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Liverpools großer Schritt - Was Klopp trotzdem "in der Seele wehtut"

Trainer will Tabellensituation nicht überbewerten

Liverpools großer Schritt - Was Klopp trotzdem "in der Seele wehtut"

Nach zwölf Spieltagen neun Punkte vor Manchester City: Jürgen Klopp und der FC Liverpool.

Nach zwölf Spieltagen neun Punkte vor Manchester City: Jürgen Klopp und der FC Liverpool. imago images

Aus Liverpool berichtet Martin Gruener

Als es vollbracht war, war es Dejan Lovren, der die Kollegen anführte beim Marsch Richtung Kop. Vor ihrer Lieblingstribüne feierte die Mannschaft des FC Liverpool den 3:1-Sieg über Manchester City, in einem "massive, massive game", wie Verteidiger Lovren erklärte. Und sein Trainer widersprach nicht. "Sie waren gut. Oh, sie waren gut", sagte Jürgen Klopp am Sky-Mikro über seine Mannschaft, aber auch über die Citizens.

Klopp kennt nur einen Weg, gegen ManCity zu gewinnen

"Wir mussten mit allem, was wir hatten, verteidigen, aber wir haben unglaubliche Tore geschossen", war Liverpools Coach mehr als begeistert. Er meinte das 1:0 von Fabinho, der den Ball aus gut 20 Metern neben den Pfosten ins Tor knallte. Und vor allem meinte Klopp den rasanten Konter über Andy Robertson, der maßgenau für Mohamed Salah serviert hatte. "Ein solches Tor haben wir, glaube ich, noch nicht gesehen", schwärmte er. Und dann auch noch diese Flanke von Jordan Henderson auf Sadio Mané vor dem 3:0. All das begleitet von beinharter Abwehrarbeit. "Ich weiß gar nicht, ob es zwei Wege gibt, gegen ManCity zu gewinnen, aber ich kenne nur einen - und der ist Intensität", so Klopp.

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Eine Stunde nach Schlusspfiff in Anfield mischten sich in den Pubs der Innenstadt bereits die Fans unter die mit Orden behängten Veteranen, die an diesem Sonntag in ganz Großbritannien den Remembrance Day begingen und so eine etwas kuriose Mischung ergaben. Das elfmeterreife Handspiel von Trent Alexander-Arnold kurz vor dem Angriff zum 1:0? War den Leuten in Liverpool im Gegensatz zu Pep Guardiola natürlich egal. Für sie zählte der 3:1-Sieg. Und so könnten diese 20 Sekunden die entscheidenden auf dem Weg zur ersten Meisterschaft seit 1990 sein. "Jetzt schaffen wir es", jubelte Roy, ein glatzköpfiger Mittsechziger, der den Klub seit Jahrzehnten auch auswärts begleitet, vor dem Celtic House. "Das wird der Titel. Und der bedeutet uns noch mehr als die Champions League."

Klopps Ansatz für Nyon: "Wir müssen reden! Das ist alles Wahnsinn"

Mit neun Punkten Polster auf den Meister sowie acht auf Leicester und Chelsea geht der LFC nun in die Länderspielpause und wirkt dabei mental deutlich stabiler als vor einem Jahr, als nach sogar 20 Spielen ein Vorsprung von sieben Zählern am Ende nicht gereicht hatte. Aber körperlich zehrt all das natürlich. "Jetzt gehen die Jungs zur Nationalmannschaft. Und wer gesehen hat, wie die kaputt waren, und die spielen in drei, vier Tagen schon wieder - das tut mir wirklich in der Seele weh", sagte Klopp, der an diesem Montag zum Trainerforum der UEFA reist, wo er auch die Belastung der Spieler zum Thema machen will. "Wir müssen reden! Das ist alles Wahnsinn."

Natürlich werden die Leute sagen: Ab jetzt können sie es nur noch verlieren. Aber das ist uns egal.

Jürgen Klopp

Mit großen Tönen Richtung Tabellenführung hält sich Klopp aber lieber zurück. Denn noch sind es 26 Spieltage, es folgen die stressigen Tage im Dezember mit Ligapokal, Klub-WM und Boxing Day. "Neun Punkte vor City, das ist verrückt. Aber wer will schon Anfang November Erster sein?", fragte er. "Natürlich werden die Leute sagen: Ab jetzt können sie es nur noch verlieren. Aber das ist uns egal."

Klopp lernte an diesem Sonntag noch eine völlig andere Seite des Fußballs kennen

Denn er hat an diesem Sonntag auch eine völlig andere Seite des Fußballs gesehen. Nämlich bei seinem Treffen mit Sean Cox, jenem Liverpool-Fan, der im April 2018 von Fans der AS Roma ins Koma geprügelt worden war und nun erstmals wieder im Stadion war. Cox sitzt seit der Attacke im Rollstuhl und wird wohl nie mehr richtig gesund. "Es war ein wichtiger Tag für ihn", meinte Klopp nach dem Sieg. Aber auch für seine Mannschaft.

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