2. Bundesliga

Nicht nur der Schiri-Kontakt entscheidend: Warum Stenderas Treffer nicht zählte

Nicht gegebener Ausgleich im Spiel zwischen Hannover und Darmstadt

Nicht nur der Schiri-Kontakt entscheidend: Warum Stenderas Treffer nicht zählte

Martin Thomsen und Marc Stendera disktuieren

Hannovers Marc Stendera (re.) diskutiert mit Schiedsrichter Martin Thomsen, nachdem dieser seinen Treffer nicht anerkannte. imago images

Kurz Anlauf genommen und den Ball passgenau in den linken Winkel geschossen - es war ein Traumtor, das Stendera zum vermeintlichen Ausgleich für Hannover 96 im Heimspiel gegen Darmstadt 98 (1:2) erzielt hatte. Doch der emotionale Jubel des 23-Jährigen fand ein jähes Ende. Schiedsrichter Thomsen verweigerte dem Treffer die Anerkennung, weil der Ball zuvor von seinem Rücken vor Stenderas Füße geprallt war.

Nicht nur der verhinderte Torschütze konnte das nur schwer akzeptieren. Dabei traf Thomsen mithilfe des Videoassistenten die richtige Entscheidung - obwohl seine Ballberührung allein den Treffer nicht automatisch irregulär gemacht hatte. Ausschlaggebend war vielmehr der vorangegangene Flankenversuch von Genki Haraguchi - in doppelter Hinsicht. Die Hereingabe des Japaners wurde von Darmstadts Mathias Honsak zunächst abgefälscht, sprang deshalb erst an Thomsens Rücken und gelangte schließlich zu Stendera.

Regel 9 sieht gleich zwei Gründe vor, warum der Treffer nicht zählte

Die vor der Saison angepasste Regel 9 sieht in diesem Fall die Spielfortsetzung durch einen Schiedsrichterball vor, da der Ballbesitz von einem zum anderem Team übergeht. Doch nicht nur das. Entscheidend war auch, dass durch Thomsen eine neue, für die angreifende Mannschaft vielversprechende Situation entstanden ist. Beide Fälle sind im Regelwerk explizit hervorgehoben. Konkret heißt es: "Der Ball ist aus dem Spiel, wenn (...) er einen Spieloffiziellen berührt, aber auf dem Spielfeld bleibt und ein Team einen aussichtsreichen Angriff auslöst, (...) der Ballbesitz wechselt." Hätte Haraguchi also den Ball zu Stendera passen wollen und Thomsen das Spielgerät ohne weitere Berührung nur leicht abgefälscht, wäre das Spiel weitergelaufen und das Tor hätte gezählt.

Wieso zog Thomsen den Video-Beweis zu Rate?

Doch warum benötigte Thomsen erst den Video-Assistenten, um den Treffer nicht anzuerkennen? Der Unparteiische selbst äußerte sich nicht. Doch vermutlich spielte hierbei die Bewertung des "aussichtsreichen Angriffs" eine Rolle. Denn Stendera nahm den Ball in Thomsens Rücken nach dessen Kontakt auf - außerhalb des Sichtfelds des Referees - und schoss ihn Momente später ins Tor. Ein klares Bild des kompletten Ablaufs und der neuen Spielsituation konnte sich der Schiedsrichter selbst wohl erst am TV-Bildschirm verschaffen.

pau/tr