Fort- und Rückschritt zugleich

Sinkende Zuschauerzahlen beim ersten FUT Champions Cup

Trotz neuen Features zog der erste FUT Champions Cup im Jahresvergleich weniger Zuschauer an.

Trotz neuen Features zog der erste FUT Champions Cup im Jahresvergleich weniger Zuschauer an. EA SPORTS

61.016! So viele Personen schauten den FUT Champions Cup in Bukarest durchschnittlich auf den Streaming-Plattformen Twitch und YouTube, wie die Seite Esports Charts feststellt. Das ist eine ordentliche Anzahl. Zwar nicht auf einem Niveau mit großen Turnieren in League of Legends, Dota 2 oder Counter-Strike, aber auch nicht schlecht. Ein Fakt stört jedoch: In den vergangenen zwei Saisons war der Wert noch höher. Laut Esports Charts schauten beim ersten FUT Champions Cup der FIFA 19-Saison durchschnittlich 85.886 Personen zu, in FIFA 18 waren es 86.600.

Gründe für den Rückgang kann es viele geben. Beispielsweise eine fehlende Sensationsstory, wie in FIFA 18, als der junge Engländer Donovan 'Tekkz' Hunt innerhalb einer Nacht zum Star wurde. Da sich die Zuschauerzahl zu FIFA 19 aber wenig veränderte, wird das kaum das Problem gewesen sein. Die Übertragung vom 8. bis zum 10. November litt auch nicht unter großen technischen Schwierigkeiten, war sogar von besonders hoher Produktionsqualität. Eine klare Ursache ist demnach nicht auszumachen. Oder anders gesagt: Das Interesse scheint generell gesunken zu sein. Ein Weltuntergang ist das nicht, jedoch eine besorgniserregende Entwicklung, die EA im Auge behalten sollte.

EA bietet neue Stream-Optionen

Ein Weg, um die Zahlen in die Höhe zu treiben, könnte das neue Stream-Feature werden, das in Bukarest Anwendung fand: Teilnehmer durften ihre eigenen Spiele selbst übertragen. Eine gute Neuerung, die durchschnittlich rund 10.000 Zuschauer brachte, denn der Haupt-Stream ist nicht in der Lage, einen Großteil der Begegnungen abzubilden. Dadurch stecken die Veranstalter häufig in der Zwickmühle: Zeigt man die Partie eines populären Profis oder bietet man aufstrebenden, weniger bekannten Spielern eine Bühne. Das neue Feature schafft hier Abhilfe: Will ich beispielsweise nur Weltmeister Mohammed 'MoAuba' Harkous zugucken, kann ich bei seinem Kanal einschalten und verpasse nichts.

Perfekt ist das neue Feature noch nicht, denn die Übertragungen bieten nur begrenzten Unterhaltungswert. Während der Spiele gab es unkommentiertes Gameplay zu sehen und zwischendurch nur ein Pausenbild. Bestes Beispiel dafür war die Übertragung von Michael 'MegaBit' Bittner. Während die normalen Streams des Deutschen häufig vierstellige Zuschauerzahlen anziehen, schauten ihm während des Turniers in der Spitze "nur" 410 Zuschauer zu.

Andererseits kam das Feature in Bukarest erstmalig zur Anwendung. Sobald sich Zuschauer an die zusätzlichen Streams gewöhnen, sollten die Zahlen steigen. Zumal das Feature noch viel Potenzial hat, in Form von Nebenprogrammen oder Kommentatoren, und weitere Vorteile, wie 'MegaBit' im Interview mit uns herausstellte. EA unternimmt somit richtige Schritte. Es sollten nur nicht die letzten bleiben.

Christian Mittweg