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Der unterschätzte Ginter: "Ich bin das mittlerweile gewohnt"

Gladbacher auf dem Weg zum Abwehrchef beim DFB

Der unterschätzte Ginter: "Ich bin das mittlerweile gewohnt"

Matthias Ginter

Wächst immer mehr in die Rolle des Abwehrchefs bei der Nationalmannschaft hinein: Matthias Ginter. imago images

"Bisher gab es noch keinen Spruch", lässt Ginter auf der Pressekonferenz des DFB vor dem vorletzten EM-Qualifikationsspiel am Samstag gegen Weißrussland (20.45 Uhr, LIVE! bei kicker.de) verlauten. Und meint damit, dass er als Abwehrchef des aktuellen Tabellenführers Borussia Mönchengladbach zur DFB-Elf anreiste. Nach kurzer Überlegung schiebt er allerdings nach, dass ihn Timo Werner dann doch lobte für eine gelungene Abwehraktion. "Da sieht man, dass ihr oben steht", rief der Leipziger Stürmer über den Trainingsplatz Richtung Ginter.

Es hat sich etwas getan in der Wahrnehmung von Ginter. Der Abwehrspieler gibt offen zu, dass er fast auf all seinen Stationen unterschätzt wurde. "Ich bin das tatsächlich mittlerweile gewohnt. In Freiburg glaubte keiner, dass ich Bundesligaspieler werde. Als ich zu Dortmund wechselte, glaubten viele, dass der Schritt zu früh kam. Und auch bei Mönchengladbach wurde ich nicht in der Rolle gesehen, die ich im Defensivblock tatsächlich einnehme", so der mittlerweile 207-malige Bundesligaspieler (70 Partien für Freiburg, 67 für den BVB, 70 für Gladbach).

In Freiburg glaubte keiner, dass ich Bundesligaspieler werde. Als ich zu Dortmund wechselte, glaubten viele, dass der Schritt zu früh kam.

Matthias Ginter

Nach dem verletzungsbedingten Aus von Niklas Süle (Kreuzbandriss), der von den Verantwortlichen des DFB als der gesetzte Führungsspieler in der Defensive der Nationalmannschaft betrachtet wurde, rückt Ginter fast logisch in diese Rolle. Antonio Rüdiger vom FC Chelsea erlitt nach seiner Leistenverletzung einen weiteren Rückschlag und musste erneut unters Messer - sein Comeback in der DFB-Auswahl steigt erst im neuen Jahr.

Die weiteren Kandidaten für die Abwehrzentrale heißen Jonathan Tah, der aktuell gesperrte Emre Can und Niklas Stark. Und Robin Koch. Der überraschende Länderspiel-Debütant vom SC Freiburg dürfte gegen Weißrussland an der Seite von Ginter die Abwehrzentrale bilden, nachdem, Löw am Freitag auch bekanntgab, "gegen die Weißrussen mit nur zwei Innenverteidigern zu spielen, weil der Gegner nur mit einer Spitze spielt".

Ginter sieht Parallelen bei Robin Koch

Der Ex-Freiburger Ginter sieht bei Koch durchaus Parallelen im Vergleich zu seiner eigenen Karriere, die in der Spielzeit 2011/12 im Breisgau begann. "Es war nicht zu erwarten, dass er sofort Nationalspieler wird", so Ginter über seinen 23-jährigen Abwehrkollegen. "Doch er hat es sich absolut verdient, hier zu sein."

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Auch wenn Ginter, neben Manuel Neuer und Toni Kroos einer von drei verbliebenen Weltmeistern im Kader Löws, gegen die Weißrussen nicht allzu viel Defensivarbeit erwartet ("90 Minuten Ruhe wird es nicht geben"), kommt ihm dennoch die Aufgabe des Defensivorganisators zu. "Wir haben viele junge Spieler dazu bekommen nach der WM 2018, da müssen die erfahreneren vorangehen und Verantwortung übernehmen. Wie im Verein auch, merke ich, wie gut mir das tut und wie viel Spaß das mir macht."

Keine Frage, ob mit oder ohne Süle, bei der EM geht die Besetzung der Abwehrreihe offensichtlich nur über Ginter. "Ich sehe mich auf einem guten Weg", so der Abwehrchef des Bundesliga-Tabellenführers Gladbach.

bst

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