Bundesliga

"Uli stöhnte: Ach du lieber Gott"

Als Sepp Maier mit Hoeneß aus dem WM-Quartier ausbüxte

"Uli stöhnte: Ach du lieber Gott"

Uli Hoeneß (l.) und Sepp Maier - hier 1972 im Bayern-Dress.

Uli Hoeneß (l.) und Sepp Maier - hier 1972 im Bayern-Dress. imago images

Auf dem Platz war Uli Hoeneß "wie ein Rugbyspieler, wie eine Walze", erinnert sich sein langjähriger Mitspieler Sepp Maier. Doch wehe, diese Walze musste köpfen: "Da hatte er immer Angst um seine Locken, dass sie verbogen werden", scherzt Maier auf der Klubwebsite des FC Bayern.

Dort blickt die 75 Jahre alte Torwart-Legende auf ihre gemeinsame Zeit mit Hoeneß zurück, der sich am Freitag beim Rekordmeister aus dem Präsidentenamt verabschieden wird. Eine Anekdote von der Heim-WM 1974 ist Maier dabei besonders in Erinnerung geblieben.

Maier wollte nachts um zwei los - Hoeneß fragte: "Spinnst du?"

Nach dem verlorenen Gruppenspiel gegen die DDR sei er damals mit Hoeneß im Hotel gesessen und habe die Idee aufgebracht, "dass wir doch noch unsere Frauen in Hamburg im Hotel besuchen könnten". Nur war es laut Maier zwei Uhr nachts, und Hoeneß äußerte Bedenken: "Spinnst du, wie sollen wir da hinkommen?"

"Aber ich hatte da eine Idee", so Maier: "Unser Sicherheitsbeamter, der immer bei uns war, hatte ein Auto, also habe ich ihn gefragt, ob er uns fährt. Nachdem er nicht fahren wollte, weil er schon den ganzen Tag auf den Füßen gewesen ist, sagte ich zu ihm, er solle sich doch einfach hinten reinlegen, ich fahre."

"Auf der Fahrt ging die Bremse kaputt, also musste ich mich auf die Handbremse verlassen"

Und so ging es nachts um drei los, von Malente in Schleswig-Holstein ins gut eineinhalb Autostunden entfernte Hamburg. Es wurde abenteuerlich. "Auf der Fahrt ging die Bremse kaputt, also musste ich mich nach einer Weile ständig auf die Handbremse verlassen", berichtet Maier, der mit Hoeneß trotzdem sicher in Hamburg eintraf. Und sie waren nicht mehr aufzuhalten.

"Als wir am Hotel ankamen, saßen unsere Frauen mit Journalisten an der Bar. Wir sind aber trotzdem reingegangen und haben mit den Reportern ausgemacht, dass sie nichts schreiben dürften, sonst gäbe es Ärger", so Maier. "Und so hatten wir dann einen super Abend."

"Wir standen pünktlich auf dem Trainingsplatz, allerdings hatte ich von der Handbremse Blasen"

Und die Rückfahrt? "Um acht Uhr holte uns unser Sicherheitsbeamter wieder ab, leider ging die Bremse immer noch nicht. 'Ach du lieber Gott. Jetzt müssen wir so heimfahren', stöhnte Uli. Unser Beamter legte sich wieder gemütlich auf den Rücksitz, ich fuhr und musste permanent die Handbremse anziehen. Dennoch kamen wir rechtzeitig zurück ins Hotel und standen pünktlich um zehn Uhr auf dem Trainingsplatz, allerdings hatte ich von der Handbremse Blasen an den Händen. Es ist aber nichts rausgekommen, Uli und ich hatten eine Riesen-Gaudi, trainierten anständig - und wurden am Ende Weltmeister."

jpe

Uli Hoeneß - der Baumeister des FC Bayern