Neuer und Gnabry überzeugen - Problemzone Innenverteidigung

Gelungene Qualifikation - mehr aber nicht

Leon Goretzka

Doppelpack beim halben Dutzend gegen Nordirland: Leon Goretzka. imago images

Ein Kommentar von kicker-Chefreporter Karlheinz Wild

Die Qualifikation für das paneuropäische Endturnier 2020 ist damit ziemlich souverän geschafft, was bei diesen nicht sonderlich gewichtigen Herausforderern nichts Besonderes ist, wie Toni Kroos in seiner sachlichen Art richtig sagte. Die Abrechnung über die wahre Klasse dieser neuformierten DFB-Auswahl erfolgt erst bei der EM im kommenden Jahr.

Joachim Löw wollte in dieser Abschlusspartie noch einmal einige Spieler testen. Jonas Hector brachte sich als linker Offensivverteidiger in gute Erinnerung, Nico Schulz und Marcel Halstenberg müssen sich dieses Konkurrenten erwehren. Für Leon Goretzka sollte sich in dieser Elf ein Platz finden, ob es die - wenn auch flexibel interpretierte - rechte Angriffsseite ist, hängt unter anderem vom Genesungsprozess bei Leroy Sané und der Form Timo Werners ab.

Brandt überzeugt wieder nicht - Problemzone Innenverteidigung

kicker-Chefreporter Karlheinz Wild

kicker-Chefreporter Karlheinz Wild

Julian Brandt glückte zwar abschließend ein schöner Treffer, überzeugen konnte der umtriebige, wenigstens nicht so fehlerhafte Dortmunder auch dieses Mal nicht. Genauso muss sich Ilkay Gündogan, erneut eine Art Zehner, bei seinem spielerischen Können wirkungsvoller einbringen. Toni Kroos ist der absolute Chef, an dem sich die Mitspieler orientieren; Joshua Kimmich assistiert ihm als eifriger und spielstarker zweiter Sechser.

Mit Manuel Neuer dahinter im Tor sowie dem ungemein torgefährlichen und abschlussstarken Serge Gnabry (8 Treffer in dieser Qualifikationsrunde) davor steht eine Achse, die noch um die ideale Innenverteidigung ergänzt werden muss. Da mit dem vorgesehenen Abwehrchef Niklas Süle nach dessen Kreuzbandriss bei der EM nicht zu rechnen ist, bleibt diese zentrale Zone der problematische Bereich. Werden der Mönchengladbacher Matthias Ginter und der zuletzt verletzte Antonio Rüdiger das Duo, das mittig den Laden dicht hält, wenn es gegen die Großen des Kontinents geht?

Der Bundestrainer sieht die Seinen noch nicht im Kreis der europäischen Elite, dort ordnet er Frankreich, England, Spanien oder Italien ein. Aber der Abstand könne ja aufgeholt werden, merkte Löw an. Sein Sortiment an Spielern wird sich noch erheblich erweitern, sollten sich die lädierten Sané, Kai Havertz, Julian Draxler, Marco Reus, Thilo Kehrer, Rüdiger und Halstenberg in Bestform bis zum Turnierstart einfinden.

Die Mannschaft ist willig und lernbereit

Joachim Löw

Neustart geglückt: Joachim Löw. imago images

Und willig ist diese verjüngte Mannschaft, in ihrer Lernbereitschaft wie in der Umsetzung auf dem Platz. Die bei diesem November-Treffen eingeübten Laufwege in die Tiefe wurden auffällig oft gesucht, Möglichkeiten zu vereintem Pressing gegen diese fahrigen Nordiren eher selten genutzt.

"Die Quali ist erst der Anfang für eine goldene Zeit - Euro 2020 London calling" stand in Großbuchstaben auf einem golden unterlegten Transparent, das der Fanklub Nationalmannschaft hinter einem Tor im Frankfurter Stadion arg ambitioniert und ziemlich optimistisch platziert hatte. In London findet das EM-Finale statt.

Damit dieses Endspiel erreicht wird und wieder ein neues goldenes Zeitalter wie in den 2010er Jahren anbricht, muss sich noch Einiges verbessern. Weißrussland, Estland, auch Nordirland sind nicht der Maßstab. Aber der Neustart nach der verpatzten WM 2018 ist mit dieser Qualifikation im großen und ganzen gelungen. Mehr ist noch nicht passiert.

Bilder zur Partie Deutschland - Nordirland