Mehr Sport

Hojer mit Tempo zum Titel, Dörffel holt sich den besten Bonus

Deutsche Meisterschaften im Lead-Klettern

Hojer mit Tempo zum Titel, Dörffel holt sich den besten Bonus

Jan Hojer

Holte sich den Titel bei den Herren: Jan Hojer. DAV

Die beiden Top-Favoriten in der Herrenkonkurrenz hießen Jan Hojer und Yannick Flohé, die das Halbfinale mit unterschiedlichem Ausgang abschlossen: Während Flohé die Route voll durchstieg und am Top ankam, stürzte Hojer kurz unterhalb des obersten Griffs. Christoph Hanke war neben Flohé der einzige, der im Halbfinale ebenfalls ganz oben ankam - folglich musste Hojer im Finale besser abschneiden, als die beiden Hauptkonkurrenten, um sich den Titel zu schnappen, den er bereits 2017 einfahren konnte.

Und der für den DAV Frankfurt startende Kletterer aus Frechen hielt dem Druck stand. Der 27-Jährige meisterte die Route in einem sehr schnellen Tempo (unter drei Minuten) und hatte an keiner Schlüsselstelle wirklich ernsthafte Probleme. Nach Hojer war im Achter-Finale Hanke an der Reihe - und der 25-Jährige vom DAV Ringsee zeigte sich nach seiner Schulterverletzung ebenfalls in starker Form. Mit der linken Hand erreichte er den Top-Griff, doch als er mit rechts dort zupacken wollte, rutschte er mit dem Fuß weg und verlor dadurch auch den Titel.

Als letztes hätte sich Flohé Platz eins sichern können, doch kurz unterhalb der Ankunft rutschte dem 20-Jährigen von der Sektion Essen ebenfalls das rechte Bein weg, so dass er sich mit Platz 3 begnügen musste. Für Hojer war es der dritte deutsche Meistertitel, allerdings geht sein Blick schon Richtung Ende November: "Ich bin gut geklettert. Aber wichtig ist mir vor allem, dass ich mich für Toulouse gut vorbereitet fühle."

Dörffler überzeugt und überrascht sich selbst

Bei der Damenkonkurrenz sicherte sich Lucia Dörffel mit einer bärenstarken Finalvorstellung den ersten Platz. Für die 19-Jährige, die für den Sächsischen Bergsteigerbund klettert, war die Lead-Meisterschaft nach der errungenen deutschen Meisterschaft im Bouldern ein Bonus-Wettkampf.

Lucia Dörffler

Holte sich den Titel bei den Damen: Lucia Dörffler. DAV

Als einzige der acht Finalistinnen kam sie auch nur in die Nähe des Topgriffs, den meisten anderen wurde eine schwierige Passage mit drei aufeinanderfolgenden Volumen zum Verhängnis. So siegte Dörffel am Ende mit einer Wertung von 51+ vor der zweitplatzierten Roxana Wienand (Aschaffenburg, 37+) und Titelverteidigerin Frederike Fell (Freising, 35+). Für Dörffel war es ein überraschender Erfolg: "Damit habe ich nicht gerechnet", sagte sie freudestrahlend. "Dass ich mir jetzt auch noch den Leadtitel geholt habe, ist für mich die absolute Krönung."

Die stärkste Kletterin des Halbfinales - Romy Fuchs von der Sektion München Oberland - erreichte als einzige den Topgriff, stürzte als letzte Starterin des Finals bei Griff 35 und musste mit dem unliebsamen vierten Platz vorliebnehmen.

Alma Bestvater und Afra Hönig, die zuletzt auch bei internationalen Wettkämpfen am Start waren, verpassten das Finale der letzten Acht. Die Weimarerin wurde im Halbfinale 11., die Landshuterin 14.

Coach Klaus erkennt Unterschiede

Bundestrainer Maxi Klaus zog nach den Wettkämpfen ein positives Fazit. "Es war ein guter Wettkampf, die Damenroute im Finale war sehr gelungen und von Beginn an fordernd. Die Herren-Route dagegen war zwar für das Publikum gut anzusehen, aber etwas zu leicht für den Leistungsstand unserer Athleten", so Klaus auf der Internetseite des DAV.

Einschränkend erwähnte er aber das derzeitige Leistungsgefälle zwischen Damen und Herren: "Bei den Herren haben wir mittlerweile Leute dabei, die an der Weltspitze mitklettern können, bei den Damen sind wir im Lead in Deutschland aber momentan leider weit weg von der Weltspitze. Da hoffen wir auf die Nachwuchsathletinnen, die heute auch auf dem Podium standen."

Lesen Sie auch: Dreikampf an der Wand - der Olympic-Combined-Modus

bst

Megos, Hojer & Co: Diese 14 Kletterer sind schon für Tokio 2020 qualifiziert