Streamer im kicker eSport Gespräch

"Ich kann davon leben" - 'proownez' knackt YT-Meilenstein

Danny 'proownez' Liepolt hat es geschafft: Die Million ist voll.

Danny 'proownez' Liepolt hat es geschafft: Die Million ist voll. Danny Liepolt

Danny 'proownez' Liepolt hat einen weiteren Meilenstein erreicht: Eine Million Abonnenten auf YouTube. Das ist in etwa die Einwohnerzahl von Deutschlands viertgrößter Stadt Köln. So viele Zuschauer folgen dem Kanal des FIFA-YouTubers und werden theoretisch mit seinen Beiträgen beliefert. Zwischen 150.000 und 300.000 Aufrufe verzeichnen seine Videos - im Fernsehen wäre das eine Traumquote.

Früher galt die Million Abos auf YouTube als wichtigster Meilenstein, so schwierig zu erreichen, dass der Plattformbetreiber einen Preis an alle verschickt, die die magische Zahl knacken. Auch Liepolt gehört nun zu denen, die einen "goldenen Play Button" von YouTube erhalten haben. Er selbst ist überglücklich, feierte den Erfolg gebührend auf seinen eigenen Kanälen. Im Gespräch mit kicker eSport erinnert sich 'proownez' an die Anfangszeit zurück: "Als ich mit YouTube anfing, habe ich nicht mal damit gerechnet, überhaupt je 1.000 oder 10.000 Leute zu erreichen." Ein tolles Gefühl sei es, nun die eine Million erreicht zu haben, sagt er weiter.

Auf Instagram gratulierten ihm viele, besonders die Kollegen aus der Szene. Sie wissen, wie wichtig die Million ist: Sie bringt Stabilität. Wer sie erreicht, kann in der Regel allein von YouTube leben. Zwar sind Werbeeinnahmen nicht von Abonnenten abhängig, sondern zum Beispiel von Aufrufzahlen, Watchtime und Familienfreundlichkeit, aber mit einer Million ist eine ausreichend große Masse an Zuschauern vorhanden, um Geld in die Kasse zu spülen. Auch Liepolt weiß das und konzentriert sich seit Langem vor allem auf die Videoplattform. "Ich kann auf jeden Fall davon leben", sagt er uns. Seine eSport-Karriere betreibt er nur nebenbei.

Der Löwenanteil kommt von YouTube

So präsentiert 'proownz' seine Videos auf YouTube.

So präsentiert 'proownz' seine Videos auf YouTube. Danny Liepolt

Wie wichtig YouTube ist, zeigt die Einnahmenaufteilung des FIFA-Spielers: "Ganz grob überschlagen sind es durch YouTube, inklusive der dortigen Product Placements, etwa 50 Prozent." Allerdings sei das gar nicht so einfach einzuordnen, denn "es ist auch davon abhängig, wie viele Produktplatzierungen ich mache. Ich gehe generell eher wenige Kooperationen ein, da ich nur für Sachen werben möchte, mit denen ich mich identifizieren kann."

Produktplatzierungen sind in den vergangenen Jahren immer wichtiger geworden. Künstler erhalten mitunter einen fixen Beitrag gegen eine vereinbarte Anzahl an Nennungen. Damit lässt sich besser planen, als mit schwankenden Werbeeinnahmen, auf die die YouTuber zusätzlich kaum Einfluss haben. Passt der Kanal nicht zu umsatzstarken Marken, gibt es weniger Werbegeld. Letztlich liegt auch alle Macht bei YouTube. Liepolts Kanal sollte allerdings kaum anecken.

Die Hälfte seines Einkommens bestreitet Liepholt nach eigener Aussage mit YouTube, der Rest dürfte über seine Organisation den FOKUS CLAN, Instagram und weitere Werbeverträge hereinkommen.

Zu wenig Geld im FIFA-eSport

'proownez' sendet aus seinem eigenen Studio. Produktplatzierungen sichern einen Teil des Einkommens.

