Bundestrainer gibt Hertha-Pechvogel Einsatzgarantie

Löw fordert Robustheit - Stark will Möbel verrücken

Joachim Löw

Geht fest von zwei Siegen aus: Bundestrainer Joachim Löw. Getty Images

Ungemütlich ist es am Dienstagvormittag in Düsseldorf, kalt, regnerisch, windig. Joachim Löw allerdings lässt sich davon nicht abschrecken. Entspannt stellt er sich nach seiner Ankunft im DFB-Quartier in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt in den Wind - und den Fragen der Presse.

Löw fordert Widerstandsfähigkeit - am Samstag sah er "harmlose" Dortmunder

Der Bundestrainer hat eine Botschaft im Gepäck mitgebracht, gerichtet an seine Spieler, geäußert in aller Öffentlichkeit: Löw wünscht sich künftig eine größere Robustheit im deutschen Spiel, eine höhere Widerstandsfähigkeit und verbesserte Durchsetzungskraft im Zweikampf. "Da haben wir in den vergangenen Spielen in manchen Situationen schon Mängel gezeigt", sagt er, dem Herbstwetter trotzend. "Das allerdings ist eine Grundvoraussetzung, um erfolgreich zu sein. International ist es schon so, dass es auf eine unglaubliche Robustheit in den Zweikämpfen ankommt. Wir müssen daran arbeiten, auch diese körperliche Robustheit in unser Spiel zu bringen."

Als Beleg dafür führt Löw das Bundesliga-Topspiel des vergangenen Wochenendes an: Der FC Bayern sei gegen "harmlose" Dortmunder da gewesen, "gerade weil es darauf ankam und sie ein Stück weit mit dem Rücken zur Wand standen". Genau dann seien die Münchner zu "außergewöhnlichen Leistungen fähig". So wie es sich der Bundestrainer auch von seinen Nationalspielern wünscht.

Stark mit Nasenbeinbruch dabei: "Ruft der Bundestrainer an, komme ich, wenn ich laufen kann"

Aufgeben - das ist zumindest für Niklas Stark keine Alternative. Der Berliner, der bislang vier vergebliche Anläufe auf sein DFB-Debüt nahm, kommt am Dienstag kurz nach Löw am Teamhotel an. Im Gesicht ist der Innenverteidiger von Hertha BSC noch gezeichnet von seinem am Samstag erlittenen Nasenbeinbruch. Auf der Nase klebt ein Pflaster, unter dem Auge ist die Haut verfärbt. Eine erneute Absage allerdings, die kam für Stark nicht in Frage. "Wenn der Bundestrainer anruft und sagt, dass er mich dabeihaben will, dann komme ich, wenn ich laufen kann. Deshalb bin ich heute hier", sagt er. "Ich will den Traum wahrwerden lassen, ein Teil dieser Mannschaft sein."

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Scherzhaft ergänzt er, dafür würde er notfalls sogar die Zimmermöbel verrücken: "Ich werde alles freiräumen. Alles hochstellen. Dann klappt das schon", sagt er - und spielt damit auf seinen Unfall beim letzten DFB-Treffen im September in Dortmund an. Damals war Stark - bereits krank angereist - gegen einen Tisch gelaufen und hatte sich dabei eine schmerzhafte Wunde am Unterschenkel zugezogen. Nach drei Nominierungen ohne anschließenden Debüt-Einsatz musste er den vierten Anlauf vorzeitig verletzungsbedingt beenden.

Wird er fit, darf Stark diesmal auch wirklich debütieren

Jetzt ist er wieder dabei, im nunmehr fünften Anlauf, wenn auch erneut stark angeschlagen. Doch diesmal soll es klappen - Löw hat ihm nach kicker-Informationen eine Einsatzgarantie gegeben für den Fall, dass die Ärzte grünes Licht für einen Einsatz mit Maske geben.

Wir werden beide Spiele gewinnen und uns qualifizieren.

Joachim Löw

Ob mit oder ohne Stark: Die Zielsetzung der deutschen Mannschaft für die beiden finalen EM-Qualifikationsspiele gegen Weißrussland (Samstag in Mönchengladbach) und Nordirland (nächsten Dienstag in Frankfurt), in denen die Teilnahme an der kontinentalen Endrunde fix gemacht werden soll, ist klar: Zwei Siege seien "Pflicht", sagt Stark und liegt damit auf einer Linie mit Löw.

"Wir gehen mit einem guten Gefühl in diese Spiele", sagt der Bundestrainer zu Beginn der Trainingswoche in Düsseldorf. "Beide Gegner haben uns in den Hinspielen gefordert. Aber wir werden beide Spiele gewinnen und uns qualifizieren." Geht es nach Löw, am liebsten durch schönes Spiel - und die international inzwischen nötige Robustheit.

Matthias Dersch

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