Nach Finalniederlage bei der Weltmeisterschaft

G2 Esports und das aufgeschobene Happy End

Symbolisch für den Zusammenhalt des Teams: G2 Esports steht vereint im Konfettiregen der Konkurrenz.

Symbolisch für den Zusammenhalt des Teams: G2 Esports steht vereint im Konfettiregen der Konkurrenz. lolesports

"Das war sehr eindeutig und nicht gut. Heute sind wir am Boden, morgen hoffentlich an der Spitze", mit dieser Nachricht wandte sich G2-Boss Carlos 'ocelote' Rodriguez nur wenige Minuten nach der Niederlage im WM-Finale an die Fans seiner Mannschaft. Es war eine ungewohnt ernste Botschaft des Spaniers, der sonst stets zu Späßen aufgelegt ist. Und obwohl Rodriguez und seine Spieler noch am selben Abend über die eigene Pleite witzelten, so blitzte immer wieder durch: Dieser Misserfolg trifft hart. Sowohl der deutsche Cheftrainer Fabian 'GrabbZ' Lohmann als auch die Spieler gestanden Fehler ein. Es war der erste große Rückschlag in einer Saison, in der sich ein Sieg an den nächsten reihte.

Ende einer Traumsaison

Tatsächlich hatte FunPlus Phoenix den europäischen Doppelmeister im Finale an die Wand gespielt. G2 Esports Spielwitz schien verloren. Anstatt mit neuen Taktiken zu punkten und das Tempo zu kontrollieren, rannten die fünf Spieler häufig nur hinterher. Ein langsames und fehleranfälliges G2, das war ungewohnt und trug zu dem einseitigen Ergebnis bei. Es verwässerte das Bild eines Teams, das sich immer zurückkämpfen konnte, egal wie groß der Rückstand war. Egal ob Positionswechsel, Verletzungen oder schier übermächtige Gegner, nichts hielt den MSI-Champion auf. Es ist auch ein Grund dafür, warum diese Ausgabe von G2 als bisher bestes westliches League of Legends-Team aller Zeiten gilt. Dieser glänzende Ruf erhielt in Paris jedoch eine Delle.

Blick in die Zukunft

Obgleich enttäuscht, lobte 'ocelote' seine Schützlinge im Anschluss an das Finale und betonte, wie stolz er sei. In über 350 Spielern in sechs Jahren G2 hätte er noch nie eine Mannschaft mit solch einem Teamgeist erlebt. Trotz vermasselten Endes bleiben daher viele positive Erinnerungen mit Blick auf die gesamte Saison. Zumal die Geschichte noch nicht zu Ende geschrieben ist. Denn während viele Mannschaften nach einer derartigen Niederlage auseinandergehen, wie es ein Jahr zuvor bei Fnatic der Fall war, so wird G2 wohl zusammenzubleiben. Nicht nur verstehen sich die Spieler gut und haben zumindest dem Anschein nach mehr Spaß auf dem Feld, als jedes andere Team - auch spielerische Upgrades auf den einzelnen Positionen sind fast unmöglich. Ebenso nicht zu vergessen: Die Verträge der Spieler laufen noch bis Ende 2021.

Sollte 'ocelote' keine Änderungen planen, was nach seinen Aussagen unwahrscheinlich ist, wird diese Mannschaft demnach auch kommendes Jahr auf Jagd nach dem WM-Pokal gehen, was prompt von Trainer Lohmann als Ziel ausgerufen wurde. Mit der Finalniederlage wurde ein Kapitel geschlossen, das nächste beginnt wohl auf eine sehr ähnliche Weise: Mit den gleichen Protagonisten, den gleichen Ambitionen, dem gleichen Unterhaltungswert, aber vielleicht - und so wird G2 hoffen - einen anderem Ende.

Christian Mittweg