'proownez' sendet aus seinem eigenen Studio. Produktplatzierungen sichern einen Teil des Einkommens. Danny Liepolt

Liepolt legt mit seinen Aussagen ein Problem offen, dass die gesamte kompetitive FIFA-Szene erfasst hat: Preisgelder und Saläre durch Organisationen und Vereine reichen nicht zum Leben. Nur eine Handvoll FIFA-Spieler verdient das große Geld, der Rest bekommt so wenig, dass es gerade einmal für das Upgrade der eigenen Mannschaft reicht. 'proownez' sieht das allerdings anders, ihm ist der Grundton zu negativ: "Während einige Teams gehen, kommen wieder neue. Es setzen sich die mit der besten Strategie und dem größten Commitment durch."

Eine ständige Fluktuation von Teams zeigt aber auch: Viele die es versuchen, müssen aufgeben. Liefe der Laden, würde niemand auf die Idee kommen, das Geschäftsmodell zu begraben.

"Ich schaue mir die Streams nicht gerne an"

'proowez' übt auch Kritik. Er weiß, wie man eine breite Masse an Menschen erreicht und das schaffe Spielehersteller und Turnierveranstalter EA SPORTS noch nicht: "Klar ist aber auch, dass es vieles gibt, an dem noch gearbeitet werden muss, denn so wie beispielsweise die Events aktuell präsentiert werden, ist das Interesse der breiten Masse einfach nicht groß genug. Das Potenzial ist riesig, aber nicht mal ich selbst schau mir die Streams gerne an. Da könnte man so viel mehr machen."

Liepolt ist Gründungsmitglied des FOKUS CLAN, wo er zusammen mit 'STYLO', 'Sakul' und Weltmeister 'MoAuba' unter Vertrag steht. Es ist einer der wenigen, wenn nicht sogar der einzige deutsche FIFA-Clan, der derzeit mutmaßlich profitabel arbeitet. Große Sponsoren sind an Bord, der Weltmeister entschied sich kürzlich etwas überraschend für die Organisation und schlug diverse internationale Angebote aus. Das Team, das mittlerweile seinen Hauptsitz in der Schweiz hat, scheint etwas richtig zu machen. "Der FOKUS CLAN ist sehr familiär", sagt Liepolt, "Wir sind alle miteinander befreundet. Keiner wird einfach ersetzt. Jeder gibt alles für das Team und das Konzept dahinter. Sowohl Team als auch Spieler planen langfristig miteinander und können sich aufeinander verlassen."

Reichweite ist der Schlüssel

Die Reichweiten sind der Schlüssel, um große Marken anzulocken. Und was hat schon mehr Reichweite als einer von Deutschlands größten FIFA-YouTuber zusammen mit dem amtierenden Weltmeister? Die vier Spieler beschäftigen, folgt man Liepolts Aussagen, ein Management, das mit seinen Stars umzugehen weiß: "Sie sind einfach besser als die Konkurrenz und verstehen es, unsere Reichweiten und unsere Erfolge entsprechend zu vermarkten. Die Zusammenarbeit mit unseren Partnern ist sehr eng und auch hier weiß jeder, was er an dem anderen hat."

eSport ist für 'proownez' nur noch Nebensache. Sein Fokus gilt seinen Videos. Das hat aber einen besonderen Grund und der ist ganz und gar nicht monetär motiviert: "Bei FIFA kann man seine sportliche Leistung nie vorhersehen. Mit jedem Patch spielt es sich komplett anders und mal passt der eigene Stil besser, mal schlechter und das trotz Anpassung. Warten wir einfach den nächsten Patch ab."

Vielleicht bringt der ja auch den sportlichen Erfolg. Liepolt hat es spätestens jetzt geschafft: Er hat ein festes Einkommen und gute Zukunftsperspektiven. Und so soll es bleiben, neue Ziele hat der junge Mann zunächst keine: "Ich möchte einfach so weitermachen wie bisher."

Holm Kräusche

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