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Pochettinos Aus ist irgendwie tragisch

Ein Kommentar zur Entlassung des Argentiniers

Pochettinos Aus ist irgendwie tragisch

Mauricio Pochettino und Niko Kovac.

Zwei Trainer, die nicht mehr im Amt sind: Spurs-Coach Mauricio Pochettino (li.) und Ex-Bayern-Trainer Niko Kovac. imago images

Wer das im Juni hat kommen sehen, der hätte 2016 vielleicht auch auf eine Meisterschaft von Leicester City gesetzt. Dass Mauricio Pochettino nur wenige Monate, nachdem er Tottenham ins Champions-League-Finale gegen Liverpool geführt hat, plötzlich seinen Job los ist... Ja gut, das ist Fußball, aber dann doch irgendwie traurig.

Es war einmal eine Lachnummer in Londons Norden

Der Mann, der die Spurs von einer Lachnummer zur Nummer eins in Nordlondon formte; der sie in fünfeinhalb Jahren immer näher an einen Titel brachte; der den Verein komplett auf links krempelte; der es normal wirken ließ, alle Erwartungen zu übertreffen. Und jetzt, wo auch das Drumherum endlich so weit ist, es nach ganz oben zu schaffen, da war es seine Mannschaft nicht mehr.

Weil dieses so schöne, aber auch so komplizierte Stadion fertig werden musste, hatte Pochettino anderthalb Jahre auf einen Neuzugang verzichtet. Immer mal wieder sagte er auch öffentlich in Richtung Klubboss Daniel Levy, dass es so nicht zu einem Titel reichen wird, immer wieder aber gab er nach. Der Klub stand an erster Stelle.

Jetzt steht das Stadion, jetzt sind alle drei teuren Neuzugänge, die ersten seit Januar 2018, endlich gesund - und jetzt ist Pochettino weg. Die Entlassung ist angesichts der sportlichen Talfahrt in dieser Saison keine große Überraschung mehr, zu weit waren die Champions-League-Plätze in die Ferne gerückt; zu harm- und körper-, ja fast schon lustlos wirkte sein Team nicht erst seit dem verlorenen Finale gegen Liverpool. Aus den letzten 25 Spielen holte Tottenham 24 Punkte.

Zusammenhalt - der einstige Erfolgsgarant fehlte plötzlich

Diese Mannschaft war kein Team mehr, der Zusammenhalt als Erfolgsgarant verschwunden. Weil ein paar Spieler scheinbar zu gut wurden und dann weg wollten (Christian Eriksen) oder einfach nur weg wollten (Jan Vertonghen, Danny Rose), fing das Fundament an zu bröckeln.

Pochettino und Tottenham, das war immer eine besondere Beziehung. Die Wir-gegen-die-Großen-Liebesgeschichte ohne Happy End, weil Tottenham plötzlich auch groß wurde. Tottenham ohne Pochettino, das ist... irgendwie tragisch.

Pochettinos Zeit bei den Spurs begann 2014 übrigens mit einem Auswärtssieg bei West Ham. Ist doch klar, wo Tottenham am Samstag spielt.

Mario Krischel

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