Erschwerte Bedingungen für Pochettinos Nachfolger

Mourinho adelt Spurs-Kader - weil er muss?

José Mourinho, hier 2018 als Manchester-United-Trainer bei einem Spiel gegen Tottenham

Alles super? José Mourinho, hier 2018 als Manchester-United-Trainer bei einem Spiel gegen Tottenham. imago images

Das soll also der Mann sein, der "Leben, Seele und Freude" aus der Mannschaft "saugen" und "alles zerstören" würde, was Mauricio Pochettino aufgebaut hat? So stand es in einem Kommentar der "Daily Mail", nachdem bekannt worden war, dass José Mourinho die Tottenham Hotspur übernimmt.

Doch in Wahrheit lächelte ebenjener José Mourinho am Mittwoch erst einmal ganz freundlich in die Kameras und sprach so, als würde er alle Vorurteile gegen seine Arbeit auf einmal widerlegen wollen. "Ich freue mich auf die jungen Spieler - jeder Trainer setzt gerne auf junge Spieler und entwickelt sie", sagte der Trainer, dem kein besonders gutes Händchen bei der Entwicklung von Talenten nachgesagt wird. "Ich mag diesen Kader wirklich", sagte der Teammanager, der bislang noch jede Mannschaft nach seinen Wünschen für viele Millionen umgebaut hat.

Was er über Tottenhams Kader sagt, lässt sich als Spitze gegen ManUnited interpretieren

Das Stadion? "Es wäre zu bescheiden, es 'wunderschön' zu nennen, es ist das beste der Welt." Die Trainingsplätze? "Unübertroffen, und ich habe die meisten Top-Plätze schon gesehen." Und die Mannschaft erst! "Es ist ein Privileg für einen Trainer, wenn er mit dem zur Verfügung stehenden Kader zufrieden sein kann. Das passiert nicht oft. Um ehrlich zu sein, kommen wir meistens zu Klubs und denken sofort darüber nach, was wir ändern wollen. Das ist hier komplett anders."

Ja, ist José Mourinho, einer der größten Nörgler 2018, bei den Spurs etwa rundum zufrieden?

Auf Wintertransfers darf Mourinho offenbar nicht hoffen

Vermutet wird, dass "The Special One" auch deswegen auf diese Weise seine neue Mannschaft adelte, weil er so eine erste versteckte Spitze Richtung Rekordmeister Manchester United loswerden konnte, der ihm einen wenig homogenen Kader überlassen und im Dezember 2018 den Laufpass gegeben hatte. Aber womöglich schwärmte er auch einfach, weil er es muss.

kicker.tv Hintergrund

"Gewinner-Typ" oder "Ego-Mann"? Spurs-Fans und der Streitfall Mourinho

alle Videos in der Übersicht

In seriösen englischen Medien heißt es nämlich, dass Spurs-Chef Daniel Levy Mourinho bereits davon unterrichtet habe, dass für die Wintertransferphase kein Geld zur Verfügung steht. Er muss also auf absehbare Zeit mit dem arbeiten, was er hat - und dazu gehören mit Christian Eriksen, Toby Alderweireld und anderen auch Spieler, die schon im Sommer gerne gegangen wären und Pochettino so die Arbeit erschwerten. Einen Kader, mit dem man vollauf "happy" sein kann, hat Tottenham jedenfalls kaum.

Mourinho verdient angeblich fast doppelt so viel wie Pochettino

Trotzdem hat Mourinho einen klaren Auftrag: Angesichts der Stadionkosten soll er die fünfte Champions-League-Teilnahme in Serie sicherstellen, auch wenn schon elf Punkte und zehn Plätze zwischen Tottenham und dem Tabellenvierten Manchester City liegen. Es sind erschwerte Bedingungen für den Portugiesen, der ungewohnt vorsichtig "eine andere Position" in der Abschlusstabelle versprach.

Dass die Spurs erst einmal kein Geld für den (nötigen) Kader-Umbau lockermachen, hat mutmaßlich auch mit Mourinho selbst zu tun: Er soll bis 2023 inklusive Boni rund 17 Millionen Euro pro Jahr verdienen; mehr als Jürgen Klopp, Zinedine Zidane oder sein Kapitän Harry Kane - und fast doppelt so viel wie Vorgänger Pochettino, dem Tottenham außerdem noch eine satte Abfindung bezahlen muss.

jpe

José Mourinho: 20 seiner besten Sprüche