Schweizer Nati macht Gruppensieg gegen Gibraltar klar

Petkovic trotz EM-Quali: "Ich bin jetzt leer, mein Kopf ist leer"

Vladimir Petkovic

Glücklich, aber mitgenommen: Nati-Coach Vladimir Petkovic. imago images

"Wir haben uns in der ersten Hälfte ein bisschen schwergetan", gab Loris Benito im Anschluss an die Partie ganz offen zu. Nach dem Seitenwechsel - zur Pause lag die Schweiz durch den zweiten Länderspieltreffer von Youngster Cedric Itter mit 1:0 in Front - brachen jedoch "alle Dämme". Peu à peu "sind die Automatismen zum Tragen gekommen, vor allem bei uns Neuen vorne, die noch nicht wirklich zusammengespielt haben". Die Folge: Benito, seit Sommer 2019 bei Girondins Bordeaux unter Vertrag, markierte mit dem zwischenzeitlichen 4:1 sein erstes Länderspieltor im fünften Einsatz.

Benito: Gruppensieg verdientermaßen eingefahren

Nach einem halben Dutzend Schweizer Treffer und dem parallel stattfindenden Duell zwischen Irland und Dänemark (1:1) stand fest, dass die Eidgenossen auch den Gruppensieg innehaben. Nicht nur, dass diese Tatsache "sehr wichtig" sei, laut Benito sei die Schweiz "in dieser Gruppe verdient Erster geworden". Während die Spieler in der Mixed Zone bereits mit dem ein oder anderen Bier in der Hand herumliefen ("So eine Qualifikation passiert ja nicht jeden Tag, das werden wir gebührend feiern"), war dem Cheftrainer nicht so ganz nach Party zumute.

So eine Qualifikation passiert ja nicht jeden Tag, das werden wir gebührend feiern.

Loris Benito

"Ich gratuliere der Mannschaft und bin sehr stolz", ließ Petkovic zwar verlauten, seine Gedanken waren aber eher bei den Störfeuern, die seine Mannschaft und vor allem er in den vergangenen Monaten ertragen mussten: "In Momenten, in denen alle versucht haben, Unruhe in die Mannschaft zu bringen, haben wir Stärke gezeigt", so der Trainer, der in der Alpenrepublik alles andere als unumstritten ist. "Kommunikatives Desaster" (Blick), "Zeit für Veränderungen. Sie müssen bei Petkovic beginnen" (NZZ), "Petkovic mag auf dem Trainingsplatz stark sein, daneben ist er es nicht" (Tagesanzeiger) sind nur einige wenige Schlagzeilen von Zeitungen, die mit dem Nati-Coach hart ins Gericht gehen.

Wie lange noch mit Petkovic?

Dementsprechend fühlte er sich mental erschöpft: "Ich bin jetzt leer, mein Kopf ist leer", so der Coach, der seit Sommer 2014 für die Nati verantwortlich ist. "Ich mache mir keine großen Gedanken", ob einer Erfüllung, einer Verlängerung oder eines vorzeitigen Endes seines nach der EM auslaufenden Arbeitspapieres. Vielmehr gehe der Blick zunächst nach Bukarest, wo am 30. November die vorläufigen Gruppen für die Kontinentalmeisterschaft 2020 ausgelost werden. "Ich werde mit neutralen Gefühlen als Beobachter hinfahren", so Petkovic. "Alle diese Gegner sind sehr stark." Umso wichtiger sei es, "dass wir Dank des Gruppensieges in Topf zwei sind".

Während Nationalspieler wie beispielsweise Xherdan Shaqiri oder auch Augsburgs Stephan Lichtsteiner nicht so gut auf ihren derzeitigen Trainer zu sprechen sind, brach Xhaka, der gegen Gibraltar als Kapitän auflief, eine Lanze für seinen Coach: "Er stellt uns immer super ein, er hat eine super Mentalität, die auch auf uns überschwappt. Wir sind jedes Spiel glücklicher mit ihm. Wir hoffen auf eine zukünftige Zusammenarbeit."

kög