Letzter Tag des 67-Jährigen als Bayern-Präsident

Hoeneß: "Kein Problem mit Tränen" und der "überhöhte Fußball"

Uli Hoeneß

Übergibt am Freitag den FC Bayern: Uli Hoeneß. picture-alliances

Um 19 Uhr beginnt die Jahreshauptversammlung der Münchner in der Olympiahalle, der Andrang ist groß, bis zu 9000 Mitglieder des deutschen Rekordmeisters werden erwartet. "Ich bin noch gelassen, aber wenn ich in die wahrscheinlich voll besetzte Olympiahalle eintrete, wird das sicherlich emotional werden." Auch die eine oder andere Träne könnte fließen, doch für den 67-Jährigen "ist das kein Problem".

Die Fußball-Branche ist gespannt, wie sich Hoeneß nach 40 Jahren als Funktionär des FC Bayern von der ganz großen Bühne verabschiedet. Unter Punkt 1 der Tagesordnung heißt es "Bericht des Präsidenten" - Hoeneß lässt durchblicken, dass er seine Abschiedsrede ohne Skript hält, allerdings "bin ich ein Nachts-Reden-Denker und habe ab 4 Uhr an meiner Rede gefeilt. Ich muss das natürlich schon durchdenken, dass ich heute Abend etwas Vernünftiges zustande bringe."

Bayern München - Vereinsdaten

Gründungsdatum

27.02.1900

Vereinsfarben

Rot-Weiß

kicker.tv Hintergrund

"Was er beim FC Bayern bewegt hat, ist einmalig" - Uli Hoeneß sagt "Servus"

alle Videos in der Übersicht

Natürlich wird er auch zurückblicken, Gefühlsmomente inklusive. Das verlorene Champions-League-Finale von 1999 gegen Manchester United (1:2) nennt er spontan als "den emotionalsten Moment, weil binnen zwei Minuten die Arbeit eines ganzen Jahres vorbei ist". Persönlich sehr berührt habe ihn die Verbindung zu Franck Ribery, der "als Spieler nach München kam, in der Gewissheit, bald spiel' ich bei Real Madrid. Jetzt ist er über zehn Jahre da und hat vor, in München zu leben mit seiner Familie, obwohl er jetzt kurzfristig noch in Florenz ist. Das finde ich toll."

Unauslöschbar scheinen auch die Erinnerungen an Sebastian Deisler, der von 2002 bis 2007 bei den Münchnern spielte und seine Karriere wegen schweren Depressionen beendete. "Als er zu mir kam und sagte, 'Herr Hoeneß, ich kann nicht mehr' - das war Wahnsinn."

Der Fußball fast zu überhöht. Die Verletzung von irgendeinem Spieler, die kommt demnächst in der Tagesschau vor dem Rücktritt von Wladimir Putin und das ist nicht in Ordnung.

Uli Hoeneß

Hoeneß blickte im Gespräch auch nach vorne, sieht den modernen Fußball "fast zu überhöht. Die Verletzung von irgendeinem Spieler, die kommt demnächst in der Tagesschau vor dem Rücktritt von Wladimir Putin und das ist nicht in Ordnung", so Hoeneß, "ich mache mir eher Sorgen, wie alte Leute mit kleiner Rente in München überleben können".

Den Verein wird er im Laufe der Jahreshauptversammlung am Abend ohne flaues Gefühl formal übergeben. "Der FC Bayern ist wirtschaftlich und sportlich in einem Topzustand. Wir sind mittendrin im Übergang von Robben und Ribery und da sieht man erste Erfolge."

bst

Die "Retterspiele" des FC Bayern unter Hoeneß