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Fiat 500 120th Anniversary: Zum Geburtstag im Smoking

Im Fahrbericht: 500 1.2 8V mit 69 PS - Serienmäßig vernetzt - Elegant eingekleidet

Fiat 500 120th Anniversary: Zum Geburtstag im Smoking

Fiat 500

Fiat 500 "120th Anniversary": Schick in Schwarz-Weiß. Hersteller

Wie er aussieht: Nur in zwei Fällen ist Retro-Design zum Volltreffer geworden. Einer ist der Mini. Und der Fiat 500 der andere. Der kleine Italiener verkörpert eine Zeitreise auf Rädern, charmant übersetzt er den Schick der 1950er- und 1960er Jahre ins Lifestylige des dritten Jahrtausends. Seit zwölf Jahren geht das nun schon, und es geht gut - der Cinquecento ist der Bestseller im Fiat-Programm. 3,57 Meter kurz, drei Türen, rundum rundlich - mehr niedlich geht nicht. In der Natur des Retro-Designs liegt es aber auch, dass es modernisierungsresistent ist. Deshalb behilft sich Fiat regelmäßig mit Sondereditionen. Aktuell feiert die Marke 120. Geburtstag, anlassbezogen wirft sich also der 500 "120th Anniversary" in Schale, präzise gesagt in einen Smoking. Die Farbkombination "Tuxedo Bicolore" (teure 1000 Euro) spielt auf einen solchen Abendanzug an, ein schwarzes Dach wird hier mit elegantem "Ghiaccio-Weiß" kombiniert. Auch Schmuck legt das Geburtstagsmodell an, seine 16-Zoll-Leichtmetallräder glänzen mit kupferfarbenem Finish.

Fiat 500

Cockpit: Touchscreen, etliche Direkttasten, ein griffgünstig positionierter Schalthebel. Hersteller

Wie er eingerichtet ist: Zum Smoking trägt der Jubiläums-Cinquecento geschmackvollen Nadelstreif auf den Sitzbezügen. Den Armaturenträger ziert eine schwarze Blende, das exklusiviert den einfachen Kunststoff recht erfolgreich. Serienmäßig bekommt das 120th-Anniversary-Modell nebst einer Bluetooth-Freisprecheinrichtung ein 7-Zoll-Touchscreenradio mit Link-System, das via Apple CarPlay oder Android Auto das Smartphone ins Leben an Bord einbindet. Dem angemessenen Geburtstagsständchen mag es dienlich sein, dass der Kunde bis zu sechs Monate kostenfrei den Streamingdienst Apple Music nutzen kann - und/oder für 590 Euro ein Beats-Audiosystem bekommt. Für verhältnismäßig günstige 400 Euro Aufpreis gibt es zudem das nicht ganz intuitiv zu bedienende Uconnect-Multimediasystem mit TomTom-Navi und DAB+-Radio, wobei es das Navi - der Smartphone-Anbindung wegen - eigentlich nicht braucht.

Wie viel Platz er hat: Begrenzt. Wobei: Für Singles oder Paare ist der 500 kein schlechter Partner. Vorne sitzt es sich erstaunlich gut, und vom (in diesem Fall zweisitzigen) Fond eines Kleinstwagens erwartet man realistischerweise ohnedies nicht viel. Das gilt auch für den 185-l-Kofferraum, der eher ein Kofferräumchen ist. Macht aber nichts, denn mit einem Handgriff ist vom Gepäckabteil aus die geteilte Rücksitzlehne umzuklappen, und so passt dann doch der Wochenendeinkauf rein. Die Zuladung von 365 kg ist aber schnell aufgebraucht.

So rundlich, wie der 500 nach außen hin auftritt, gibt er sich auch nach innen. Hinterm griffigen und schön dick umschäumten Multifunktionslenkrad sitzt ein großes - eben! - Rundinstrument mit mittig platziertem Bildschirm, nach alter Schule sind viele Direkttasten vorhanden, den für die Sitzheizung suchten wir allerdings vergebens, denn solchen Luxus hat der Fiat 500 nicht zu bieten. Über den Insassen spannt sich ein Glasdach, der Sommerwind muss aber leider draußen bleiben, denn zu öffnen ist das große Panoramateil nicht.

