Deutsche Frauen überzeugen im letzten Länderspiel 2019

Auf ein Wiedersehen in Wembley 2021?

Martina Voss-Tecklenburg

Sah "viele gute Sachen" ihres Teams: Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg. imago images

Aus London berichtet Martin Gruener

Martina Voss-Tecklenburg strahlte übers ganze Gesicht. "Dieser Auftritt hier bringt unsere junge Mannschaft weiter nach vorn", freute sich die Bundestrainerin über den versöhnlichen Ausklang eines ansonsten eher schwierigen Länderspieljahres, getrübt vom WM-Aus im Viertelfinale. "Wir haben heute viele gute Sachen gesehen", sagte sie. Etwa die frühe Führung durch den Kopfball von Alexandra Popp schon nach neun Minuten, in der Folge weitere selbstbewusste Kombinationen ihres Teams, den gehaltenen Elfmeter von Keeperin Mehrle Frohms, die aber kurz vor der Pause in einer deutschen Schwächephase doch noch den Ausgleich kassierte. Englands Ellen White stand bei ihrem Schuss jedoch mutmaßlich knapp im Abseits.

In der zweiten Hälfte agierte das DFB-Team wieder souverän, ließ den WM-Vierten England kaum Räume oder Chancen und gewann schließlich verdient, weil Klara Bühl mit einem schönen Schuss ins lange Eck traf. "Die Kulisse hat uns enorm gepusht", meinte die erst 18-jährige Freiburgerin hinterher. "Ich habe aber auch versucht, es zu genießen."

Ihr früherer Vereinspräsident Fritz Keller war ebenfalls mit in England, jetzt jedoch in seiner Funktion als Chef des DFB. Nur einmal pro Hälfte habe er aufs Handy geschaut, wie es parallel bei Bayern gegen Dortmund stehe, gab Keller zu. Dass er nicht in München, sondern in London auf der Tribüne saß, soll den Stellenwert verdeutlichen, den er dem Frauenfußball fortan geben will. "Wir müssen von den Engländern lernen, wie der Frauenfußball hier in der Gesellschaft festgeschrieben ist", meinte der DFB-Präsident. In mehreren Arbeitsgesprächen wurde dazu rund um das Spiel der Austausch mit den Kollegen der FA und den großen Vereinen vorangetrieben.

Auf der Insel wird mit Hilfe von Marketing und Sponsoren seit einiger Zeit versucht, die Women's Super League sowie die Nationalelf fest zu etablieren, schließlich findet neben den finalen Spielen der Männer-EM 2020 auch die komplette Frauen-EM 2021 in England statt. "Das war jetzt schon ein schöner Vorgeschmack darauf", findet Trainerin Voss-Tecklenburg, die in anderthalb Jahren natürlich gern zum Finale wieder hier wäre.

Zwar waren im Novemberregen nicht alle Zuschauer gekommen, die eine der knapp 90.000 teils arg verbilligten Karten gekauft hatten. Auch reichte die Kulisse von knapp 78.000 Fans so nicht ganz für den geplanten Europarekord, der weiter bei den 80.023 im Olympia-Finale 2012 liegt, als die USA gegen Japan Gold holten. Es ist jedoch eine neue Bestmarke bei einem Heimspiel der Lionesses, wie sich die Nationalelf stolz selbst nennt.

Und die Atmosphäre war speziell. Es hingen keine weißen Fahnen mit dem roten Georgskreuz und den Städtenamen aus denen die Fans stammen, wie es bei den Länderspielen der Three Lions Tradition ist. Auch gab es kaum längere Gesänge, doch laut war es dennoch. Bei den "Come on England"-Rufen klangen die Stimmen dabei viel heller als sonst in Wembley, weil eben viele Kinder und Jugendliche im Stadion saßen. Der frühe Anstoß um 17.30 Uhr Ortszeit machte es möglich, während die Männer ja wie in Deutschland fast nur noch spätabends spielen.

Auch am Donnerstag geht es hier wieder erst gut zwei Stunden später los. Dann steht das 1000. Länderspiel in der Geschichte der FA an. Montenegro kommt zum Jubiläum in den Nordwesten Londons und die Three Lions könnten dabei auch noch die Qualifikation für die EM 2020 feiern. Die Feiertage in Wembley, sie reißen nicht ab.