Polen sagt dem langjährigen Nationalspieler "auf Wiedersehen"

Do widzenia! Piszczeks emotionaler Abschied

Sichtlich gerührt: Lukasz Piszczek.

Sichtlich gerührt: Lukasz Piszczek. imago images

Für Unwissende ereignete sich in der Nachspielzeit der ersten Hälfte eine ungewöhnliche Szene: Obwohl der deutsche Schiedsrichter Daniel Siebert vier Minuten Nachspielzeit angezeigt hatte, schnappte sich Polens Keeper Wojciech Szczesny knapp zwei Minuten vor Ablauf der Extrazeit den Ball und warf ihn ins Toraus.

Offizielle, Fans, Mitspieler und Gegenspieler gratulieren

Alle 22 Spieler machten sich umgehend auf den Weg in Richtung Auswechselbänke. 21 im zügigen Schritt, einer ganz langsam. Während die Mit- und Gegenspieler an der Seitenlinie ein Spalier bildeten, trottete ein sichtlich gerührter Piszczek den weiten Weg von seiner Rechtsverteidiger-Position in Richtung Anzeigetafel des vierten Offiziellen, der seine Trikotnummer 20 in die Höhe streckte. Piszczek atmete tief durch, schlug sich mehrfach auf den weißen Adler, der das Logo auf seiner linken Brust ziert und klatschte in die Runde des mit 53.946 fast komplett gefüllten Nationalstadions in Warschau, das ihn frenetisch mit Standing Ovations und Plakaten feierte.

Es sind die letzten Sekunden einer über zwölf Jahre währenden Karriere in der Nationalmannschaft. 66-mal lief der gelernte Offensivspieler für die Bialo-Czerwoni (Weiß-Roten) auf. Anfangs noch als Mittelfeldspieler aufgeboten, später als Stammkraft hinten rechts. Passend dazu überreichte ihm Zbigniew Boniek, Präsident des polnischen Fußballverbands, vor Anpfiff ein Trikot mit der Nummer 66. Ihm, der eigentlich schon im August 2018 seine Karriere im Nationaldress für beendet erklärt hatte. "Mein Abenteuer mit der Nationalmannschaft ist vorbei", hatte "Piszczu" damals erklärt.

Auf der Beliebtheitsskala vorne mit dabei

Doch nun hat es doch noch ein letztes Kapitel mit würdigem Abgang geschenkt bekommen. Eines, das länger dauerte als eigentlich geplant. Ursprünglich hatte Polens Auswahltrainer Jerzy Brzeczek geplant, seinen Routinier nach einer halben Stunde auszuwechseln. Doch weil Kamil Glik bereits nach sieben Minuten verletzt vom Feld musste, sollte Piszczek wenigstens bis zur Pause weiterspielen, damit nicht zwei Wechsel früh vollzogen werden mussten - es ging für die bereits qualifizierten Polen ja immerhin um Punkte in einem Pflichtspiel.

Die gesamte Bank erhob sich und herzte den Fan-Liebling, der auch beim BVB ein ähnliches Standing auf der Beliebtheitsskala hat. Dort spielt Piszczek seit 2010 und kommt nach wie vor regelmäßig zum Einsatz. In dieser Spielzeit stand der Pole, der schon mehrfach als Dortmunder Kapitän auflief, insgesamt 13-mal auf dem Platz (Bundesliga-Notenschnitt 3,67).

Dieser Abend war etwas Besonderes. Die Zeit mit Polen war wundervoll, ich werde diese Momente nie vergessen. Ich habe meine Träume wahr werden lassen.

Lukasz Piszczek

Piszczek selbst äußerte sich am Abend zu seinem Abschied. "Die Emotionen sind immer noch nicht abgeklungen", so der 34-Jährige via Instagram. "Dieser Abend war etwas Besonderes. Die Zeit mit Polen war wundervoll, ich werde diese Momente nie vergessen. Ich habe meine Träume wahr werden lassen."

Strahlemann: Lukasz Piszczek erntet Applaus von Zbigniew Boniek, dem Präsidenten des polnischen Fußballverbandes.

Strahlemann: Lukasz Piszczek erntet Applaus von Zbigniew Boniek, dem Präsidenten des polnischen Fußballverbandes. imago images

Auch viele ehemalige und aktuelle Wegbegleiter nahmen Abschied vom Außenverteidiger. Etwa Jakub "Kuba" Blaszczykowski oder Sebastian Kehl. Aber auch Robert Lewandowski, dem Kapitän der polnischen Auswahl. Im Gespräch mit der polnischen Zeitung "Fakt" schwärmte das polnische Aushängeschild: "Mein erstes Tor schoss ich gegen San Marino und wer springt mir um den Hals? Lukasz. Er hat nie nach Problemen gesucht und die Latte sehr hoch gelegt für seine Nachfolger."

Warme Worte bekam Piszczek auch vom polnischen Ministerpräsident Mateusz Morawiecki, der ihn am Mittwochmorgen in seinem Büro empfing: "Piszczu, vielen Dank für 66 Spiele in der Nationalmannschaft. Wir sind durch den Fußball verbunden durch all die Jahre mit dem Adler auf der Brust und Millionen von Lächeln, die Sie mit Ihrem fantastischen Spiel auf die Gesichter der polnischen Fans gezaubert haben."

Endet auch die Vereinskarriere im Sommer?

Ob Piszczek, wie von ihm bereits im März 2018 angekündigt, auch seine Vereinskarriere im kommenden Sommer beenden wird, ist noch offen. Im Interview mit der Sporttageszeitung "Przeglad Sportowy" hielt er sich nämlich ein Hintertürchen offen.

mxb