'Neo' über WC3 und Reforged

"Einfach zeitlos" - zurück zu WarCraft 3?

Gleiches Prinzip, neuer Look: Schafft es der einstige eSport-Riese zurück ins Bewusstsein der eSport-Fans?

Gleiches Prinzip, neuer Look: Schafft es der einstige eSport-Riese zurück ins Bewusstsein der eSport-Fans? Blizzard

Mit ein wenig Glück kann man noch heute in Foren Anekdoten von atemberaubenden Partien und legendären Spielern lesen. Erzählungen aus einer Zeit, als WarCraft III aus dem eSport nicht wegzudenken war und die Leidenschaft eine Vielzahl an Spielern weckte. Diese Leidenschaft ist bei Tjarks nie erloschen. "Die Grafik und das Spielprinzip sind einfach zeitlos. Nach WC3 hat es nie wieder ein Titel geschafft, den RTS-Faktor mit Rollenspielelementen zu vereinigen", begründet er seine Treue und gerät ins Schwärmen: "Dadurch ergeben sich Spiele, die durch eine überragend ausgeführte Helden-Kombination gedreht werden können. Genauso können starke Helden aber auch durch Masse und Timings ausgekontert werden. Manchmal spielt auch das Glück (RNG) mit, sodass keine Partie gleich ist."

Aufbruchsstimmung durch Reforged

Tjarks und dessen Kommentatorenpartner Remo 'remodemo' Rimmel möchten mehr Menschen an ihrer Leidenschaft teilhaben lassen. Unter dem Projekt Back2Warcraft kommentieren sie WC3-Partien auf englischer Sprache. "Wir versuchen seit circa elf Jahren, den Turnieren die Plattformen zu geben, die sie verdienen", sagt er. "Wir haben einfach Spaß daran, Orcs und Elfen anzuschreien, und anscheinend überträgt sich die Emotionalität auch auf den Zuschauer zu Hause."

Dass WarCraft 3 zurück in das Bewusstsein der eSport-Fans rückt, liegt mitunter auch an Reforged, der modernisierten Version, die schon bald erscheint. Die Meinung des Experten? "Reforged spielt sich exakt wie das klassische Frozen Throne", lobt er und spart gleichzeitig nicht mit Kritik: "Es fällt schwer, einzelne Einheiten zu unterscheiden, da die Silouetten nicht so stark ausgeprägt sind wie beim Original. Auch die Farbpalette könnte viel bunter sein, momentan dominieren dort eher Grau und Braun."

Sehnsucht nach großer Bühne

Das WC3-verrückte Duo bleibt trotz Hoffnung auf bessere Spieler- und Zuschauerzahlen realistisch: "Vordergründig war das Ziel, das Spiel nicht sterben zu lassen und es dem Zuschauer angenehmer zu machen, die Matches zu verfolgen." So versuche man etwa nicht mit aller Macht, die Vormachtstellung von StarCraft II, dem RTS-Geschwisterchen, anzufechten. "Das ist ohne Hilfe von direkt involvierten Publishern unmöglich, da wir das ganze Projekt weiterhin als Nebenjob betreiben und nicht ohne Weiteres siebenstellige Summen für Preisgelder und Produktion stemmen können."

Remo 'remodemo' Rimmel (li.) und Jannes 'Neo' Tjarks brennen für WarCraft 3.

Remo 'remodemo' Rimmel (li.) und Jannes 'Neo' Tjarks brennen für WarCraft 3. Back2Warcraft

Auch 16 Jahre nach Release vom Add-on Frozen Throne existiert eine intakte Szene. "Zurzeit sind alle Szenen sehr gesund, vorrangig natürlich China, wo das Spiel mit Abstand am meisten zelebriert wird", erklärt Tjarks und verweist auf die anstehende Weltmeisterschaft am 21. November mit 70.000 US Dollar hohen Preisgeld. Im Westen habe es dieses Jahr drei Offline-Turniere gegeben und wöchentlich treten Spieler in Online-Wettbewerben an. "Der Hype schwappt sogar wieder ein wenig auf den amerikanischen Kontinent über, so etwas hat es eventuell ein Jahrzehnt nicht gegeben." 'Neo' und 'Remo' seien sich bewusst, dass WC3 zurzeit nur einen kleinen Teil des eSports darstellt. "Dass wir plötzlich mit LoL oder CS:GO konkurrieren, ist völlig utopisch." Einen Wunsch hegt der passionierte Kommentator allerdings doch: "Mein Ziel und Traum wäre ein Turnierfinale auf der BlizzCon 2020."

las