürworten" werde.

Hintergrund der harten Sanktionsandrohungen ist die Affäre um möglicherweise manipulierte Daten aus dem Moskauer Analyselabor. Ende November 2017 hatte die WADA durch einen Whistleblower eine Kopie des Labor-Informations- und Management-Systems (LIMS) erhalten. Bei Vergleichen mit den Anfang 2019 übergebenen Originaldateien fielen die Unregelmäßigkeiten beiden Dopingproben auf. Die WADA leitete daraufhin Mitte September 2019 ein Verfahren gegen die RUSADA ein.

jer/sid/dpa