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Flink und wendig: Der Cinquecento ist das ideale Stadtauto. Hersteller

Was ihn antreibt: Ein 1,2-l-Vierzylinder-Benziner mit 1,2 Litern Hubraum und 51 kW (69 PS). Schmale Leistung also, kein Turbo, keine Direkteinspritzung. Und doch hatten wir nicht zu klagen über das Motörchen. Am bescheidenen Lebendgewicht (940 kg) hat es erwartungsgemäß nicht schwer zu schleppen, es ist kräftig genug, um den 500 auf den üblichen Wegen in die Stadt, in die Arbeit, zum Supermarkt oder zum Kindergarten anzuschieben. Auch über Land geht es ordentlich voran. Überholmanöver wollen freilich gut geplant sein, und eine gewisse Gelassenheit sollte der Fahrer schon mitbringen. Dann klappt es auch mit der Autobahn; tapfer hat sich unser Cinquecento über die A9 von München nach Nürnberg geschlagen, zwischendurch geht eine solche Unternehmung schon mal. An Steigungen spielt die (nicht erstklassige) Schaltung eine wichtige Rolle, fünf Gänge müssen hier allerdings reichen.

Wie er sich fährt: Der Fiat 500 ist das perfekte Stadtauto. Wendig und flink mäandert er sich durch die City, und während sich der Fahrer zur Rechten noch abmüht, sein XL-SUV in die Parklücke zu wuchten, haben wir unseren Cinquecento längst lässig untergebracht. So kurz und so übersichtlich ist er, dass die Parkpiepser für hinten eigentlich überflüssig sind. Gleiches gilt für den extra-leichtgängigen "City"-Modus der Lenkung, die schon im Normal-Modus nicht allzu viel Rückmeldung liefert. Fahrassistenten? Außer Tempomat ist da nicht allzu viel. Als empfehlenswert legen wir die Investition in die buchstäblich sehr erhellenden Bi-Xenon-Scheinwerfer ans Herz.

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Ach, ist der süß: Der 500 mit seinen Kulleraugen bedient erfolgreich das Kindchen-Schema. Hersteller

Was er verbraucht: Im Test-Schnitt 5,3 l/100 km. Das könnte besser sein.

Was er mitbringt: Der Fiat 500 "120th Anniversary" hat serienmäßig Klimaanlage, Unconnect-System mit 7-Zoll-Touchscreenradio, Link-System zur Smartphone-Integration, 16-Zoll-Alufelgen, Nebelscheinwerfer, Tempomat, Bluetooth-Freisprechen, Multifunktionslenkrad, LED-Tagfahrlicht und ein feststehendes Glasdach zu bieten. Die Aufpreisliste passt auf ein Zettelchen: "120th-Anniversary"-Pack mit Parksensoren, Licht- und Regensensor, Instrumentenanzeige als 7-Zoll-Farbdisplay und höhenverstellbarem Fahrersitz (500 Euro), Navi mit DAB+-Radio (400 Euro), Beats-Audiosystem (590 Euro), Dualogic-Automatik (1000 Euro), Bi-Xenon-Scheinwerfer (990 Euro), Sonderlackierungen (350 bis 1000 Euro).

Was er kostet: Ab 16.790 Euro

Was wir meinen: Als kleines, flinkes Stadtauto ist der Fiat 500 unschlagbar. Angesichts seines Charmes sieht man über Schwächen wie die nicht mehr topaktuelle Technik oder das Fehlen von Assistenzsystemen großzügig hinweg. Allerdings verlangt Fiat einen nicht unbescheidenen Lifestyle-Tarif für seinen Bestseller. Die Aufpreise für Extras wie Navi oder Audiosystem bleiben zwar fair, insgesamt 21.060 Euro für unseren Testwagen sind aber happig. Dafür lässt es sich gut auch ein, wenn nicht sogar zwei Fahrzeugklassen höher einkaufen - auch wenn man dort nicht so viel Charme für sein Geld bekommt.

Ulla Ellmer

Die Daten des Fiat 500 1.2 8V "120th Anniversary"

Hubraum 1242 ccm, Zylinder 4, Leistung 51 kW/69 PS bei 5500/min, max. Drehmoment 102 Nm bei 3000/min, Spitze 160 km/h, Beschleunigung 0 auf 100 km/h in 12,9 sec, Normverbrauch innerorts 6,2, außerorts 4,2, kombiniert 4,9 l S pro 100 km, Testverbrauch 5,3 l S/100 km, CO2-Emission 115 g/km, Schadstoffklasse Euro 6d-Temp, Energie-Effizienzklasse C, Länge 3,57 m, Breite 1,63 m, Höhe 1,49 m, Kofferraum 185 bis 550 l (zweisitzig), Kraftstoff-Tank 35 l, Leergewicht 940 kg, zulässiges Gesamtgewicht 1305 kg, Zuladung 365 kg, Anhängelast 800 kg (gebremst), 400 kg (ungebremst). Manuelles Fünfganggetriebe, Frontantrieb. Versicherungs-Typklassen 14 (KH), 17 (TK), 15 (VK). Preis ab 16.790 Euro.