Champions League

Bayern als Belgrader Privileg - Marin über "kolossale Chancen"

Roter Stern Belgrad empfängt den FC Bayern

Bayern als Belgrader Privileg - Marin über "kolossale Chancen"

Marko Marin

Schätzt Bayerns Interimstrainer Hansi Flick sehr: Marko Marin. imago images

Seit dem Zerfall Jugoslawiens hat Roter Stern den Anschluss an die europäische Spitze verloren, allerdings gab es in den vergangenen Jahren durchaus einen Aufwärtstrend. So qualifizierte sich der serbische Meister zum zweiten Mal in Folge für die Champions League - und hat sogar noch die theoretische Chance auf die K.-o.-Phase.

Realistisch betrachtet ist Platz drei hinter Bayern und Tottenham für Belgrad ein erreichbares Ziel, zumal man das Heimspiel gegen den aktuellen Gruppenletzten Piräus 3:1 gewonnen hat. Der Vorsprung auf die Griechen beträgt zwei Punkte - und im Falle eines Sieges gegen die Bayern sowie einer gleichzeitigen Niederlage von Olympiakos in London wäre Roter Stern auf jeden Fall Dritter und würde folglich im Frühjahr in der Europa League starten.

FC Bayern als Belgrader Privileg

Von daher käme es den Serben sehr gelegen, wenn sie gegen die Bayern, die bereits weiter sind, etwas reißen würden. Gegen "eine der besten Mannschaften der Welt" wird das aber gewiss nicht leicht, weiß auch Trainer Vladan Milojevic. "Uns bedeutet das sehr viel - und wir werden unser Bestes geben, um ein gutes Spiel zu machen", versprach der 49-Jährige. "Es ist ein Privileg, solche Mannschaften nach Belgrad zu holen."

"Du musst auf Spielelemente Antworten finden, auf die wir im Moment objektiv keine Antworten haben."

Vladan Milojevic

Das Hinspiel war eine klare Sache, die Bayern gewannen ein recht einseitiges Spiel mit 3:0, wenngleich Roter Stern defensiv durchaus seine Momente hatte. Vorne fehlte es den Serben jedoch an Ideen. Für Milojevic keine Überraschung, immerhin sei die Champions League keine Bühne, "auf der man Alleinunterhalter ist. Du spielst nur so gut, wie es der Gegner zulässt - und man trifft nur auf Top-Mannschaften. Du musst dort auf Spielelemente Antworten finden, auf die wir im Moment objektiv keine Antworten haben."

Das Tempo-Problem

Was der Coach damit meint? Fehlendes Tempo wäre so ein Element. Sowohl in München als auch bei den klaren Niederlagen gegen Tottenham Hotspur (0:5, 0:4) wurde recht deutlich, dass der serbische Rekordmeister nicht die Geschwindigkeit auf den Platz bringt, die nötig gewesen wäre, um wirklich mithalten zu können. Der Geschwindigkeitsnachteil dürfte auch am Dienstag nicht verschwinden, ergo wird Roter Stern andere Qualitäten in die Waagschale werfen müssen.

"Talent allein reicht nicht aus, es braucht auch sehr viel Laufarbeit."

Ljubomir Petrovic

Klub-Legende Ljubomir Petrovic, der als Trainer 1991 mit Roter Stern den Europapokal der Landesmeister gewann und dem Klub so den größten Erfolg der Vereinsgeschichte bescherte, verrät, was es braucht: "Wenn man deutsche Mannschaften besiegen will, dann muss man so denken und spielen wie sie. Talent allein reicht nicht aus, es braucht auch sehr viel Laufarbeit."

Fans als Trumpf

Milos Degenek

Für ihn zählt der FC Bayern zu den drei besten Teams in Europa: Milos Degenek. imago images

Neben Einsatz und Willen haben die Belgrader aber noch einen weiteren Trumpf in der Hinterhand - ihre Fans, die das Stadion "Rajko Mitic" zu einem Hexenkessel machen können. "Unsere Fans haben schon öfter Spiele entscheidend beeinflusst", betonte der aktuelle Coach Milojevic: "Sie verleihen uns Flügel und machen Kräfte frei, sodass die Spieler manchmal sogar mehr geben als sie überhaupt können."

Degenek gibt sich optimistisch

Abwehrmann Milos Degenek, einst beim TSV 1860 München aktiv, geht übrigens davon aus, dass es diesmal ein anderes Spiel wird als das in München - und verriet auch warum: "Wir sind als Mannschaft inzwischen besser als damals." Dennoch weist der 25-Jährige, der in der Jugend beim VfB Stuttgart gemeinsam mit Joshua Kimmich gekickt hat, die Favoritenrolle weit von sich. "Neben Liverpool und Manchester City ist Bayern die beste Mannschaft in Europa."

Pavkov fällt aus, Jovancic fraglich, Marin kämpferisch

Personell muss Roter Stern auf den verletzten Sturmtank Milan Pavkov verzichten, während hinter dem angeschlagenen Dusan Jovancic ein Fragzeichen steht. Der Rest der Spieler steht bereit, auch Marko Marin, der via Vereinswebsite eine offensive Ausrichtung ankündigte: "Wir werden auf Sieg spielen und nicht kalkulieren, denn ein Punkt bringt uns nichts. Wir wissen, dass wir zu Hause besser sind als auswärts - und das würden wir gerne ausnutzen."

"Unsere einzige Chance ist, dass wir diesmal solch kolossale Gelegenheiten nicht auslassen."

Marko Marin

Dass die Bayern schon für die nächste Runde qualifiziert sind, macht Marin zufolge nichts aus. "Die deutsche Mentalität ist so, man spielt nie nur mit 50 oder 70 Prozent", sagte der 30-Jährige und lobte zudem Bayerns Interimstrainer Hansi Flick. "Ich kenne ihn beruflich und privat sehr gut. Er ist ein sehr guter Trainer und wird auch in Belgrad auf Sieg spielen lassen."

Marin blickte auch noch auf das 0:4 im Heimspiel gegen die Spurs zurück, als Roter Stern anfangs noch gut mithielt und sogar eigene Chancen hatte, diese aber nicht nutzte. Dies dürfte sich gegen Bayern nicht wiederholen. "Unsere einzige Chance ist, dass wir diesmal solch kolossale Gelegenheiten nicht auslassen." Stellt sich nur die Frage, ob die Belgrader überhaupt zu kolossalen Chancen kommen werden.

drm

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