Bundesliga

Kölner Trainersuche: Prinzip Hoffnung oder einfach blanke Panik

FC schwenkt auf Gegenentwurf Gisdol über

Kölner Trainersuche: Prinzip Hoffnung oder einfach blanke Panik

Passt Markus Gisdols Spielidee zum Kader und der Situation des 1. FC Köln? imago images

Eines vorweg: Es geht hier nicht um die Qualität des Trainers Markus Gisdol, der ja für sich verbuchen darf, Hoffenheim (2013) und den HSV (2017) jeweils aus einer gelinde gesagt sehr ungünstigen Situation zum Klassenerhalt geführt zu haben. Jetzt soll er offenbar dasselbe aus weitaus weniger aussichtsloser Position mit dem 1. FC Köln vollbringen.

Absagen von Labbadia und Dardai

Beim Aufsteiger ist Gisdol die dritte Wahl. Bruno Labbadia (zuletzt Wolfsburg) hatte den FC-Verantwortlichen direkt nach der Trennung von Achim Beierlorzer erklärt, nicht für Gespräche zur Verfügung zu stehen. Pal Dardai (noch unter Vertrag bei Hertha BSC, aber im Sabbatjahr) waren nach intensiven Gesprächen die Aussichten, in Köln erfolgreich arbeiten zu können, offenbar nicht gut genug, um seine Wahlheimat Berlin zu verlassen.

Dass jetzt die Wahl auf Gisdol fällt (der kicker hatte bereits am Donnerstag über Gespräche zwischen dem Trainer und dem FC berichtet), ist für Fachleute überraschend. Zum einen, weil sich der FC mit Labbadia und Dardai zuvor zwei Kandidaten herausgepickt hatte, die für einen ganz anderen Fußball stehen. Für defensive Stabilität, für Sicherheit, die für eine Mannschaft, die im Abstiegskampf steckt, eine gute Basis darstellt.

Gisdol aber ist mit seinem Ansatz des wilden Gegenpressings der Hoffenheimer Schule als der totale Gegenentwurf zu Labbadia und Dardai einzuordnen. So dass man die Frage stellen darf, nein muss, ob der FC bei der Trainersuche überhaupt eine klare Vorstellung hat, der er konsequent folgt. Oder ob der Klub jetzt zu irgendeiner Lösung greift, um eben einfach eine zu haben.

Gisdol setzt viel extremer als Beierlorzer auf Gegenpressing

Zum anderen muss man sich die Frage stellen, wie weit der Ansatz Gisdols, der ja einen neuen Impuls setzen soll, von der Spielidee weg ist, die Achim Beierlorzer in dieser Saison beim FC - ohne Erfolg - umzusetzen versuchte. Der FC spielte nie mit der Bedingungslosigkeit im Gegenpressing, wie es Beierlorzers Ex-Kub Jahn Regensburg tat. Es liegt nahe, dass diese extrem aufwendige Spielweise, die den FC oft im Laufe der zweiten Hälfte der Partien wie gegen Dortmund (1:3) und Hoffenheim (1:2) frühzeitig an die physischen Grenzen trieb, nicht unbedingt die passende zu sein scheint für diesen Kader.

Einen Kader, in dem noch viel von Peter Stögers auf einer stabilen Defensivarbeit basierenden Ansatz steckt und auch der Ballbesitzfußball von Beierlorzers Vorgänger Markus Anfang. Beierlorzer, von der Leipziger Trainer-Schule geprägt, dürfte nämlich nicht als einer der schlechtesten Fußballlehrer in die FC-Geschichte eingehen, sondern als einer der Trainer, die am schlechtesten mit ihrer Spielidee zum vorhandenen Kader passten. Nur: Gisdol, der übrigens mit dem heutigen Kölner Mittelstürmer Anthony Modeste in Hoffenheim über Kreuz lag, setzt noch viel extremer als Beierlorzer auf die Karte Gegenpressing.

Das pure Prinzip Hoffnung - oder einfach die blanke Panik

Beierlorzer wurde nach der Trennung quasi nichts vorgeworfen. Nicht menschlich, nicht fachlich. Nur der ausbleibende Erfolg wurde angeführt. Doch welche Besserung erwartet sich der FC, der er sich mit der Ansage, bis zum Montag einen Trainer präsentieren zu wollen, unnötigerweise selbst unter massiven Druck gesetzt hatte, dann durch Gisdol? Dieser kann nur durch ein schnelles Erfolgserlebnis etwas besser machen als sein Vorgänger. Es ist das pure Prinzip Hoffnung, das beim FC regiert. Oder einfach die blanke Panik.

Stephan von Nocks

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